+
Haris Seferovic (M) reagiert nach einer vergebenen Chance.

Hamburger SV - Eintracht Frankfurt 0:0

Ausgebremste Eintracht-Magie

  • schließen

Das magische Dreieck zündete dieses Mal nicht: In einem sehr intensiven Spiel trennten sich der Hamburger SV und Eintracht Frankfurt torlos: „Wir können ja nicht jeder Woche 4:1 oder 5:1 gewinnen“, sagte Stefan Reinartz. Denn einer hatte was dagegen.

Nach einer guten Stunde schien der Bann endlich gebrochen, schien die Zeit reif für die  Frankfurter Führung zu sein.  62 Minuten waren gespielt, da flankte Haris Seferovic von links in den Hamburger Strafraum und Alexander Meier kam im Fünfmeterraum frei zum Schuss. Ein sicheres Tor, Meier konnte seine geliebte Innenseite benutzen, das klappt meist immer: Und der Ball sauste knapp über der Grasnarbe aufs Tor -  und die meisten der gut 55.000 Zuschauer hatten die Kugel schon im Netz gesehen.

Doch dann rauschte die Faust von Jaroslav Drobny heran, der Schlussmann des HSV machte sich ganz lange, tauchte raketenschnell nach unten und lenkte den Ball mit einem tollen Reflex noch zur Seite. Alex Meier mochte es kaum glauben, sekundenlang starrte er ungläubig dem ins Seitenaustrudelnden Ball nach. „Den hat er super gehalten“, lobte er später in der Mixed Zone.  

Licht und Schatten im Minutentakt

Es war die Phase, in der Eintracht Frankfurt mehr vom Spiel hatte und endlich zumindest andeutete, dass die Lobeshymnen vom vergangenen Samstag nicht ganz unberechtigt waren. Im zweiten Abschnitt waren die Hessen besser im Spiel, ohne auch nur im entferntesten an die 6:2-Gala von vor Wochenfrist gegen den 1. FC Köln anknüpfen zu können. „In der ersten Halbzeit war der HSV besser“, analysierte der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen treffend.

Da bestimmten die Gastgeber das Geschehen, gaben den Ton an, hatten mehr vom Spiel. Das sah zeitweise richtig gut aus, der Hamburger SV, so viel scheint sicher, hat sich nach jahrelanger Durststecke offenbar wieder gefangen. Dieses Jahr, das lässt sich mit einiger Gewissheit sagen, werden die Norddeutschen nicht wieder so in die Bredouille kommen wie in der letzten beiden Jahren.

Die Eintracht war in den ersten 45 Minuten deutlich mehr unter Druck geraten. Sogar mehr als ihr lieb war. „In der ersten Halbzeit ging es mehr darum, kein Tor zu kassieren statt eines zu schießen“, sagte Alex Meier. Und doch hatten die Hessen gleich durch Marco Russ eine prima Gelegenheit (5.), doch seinen Kopfball beförderte Nicolai Müller auf der Linie aus der Gefahrenzone. Fünf Minuten später drosch der aufgerückte Stopper Johann Djourou die Kugel von der Fünfmeterlinie an die Unterkante der Latte. „Viel mehr haben wir anfangs nicht zu gelassen“, war Marco Russ zumindest mit der Defensivleistung zufrieden.

Nach vorn freilich lief bei der Eintracht nicht viel zusammen. Auch wenn Trainer Armin Veh seine drei Offensivkräfte in Schutz nahm, sie seien immer für ein Tor gut und versprühten stete Torgefahr. Doch Luc Castaignos sah  kaum einen Ball, Haris Seferovic, der Dauerläufer, schleppte viele Bälle nach vorne, verlor sie aber auch genauso schnell wieder, Meier hatte nur wenige Möglichkeiten. Auch bei Marc Stendera wechselten Licht und Schatten im Minutentakt. „Wir haben uns in das Spiel hineingekämpft“, stellte Mittelfeldspieler Stefan Reinartz fest. Das mussten die Hessen auch.

"Es hätte auch 2:2 ausgehen können"

„Beide Mannschaften hatten ihre Möglichkeiten gehabt“, sagte Trainer Armin Veh , dieses Mal im feinen Zwirn gewandet, dazu sprach er von einem intensiven Spiel. „Ein 0:0 ist normalerweise ein langweiliges Spiel. Aber dies war richtig temporeich. Es hätte auch 2:2 ausgehen können.“ Tatsächlich hatte der HSV im zweiten Abschnitt noch eine prima Chance, doch Ivo llicevic schloss eine feine Einzelleistung von Müller überhastet ab. Und dann gab es noch diese große Chance von Meier.

Die Frankfurter konnten mit dem Remis sehr gut leben. „Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden“, hob Klubchef Bruchhagen den Daumen. Ansonsten fand er anfangs die Partie zu zerfahren, „unser Passspiel war grenzwertig.“ Das lag aber auch daran, dass der HSV die Hessen gehörig unter Druck setzte. „Das geht heute absolut in Ordnung“, sagte Veh, der den angeschlagenen Carlos Zambrano (drei angebrochene Rippen) dann doch nicht für die Startformation nominierte und David Abraham das Vertrauen schenkte.

Zambrano habe noch „nicht so viele Einheiten absolviert“, begründete Veh den Verzicht auf den 26-Jährigen. Vermisst wurde der Peruaner nicht, Abraham und Russ zogen sich gut aus der Affäre, sie ließen wenig zu und standen insgesamt  sehr sicher. „Nicht nur vorne im Sturm harmonieren sie gut, auch wir in der Abwehr  verstehen uns“, sagte Russ. „Letztes Jahre haben wir viel rotiert. Im Endeffekt ist es aber wurst, wer spielt.“

Heribert Bruchhagen fand , dass „man schon ahnen konnte,  dass sich das Köln-Spiel nicht wiederholen würde“. Ein 0:0 ist ein eher seltenes Ergebnis mit Frankfurter Beteiligung – zuletzt gab es das am vorletzten Spieltag der vergangenen Runde, bei Hertha BSC Berlin. Und ein bisschen ist an diesem torlosen Remis auch der Frankfurter Trainer Armin Veh Schuld: Als er noch Trainer beim HSV war, hat er Jaroslav Drobny von Hertha BSC Berlin geholt. Der 35-Jährige, der nur im Tor stand, weil sich Stammkraft Rene Adler eine Schulterverletzung zugezogen hatte, „sieht zwar so aus, als würde er nicht mehr runterkommen.“ Aber er sei ein sehr guter Torwart „mit einem feinen Charakter“. Und runter kommt er bisweilen schneller als es Alex Meier lieb ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare