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Ioannis Amanatidis im Eintracht-Trikot (März 2011 auf Schalke).
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Ioannis Amanatidis im Eintracht-Trikot (März 2011 auf Schalke).

Ex-Eintracht-Spieler Ioannis Amanatidis

Aufrecht in fremdes Terrain

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Ioannis Amanatidis treibt die Karriere nach der Karriere voran: Dem 33-Jährigen schwebt eine Laufbahn als Trainer vor. Er hat Trainerlehrgänge belegt, die B- und A-Lizenz erworben. Und beim Eintracht-Gegner Augsburg hat der mittlerweile verheiratete "Ama" hospitiert.

Vor ein paar Wochen hat Ioannis Amanatidis eine kurze Reise in die Vergangenheit gebucht. Der frühere Eintracht-Stürmer checkte in Frankfurt in einem schicken Hotel am Mainufer ein, irgendwann liefen ihm Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen und Rainer Falkenhain, die gute Seele, über den Weg, es war wie in guten alten Zeiten.

Amanatidis besuchte auch noch das letzte Saisonspiel seines Ex-Klubs gegen Bayer Leverkusen, auf der Tribüne des Stadions, das so lange sein Wohnzimmer war, saß er neben Alexander Meier, den einzigen Spieler, den er aus seiner aktiven Zeit noch kennt.

„Wir haben ein bisschen über die alten Zeiten erzählt“, sagt Amanatidis. „Und über Alex‘ Gesundheit.“

Keine Narben

Meiers rechtes Knie ist malade, er kämpft in der Reha für sein Comeback. Amanatidis kennt das, die Leidenszeit, den Einzelkämpfermodus. Im Gespräch erkundigt er sich umgehend über den Zustand des einstigen Mitstreiters. Nach diversen Knorpelschäden musste „Ama“, wie er gerufen wird, seine Karriere beenden. Das war irgendwann nach dem Abstieg 2011. Damals sorgte er noch mit seiner zutreffenden Einschätzung für Wirbel, dass der Klub ausmisten müsse. Dann traf es ihn selbst. Von der Eintracht schied er im Unfrieden.

Das gesamte Procedere damals war einigermaßen befremdlich, denn der Grieche war lange Jahre das Gesicht und das Aushängeschild des Vereins. Er prägte den Klub. Und wurde dennoch abgeschoben. Geräuschlos ging das nicht vonstatten. Heute hegt er keinen Groll mehr gegen die Verantwortlichen. „Ach was“, befindet er. „Da sind auch keine Narben zurückgeblieben.“

Ioannis Amanatidis, 33 Jahre alt, hat Abstand genommen und gewonnen, von Frankfurt, der Eintracht, von Deutschland. Nach seiner Stippvisite auf Zypern lebt er mittlerweile auf dem griechischen Festland in Saloniki. Seit gut einem Jahr. Und der frühere Eintracht-Kapitän ist verheiratet. Seit gut zwei Monaten. „Für mich hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen“, sagt Amanatidis. Mit seinem früheren Leben als Profisportler hat er abgeschlossen. Er hat einige Zeit gebraucht, um loslassen zu können. Und zu merken, wie viel ihm der Sport eigentlich gegeben hat und wie sehr er den Fußball liebt.

Der Fußball ist wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt, die Zeit als Unternehmer, als Modeschöpfer oder Gastronom möchte er nicht missen, „aber ich beschäftige mich wieder intensiv mit Fußball“. Der Hunger ist zurück, die Liebe zum schönen Spiel ungestillt. „Fußball ist doch unser aller Leben“, sagt er. „Ich bin so groß geworden.“ Er treibt die Karriere nach der Karriere voran, ihm schwebt eine Laufbahn als Trainer vor. Er hat Trainerlehrgänge belegt, die B- und A-Lizenz erworben.

Er war im vergangenen Dezember in Augsburg bei Markus Weinzierl, hat dort knapp zehn Tage hospitiert. Er will sich einbringen, weiterentwickeln, sich verwirklichen. Als Fußballfachmann, als Fußballlehrer. „Ich bin bereit“, betont er.

Der in Stuttgart aufgewachsene Ex-Profi gibt sich aber Zeit, er will nichts überstürzen, „langsam in die Praxis übergehen,“ sagt er. Er möchte den Job von der Pike auf erlernen. „Ich werde dem einen oder anderen über die Schulter gucken, um zu lernen“, sagt er. Dabei gehe es nicht nur um die Trainingsgestaltung, sondern auch um die Abläufe rund um eine Mannschaft. „Das ist etwas ganz anderes als zur aktiven Zeit als Spieler. Der Blickwinkel als Trainer ist ein ganz anderer.“

Keiner für die Galerie

Amanatidis merkt das schon, wenn er sich Fußballspiele anschaut. „Als Spieler hast du Spiele genießen können, da hast du gesagt: ,Wow, toller Spielzug.‘ Als Trainer hast du eine andere Sichtweise, da analysierst du, liest ein Spiel, schaust, wie sich die Spieler verhalten, was schiefläuft.“

Der Grieche, der seine in Frankfurt-Sachsenhausen errichtete Villa mittlerweile fertiggestellt und vermietet hat, sieht sich so viele Spiele wie möglich an, nicht nur in Griechenland, auch wenn er in Deutschland zu Besuch ist. Alle zwei Monate zieht es ihn in die alte Heimat. Wenn er hierzulande einen Job finden würde, wäre das für ihn schon ziemlich nahe am Optimum. „Wenn jemand hier sein Trainerteam verstärken will, würde ich das sicher machen.“

