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Gut gelaunter Kommunikator: Marco Pezzaiuoli.

Nachwuchstrainer

Der Aufseher

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Marco Pezzaiuoli soll den Nachwuchs der Eintracht besser machen ? eine Menge Erfahrung hat er zumindest.

 Wenn Fredi Bobic über den jüngsten Neuzugang der Frankfurter Eintracht spricht, könnte man meinen, ihm sei ein Jahrhunderttransfer geglückt. „Das Ding ist in der Branche richtig eingeschlagen“, sagt der Sportvorstand, und die geballte Freude über seinen Coup ist dem 46-Jährigen nicht nur am spitzbübischen Lächeln anzusehen. „Ihn zu bekommen, ist außergewöhnlich für uns.“ 

Es geht, nur zur richtigen Einordnung, nicht um den künftigen Spielmacher mit Zauberfüßchen oder einen Stürmer mit eingebauter Tormaschine, nein, die neuste Eintracht-Verstärkung ist ein Mann mittleren Alters, der eher auf administrativer Ebene wirken wird. Gestatten, Marco Pezzaiuoli, 49 Jahre alt, geboren in Mannheim, einst beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), in Karlsruhe und Hoffenheim tätig, zuletzt in China und seit ein paar Tagen Technischer Direktor bei Eintracht Frankfurt. Stellenprofil: Nachwuchsförderung. Bobic ist der felsenfesten Überzeugung, einen dicken Fisch an Land gezogen zu haben. 

Mit Vorschusslorbeeren dieser Art kann Marco Pezzaiuoli erst einmal wenig anfangen. Der Familienvater stellt sich im Trainingslager der Profis im spanischen Campoamor der Öffentlichkeit vor, er macht das mit festem Händedruck und leiser Stimme, er blickt seinem Gegenüber in die Augen. „Ich bin nicht der Messias“, sagt er. „Für mich geht es darum, mein Knowhow weiterzugeben.“ 

Auf Götzes Spuren

Knowhow hat er, Erfahrung ebenfalls. Seit fast 30 Jahren ist der Fußballlehrer im Geschäft, die meiste Zeit kümmerte er sich um den Nachwuchs, sehr erfolgreich gar. Beim DFB betreute er diverse Auswahlmannschaften, die U17 führte er 2009 zum EM-Titel, mit dabei unter anderem Mario Götze, Shkodran Mustafi oder Marc-André ter Stegen. 156 Spieler, zählt Pezzaiuoli auf, seien durch seine Hände gegangen und geformt worden, „zwei Drittel davon sind Profis geworden“, darunter einige Hochkaräter wie eben Götze oder Mustafi, aber auch Bernd Leno, Yunus Malli, Kevin Volland, Emre Can und viele mehr. 

Auch zuletzt arbeitete der Deutsch-Italiener mit Talenten, er leitete im Fußball-Boomland China bei Guangzhou Evergrande die größte Jugendakademie der Welt mit 3000 Jugendlichen und mehr als 150 chinesischen Coaches. „Ich habe versucht, jedem Trainer etwas mit auf den Weg zu geben“, sagt er. Er hat sich im Reich der Mitte gut zurechtgefunden, obwohl die Dimensionen andere sind, obwohl die Kultur eine gänzlich andere ist. „Man muss weltoffen sein.“ Nun soll Pezzaiuoli „in die Welt der Eintracht eintauchen“, wie Sportchef Bobic formuliert. 

Was aber genau soll der Mann, der 2011 als Bundesligatrainer in Hoffenheim blass und ungelenk rüberkam und nach wenigen Monaten beurlaubt wurde, eigentlich genau machen? „Die Verzahnung soll besser werden“, bekundet Fredi Bobic allgemein. Will sagen: Pezzaiuoli wird sich im Leistungszentrum um den Nachwuchs kümmern, den Talenten Hilfestellungen geben, „sie begleiten, damit sie den Sprung zu den Profis schaffen“. Das gehe nur über Detailarbeit, genaue Beobachtungen, viele Gespräche. 

Austausch mit Alex Schur

Die jungen Fußballer müssten auch mental vorbereitet werden, damit sie nicht untergehen, wenn sie ins kalte Wasser geworfen werden. „Die Psyche spielt eine große Rolle“, sagt Pezzaiuoli, der früher oft mit Joachim Löw verglichen wurde. Die Jungs sollen demütig bleiben, nicht abheben. Vieles prasselt auf sie ein, wenn sie einen Profivertrag unterschreiben. Und: „Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man vor 500 Zuschauern oder vor 50.000 spielt. Darauf muss man vorbereitet sein.“ Genauso wie auf die Verlockungen des schillernden Lebens.

Aktuell ist da der „Fall“ Renat Dadashov, der sich in schlechtem Zustand präsentierte und darob von Sportvorstand Bobic abgewatscht worden war. Pezzaiuoli hat das registriert. „Es ist ein großer Schritt zu den Profis, da habe ich Pflichten, die muss ich erfüllen.“ Ein ernstes Gespräch mit dem 18-jährigen Stürmer wird folgen. Nichts schmerzt einen wie Pezzaiuoli mehr, als Hochveranlagte zu sehen, die ihr Talent verschleudern. 

Pezzaiuoli, der sich nach seinem Aus in Hoffenheim seinen damals drei und fünf Jahre alten Söhnen widmete, die er nach seiner Scheidung alleine großzog („Ich wollte für die Kinder da sein“), soll aber auch den Jugendtrainern zur Hand gehen, ihnen Ratschläge und „Schulungen“ (Bobic) geben. Aufseher Pezzaiuoli also als Übervater, als eine Art Aufpasser für die Coaches am Riederwald? Das würde bei der Eintracht so niemand formulieren, und doch ist der eine oder andere im Führungszirkel von der Entwicklung der Jugendteams nicht sonderlich erfreut. 

Der Technische Direktor wiegelt ab, setzt auf Ausgleich und Austausch, auch und gerade mit U19-Coach Alexander Schur. „Er ist der Haupttrainer.“ Pezzaiuoli, der eine U23 für sinnvoll hält und womöglich irgendwann ein bunt zusammengestelltes Team aus Talenten selbst anleiten wird, will das Eintracht-Urgestein mit seinen Beobachtungen und Erfahrungen unterstützen. „Ich will ihm Feedback geben.“ Ganz einträchtig, versteht sich. 

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