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Eintracht Frankfurt unter Druck beim VfB Stuttgart – wichtiger Stratege fehlt

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Von: Ingo Durstewitz

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Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt.
Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt. © Revierfoto/Imago

Eintracht Frankfurt muss in Stuttgart schon fast gewinnen, wenn die SGE ihre internationalen Ambitionen untermauern will – ausgerechnet da fehlt ein wichtiger Stratege.

Frankfurt - Die aktuelle Bundesligapause, in etwa so lang wie die kurzen Winterferien, neigt sich dem Ende zu. Längst haben die Vereine ihre gezielte Vorbereitung auf die kommenden Duelle wieder aufgenommen, selbst der taumelnde VfB Stuttgart hat seinen Trip in die spanische Sonne wohlbehalten überstanden und ist ins schmuddelige Deutschland zurückgekehrt. Natürlich nicht, „ohne „den Geist von Marbella“ zu beschwören.

Die Reise in den Süden soll für die Schwaben den Wendepunkt einer bislang verkorksten Runde darstellen. Dafür haben sie in geselliger Runde auch mal „ein Bierchen“ gezwitschert, wie Trainer Pellegrino Matarazzo berichtet. In erster Linie aber sei ungeheuer hart geschuftet worden. „Die Jungs sollten über ihre Grenzen hinausgehen, das wollten wir in den Einheiten provozieren“, sagt Sportdirektor Sven Mislintat. „Die Widerstände wurden etwas höher gesetzt als gewohnt.“ Am Samstag nun soll die „Overload-Woche“ (Matarazzo) in einer wahren Leistungsexplosion münden – im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt.

Eintracht Frankfurt zu Gast beim VfB Stuttgart

Für den Tabellenvorletzten hätte es schlimmer kommen können, es gibt zurzeit unangenehmere Kontrahenten als die Eintracht, die nicht wirklich gut aus der Winterpause gekommen ist. Ein Punkt aus den ersten drei Spielen hat sie nur geholt, davon gehörten zwei der drei Gegner (Augsburg, Bielefeld) gewiss nicht der Kategorie Schwergewichte an. Ihre beste Leistung zeigten die Frankfurter sicherlich gleich in der ersten Begegnung des neues Jahres gegen Borussia Dortmund, als aber auch eine Führung nicht für Zählbares reichte: Am Ende wurde die Eintracht auf die Bretter geschickt, 2:3 nach 2:0. Ein brettharter Nackenschlag, der gerade mental Spuren hinterlassen hat. „Vorher lief alles von alleine“, hat Offensivspieler Jens Petter Hauge festgestellt. „Aber danach waren wir besorgt und ängstlich.“ Mit dem Tiefpunkt gegen Arminia Bielefeld (0:2) vor zwei Wochen – ein klarer Rückschritt. Und nun fällt auch noch Kreativkopf Daichi Kamada aus. Das ist, mal dezent formuliert, suboptimal.

Für die Eintracht wird die Partie am Samstag (15.30 Uhr) in Stuttgart zum Gradmesser, sie ist ein Prüfstein und könnte einen Fingerzeig für die nähere Zukunft geben. Wollen die Frankfurter ihre internationalen Ambitionen untermauern, müssen sie jetzt den Turnaround schaffen und sind fast schon zum Siegen verdammt. Bei einer weiteren Niederlage wäre der Start in die Rückrunde endgültig verhunzt, dann würde der Klub so langsam in den Krisen-Modus schalten und sich nach hinten absichern müssen. Oder aber die Eintracht bleibt, bei einem Remis, einfach mittendrin. Dort, wo sie schon jetzt steht: im Niemandsland.

Das wäre in dieser Saison kein Beinbruch, eine sorgenfreie Spielzeit wäre absolut in Ordnung. Die Umwälzungen im Sommer mit dem Austausch der kompletten Sportführung waren schließlich enorm. Zudem musste sich die Mannschaft erst finden und einen Trainer verstehen, der anstrengend sein kann und eine Menge einfordert.

Das heißt nun nicht, dass das Team nicht mehr oben heranrobben könnte. Die Konkurrenz ist nicht übermächtig: Union Berlin muss den Abgang von Max Kruse verkraften, der SC Freiburg ist nicht eben in Bestform und selbst die hochgehandelte TSG Hoffenheim hat ihre letzten beiden Partien verloren.

Eintracht Frankfurt: Nur nicht zu defensiv

Die Eintracht müsste freilich an ihre Hochphase aus der Hinserie anknüpfen, als sie eine imposante Serie startete und von Tabellenplatz 15 am zehnten Spieltag auf Rang sechs zum Ende der Vorrunde hüpfte. Das war damals kein Zufall, es war das Produkt eines Entwicklungsprozesses und auch schlicht der Formstärke einzelner Spieler geschuldet. Tempomacher Jesper Lindström startete nach massiven Anfangsschwierigkeiten plötzlich voll durch, Marathonmann Djibril Sow war Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld, Filip Kostic spielte wie ein Filip Kostic eben spielt, Nationalkeeper Kevin Trapp war ein starker Rückhalt in der Kiste und hinten organisierte Nestor Makoto Hasebe die Abwehr und baute das Spiel auf.

Zudem hatte sich vieles eingeschliffen, viele Tore fielen nach bestimmten, einstudierten Mustern. Und: Die Eintracht hatte ihre taktischen Fesseln gelöst, so ein bisschen den Oliver-Glasner-Fußball mit dem von Adi Hütter gemischt. „Die Wucht, das Wilde und Ungezähmte ist zurück“, schrieb die FR kurz vor Weihnachten.

Die Eintracht wird diesen Spirit wieder beleben müssen, wenn sie noch einmal oben angreifen will. Sie wird Spielglück brauchen, das sie in der Vorrunde hatte (Stichwort Tore in der Nachspielzeit), und sie müsste von Verletzungen weitgehend verschont bleiben. Denn qualitativ ist sie, gerade in der Offensive, zu dünn besetzt, im Grunde können weder Kostic noch Lindström und Kamada oder Stürmer Rafael Borré gleichwertig ersetzt werden.

Eintracht Frankfurt: Strapaziöse Reise von Borre

Schlecht für die Eintracht: Dem Angreifer steckt mal wieder eine strapaziöse Reise nach Südamerika in den Knochen – und eine frustrierende obendrein. Kolumbien hat beide WM-Qualispiele verloren, erst 0:1 gegen Peru und in der Nacht zum Mittwoch 0:1 in Argentinien. Seit sieben Spielen warten die Los Cafeteros auf einen eigenen Treffer. Borré schmorte 90 Minuten auf der Ersatzbank. Nicht sehr erquicklich.

Trainer Glasner wird seine Mannschaft in Stuttgart gewiss nicht ins Verderben laufen lassen, sondern Wert auf eine stabile Defensive legen. Die vielen leichten Gegentreffer zuletzt waren ihm ein Dorn im Auge. „Wir sollten darauf achten, uns hinten zu verbessern“, sagt Verteidiger Christopher Lenz. „Das ist das, was wir im Training angesprochen haben.“ Doch Obacht: Glasner muss die richtige Balance finden, denn für eine rein abwartende, vorsichtige Defensivtaktik ist Eintracht Frankfurt nicht gemacht. Da geht der Schuss oft nach hinten los. (Ingo Durstewitz)

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