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Vorwärtsgewandt: Armin Veh setzt voll auf die Offensive.
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Vorwärtsgewandt: Armin Veh setzt voll auf die Offensive.

Eintracht Frankfurt

Armin Veh - ein Fußball-Exot

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Armin Veh ist ein ausgeprochener Freund des Ballbesitzfußballs. Mit diesem Stil will der Trainer von Eintracht Frankfurt die Liga erobern. Dabei helfen sollen Spieler wie Takashi Inui oder Joel Gerezgiher. Veh spart jedenfalls nicht mit Lob für die beiden.

Der neueste Trend im Spitzenfußball ist einer, der dem Ästheten Armin Veh ein Gräuel ist. Diese Hektik im Spiel, das Chaos, das wilde Spiel, das viele Kollegen ausrufen und als Erfolgsmodell feiern, das lässt den Trainer der Frankfurter Eintracht fassungslos zurück.

Auch die Ansicht von manchen Fußballexperten, dass der absichtliche Fehlpass ein probates Mittel im Spitzensport sei, kann der 54-Jährige so gar nicht nachvollziehen. „Wenn das Sinn und Zweck des Spiels sein soll, dann verstehe ich gar nichts mehr, dann hätte ich mit dem Fußball aufgehört“, sagt er. „Ich werde meiner Mannschaft jedenfalls nicht beibringen, den Ball mit Absicht zum Gegner zu spielen.“ Im Umkehrschluss, bedeutet Veh und lacht sein kehliges Lachen, „würde das ja bedeuten, dass ich ein besserer Spieler bin, wenn ich viele Fehlpässe spiele“.

Veh kann diesem neuen Stil wenig abgewinnen, dem Umschaltspiel, der Jagd auf zweite Bälle, dem Pressing und Gegenpressing – nein, der Fußballlehrer ist der festen Überzeugung, dass man am erfolgreichsten sein kann, wenn man den Ball selbst in den eigenen Reihen hält und zirkulieren lässt. Er steht damit mittlerweile ziemlich alleine auf weiter Flur. „Ich bin ein Trainer, der Ballbesitz haben möchte. Damit komme ich mir ja schon fast vor wie ein Exot.“

Doch genau mit dieser Ausrichtung wird Eintracht Frankfurt in der neuen Saison versuchen, die Liga aufzumischen. Die Herangehensweise ist eine gänzlich vorwärtsgewandte, die Hessen werden ihr Glück in fast schon bedingungsloser Offensive suchen. „Es kann schon sein, dass wir in den einen oder anderen Konter laufen“, sagt Veh. Aber dieses Risiko nimmt er in Kauf, weil er davon überzeugt ist, dass der Spielstil für seine Mannschaft der einzig richtige ist. „Bei unserer Spielweise wird der Torwart schon ein paar halten müssen“, sagt er. „Er wird die ein oder andere Eins-gegen-eins-Situation meistern müssen.“

Der Trainer ist voll des Lobes für seine Mannschaft. „Die Jungs hinterlassen alle einen guten Eindruck“, befindet er. „Sie haben sehr konzentriert, aber auch mit einer gewissen Freude gearbeitet.“ Veh freut sich über die Entwicklung einiger Spieler. Takashi Inui etwa ist sicherlich einer der Gewinner der Vorbereitung. Der Japaner sprüht vor Spielfreude, trumpft phasenweise vehement auf, spielt wie aufgedreht.

Es scheint, als habe er die Vergangenheit komplett abgeschüttelt, als sei da ein anderer Inui zurück nach Frankfurt gekommen, einer, der unbekümmert, frech und frisch auftritt. „Taka ist richtig gut drauf“, bekundet der Coach. Auch in der Defensive arbeite er „aggressiv und gut“, nur das mit dem Toreschießen klappt nicht so. „Das müssen wir noch hinbekommen.“ Veh glaubt, dass Inuis großes Plus ist, dass er jetzt auch mitbekommt, was um ihn herum passiert. „Es ist das erste Mal, dass er was versteht, wenn ich mit ihm spreche.“