Aber auf den deutschen Markt hat er sich nicht festgelegt. Er weiß, dass die Konkurrenz riesengroß ist. „Die Bedingungen hier sind das Nonplusultra, der Wahnsinn“, urteilt er. Da sei es nicht so leicht, einen Fuß in die Tür zu bekommen. „Die Qualität ist sehr hoch, die Luft nach oben minimal, es sind viele Trainer auf dem Markt.“

In Griechenland sei man „weit hinten dran“, dort habe man nicht diese Bedingungen und „dieses Fachwissen“, die wirtschaftlichen Engpässe machten es den Klubs schwer, strukturell und professionell etwas aufzubauen. „Das, was ein Bundesligist für seine Jugend ausgibt, ist dort die Hälfte des Jahresetats eines Profi-Erstligisten.“ Und doch glaubt er, in seiner Heimat etwas bewirken zu können, wenn einer der wenigen gut situierten und geführten Klubs Interesse hätte. „Ich bin fußballerisch in Deutschland groß geworden, damit kannst du in Griechenland viel verändern, das kennen sie nicht. Mit meinem Wissen könnte ich schon etwas verändern.“

So einen Weg wie sein früherer Mitspieler Alexander Schur eingeschlagen hat, den könne er sich auch für sich gut vorstellen. Dass Jugendtrainer Schur nun ins Profitrainerteam aufgenommen wurde, findet er prima. „Es freut mich für Alex.“ Er sei zwar kein herausragender Bundesligaspieler gewesen, „aber eine herausragende Persönlichkeit“.

Der Ex-Kapitän sei „glaubwürdig“ und könne gut vor einer Mannschaft sprechen. „Wir hatten und haben immer noch einen guten Draht zueinander.“ Vielleicht auch, weil Amanatidis ähnlich ist. Zu seiner Zeit als Profi war er unangepasst, lehnte sich auf, redete Klartext, auch wenn das der Vereinsführung nicht passte. Typen wie er sind rar geworden im glattgebügelten Geschäft.

Die Interviews mit den Spielern, sagte er einmal, könne er sich kaum noch anhören, alles sei klinisch gesäubert, kaum einer traue sich, seine Meinung offen zu vertreten. Das war bei ihm anders, Amanatidis war es auch, der dem früheren Trainer Michael Skibbe die Stirn bot und sich nicht scheute, in der FR öffentlich anzuprangern, dass der Coach das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt hätte. Das wäre heute, nur vier Jahre später, undenkbar. Zumindest öffentlich. Doch so war Amanatidis, keiner fürs diplomatische Corps, keiner für die Galerie. Er war es, der sich über Jahre hinweg weigerte, mit einer Boulevardzeitung auch nur noch ein Wort zu wechseln. Das zog Amanatidis, aufrecht und stolz, durch. Streng nach seinen Prinzipien.

Nicht mehr viel Herzblut geblieben

Zur Eintracht hat er kaum noch Berührungspunkte, ab und an schreibt er mit Zeugwart Franco Lionti oder Mannschaftsarzt Christoph Seeger, auch zu Teambetreuer Christoph Preuß und Alexander Meier hat er noch sporadisch Kontakt. Aber ansonsten ist nicht mehr viel Herzblut geblieben, obwohl „die Zeit in Frankfurt ganz sicher meine intensivste war“. Natürlich verfolge er die Eintracht noch, aber eher aus der Distanz. „Es ist ja keiner mehr da, von denen, die ich kenne.“

In der vergangenen Saison ist er aus der Eintracht nicht so wirklich schlau geworden. „Mal lief es nicht so gut, dann war alles wunderbar. Dann habe ich gehört, dass es Unstimmigkeiten mit dem Trainer gab.“ Aber mehr könne er dazu aus der Entfernung nicht sagen. Auch zur aktuellen Mannschaft könne er sich keine Meinung bilden.

Er glaube, dass die Frankfurter irgendwo im Mittelfeld einlaufen werden, „Platz zehn, elf“, sagt er. Andere Klubs, die in den zurückliegenden Jahren schwächelten, seien von ihrer wirtschaftlichen Potenz höher anzusiedeln, Stuttgart oder der HSV etwa. Für die Eintracht werde es daher schwer, dem Mittelmaß zu entfliehen. „Ich denke nicht, dass sich da groß was ändern wird.“

Vieles werde halt auch davon abhängen, wie schnell Alex Meier wieder wird spielen können. Die Entwicklung des 32-Jährigen hält der frühere Mitspieler für bemerkenswert. „Den Riecher vor dem Tor, den hat er schon damals gehabt. Und die Innenseite war schon immer seine Waffe.“

Europapokal? Eher nicht

Was sich geändert habe in Meiers Spiel, sei seine neue Stärke in der Luft. „Kopfballspiel war nie so seine Sache“, erinnert sich Amanatidis. „Dabei haben wir ihm damals schon immer gesagt, dass der Kopfball bei seiner Größe eine Waffe sein muss.“ Mittlerweile habe sich das geändert. „Er macht viele Tore mit dem Kopf.“ Doch Meier wird noch einige Zeit fehlen.

Für einen Platz in Europa, glaubt Ioannis Amanatidis, werde es für die Frankfurter Eintracht deshalb sehr wahrscheinlich nicht reichen. Auch wenn es der Ex-Kapitän seinem Ex-Klub gönnen würde.

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