Dem Linksaußen habe es gutgetan, dass er sich ohne Dolmetscher durchschlagen müsse und sein Landsmann Makoto Hasebe seit einem Jahr an seiner Seite ist. Von den Qualitäten des Spielers ist Veh überzeugt. Er habe auch nie einen Gedanken daran verschwendet, ihn abzugeben. „Das war nie eine Überlegung.“ Er habe ihn in der Rückrunde der vorvergangenen Saison nicht mehr aufgestellt, aber „da waren wir im Abstiegskampf, da waren andere Tugenden gefragt“. Grundsätzlich halte er sehr viel von dem zierlichen 27-Jährigen: „Wenn es läuft, ist er ein geiler Kicker. Ich liebe solche Spieler.“

Auch Joel Gerezgiher lobte Veh in den höchsten Tönen: „Er hat etwas, was viele nicht haben“, betonte der Fußballlehrer. „Er macht Dinge, die kein Zufall sind, er kann ein guter Bundesligaspieler werden.“ Der 19-Jährige müsse körperlich noch zulegen. „Er muss im Rumpf stabiler werden, hat noch ein bisschen Babyspeck.“ Aber das sei kein Problem. Er sei zu den herausragenden fußballerischen Fähigkeiten auch noch „klar in der Birne. Ein bisschen extrovertierter müsste er noch werden.“

Wechselgerüchte über Zambrano

Das ist Carlos Zambrano in einem zu hohen Maße, doch Veh hält große Stücke auf ihn. Dummerweise ist noch immer nicht zu 100 Prozent klar, ob der Peruaner auch in der neuen Saison für Eintracht Frankfurt auflaufen wird. Er kann den Klub aufgrund einer Ausstiegsklausel in Höhe von 1,5 Millionen Euro bis 31. August verlassen. Am Sonntag wird er in Deutschland zurückerwartet. Am Montag soll er den obligatorischen Laktattest hinter sich bringen. Wenn alles so läuft, wie geplant. Denn in den zurückliegenden Tagen sind wieder neue Gerüchte aufgekommen, wonach der Peruaner die Eintracht doch verlassen werde. So wurde aus der Türkei über reges Interesse von Galatasaray Istanbul und Trabzonspor berichtet. Trabzonspors Manager Süleyman Hurma wird mit den Worten zitiert: „Wir haben mit dem Spieler gesprochen, aber er muss mit dem Preis runtergehen. Dann wird der Transfer vonstatten gehen.“

Trainer Veh lässt das kalt. Ihn interessiere nicht, was irgendwer „über Facebook oder diese Twitter-Scheiße“ äußere, er halte sich da ans persönliche Gespräch. In der kommenden Woche werde er sich mit Zambrano zusammensetzen, „und dann besprechen wir alles Weitere“. Klar ist, dass die Eintracht die niedrige Ausstiegsklausel aus dem Vertrag streichen möchte, weil sie Planungssicherheit braucht. Ansonsten hat er die Möglichkeit, bis Ende August zu wechseln. „Ich brauche aber drei gute Innenverteidiger.“ Sportdirektor Bruno Hübner will sich ebenfalls nicht verrückt machen lassen. „Carlos hat gesagt, er bleibt bei uns. Davon gehe ich jetzt auch aus.“

Hübner verneinte übrigens ein Interesse an Marius Müller, dem Torwächter des 1. FC Kaiserslautern. „Das stimmt nicht.“ Vor einigen Wochen habe er, Hübner, mal lose mit FCK-Sportvorstand Stefan Kuntz gesprochen und dabei schnell feststellen müssen, „dass sie ihn gar nicht hergeben wollen“. Die Eintracht habe sich danach gar nicht mehr bemüht.

Um den finnischen Nationaltorwart Lukas Hradecky von Bröndby IF aber sehr wohl. Noch immer pokert die Eintracht mit den Dänen ums liebe Geld, ist nicht bereit, die geforderten zwei Millionen Euro zu bezahlen. Ein Durchbruch ist noch nicht erzielt. Aber alle Parteien gehen davon aus, dass der Wechsel über die Bühne gehen wird. Der Torwart ebenfalls. „Meiner Meinung nach ist das die optimale Gelegenheit für mich“, sagte er. „Es ist besser, als mich in England in der Premier League auf die Bank zu setzen.“ In Frankfurt sehe er die Möglichkeit, am Ende die Nummer eins zu sein: „Meine Chancen liegen bei mindestens fifty-fifty.“

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