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Da hätte es fast geklingelt: Valdez (li.) und Kittel ärgern sich

Eintracht - Gladbach

Der Antreiber und das Schusspech

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht-Angreifer Stefan Aigner hätte am Freitag das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach entscheiden können. Hat er nicht, und doch war Aigner auch mit dem 0:0 zufrieden.

Ein paar Mal ist Stefan Aigner diese Szene noch vor dem geistigen Auge vorbeigeflackert: Ballgewinn Timothy Chandler, Flachpass Nelson Valdez, und dann kommt er, Stefan Aigner, an den Ball, zieht noch mal auf und nach innen, lässt den Gladbacher Verteidiger Alvaro Dominguez ins Leere laufen, und plötzlich steht der Rechtsaußen neun, zehn Meter vor des Gegners Kasten und hat freie Schussbahn. Das muss es jetzt sein, das ist die Riesenchance für die Eintracht, Aigner weiß das, obwohl alles so rasend schnell geht, er zieht mit links ab – und der Ball zischt Zentimeter am Pfosten vorbei. „Ich habe ihn drin gesehen“, sagte der 27-Jährige über seinen Fehlschuss in der 70. Minute.

Der Ärger stand ihm ins Gesicht geschrieben, doch Vorwürfe konnte er sich keine machen. „Eigentlich habe ich alles richtig gemacht. Mit rechts wäre er drin gewesen.“ Der rechte ist Aigners starker Fuß. Es war dies die kolossale Gelegenheit für die Eintracht, dieses intensive Spiel und die eigene Leistung zu krönen, vielleicht wäre ein Sieg nicht ganz gerecht gewesen, doch wen hätte das nur einen Tag später noch interessiert? Und doch war Aigner auch mit dem 0:0 zufrieden. „Wir waren aggressiv und griffig, wir haben uns etwas zugetraut.“ Das war in der Vergangenheit schon häufiger nicht mehr der Fall, auswärts sowieso nicht, aber auch zu Hause spielten die Hessen zuletzt gegen Hannover 96 fast schon erschreckend schwach. „Wir haben auch gegen Hannover versucht, alles rauszuholen“, bekundete Aigner, doch die eigene Ratlosigkeit, weshalb das nicht gelang, konnte er nicht verbergen. „Jo mei, es gibt halt so Tage.“

Aigner hat auf dem rechten Flügel in der zweiten Hälfte ordentlich Betrieb gemacht, da drehte er auf, dominierte das Spiel und trieb seine Mannschaft immer wieder nach vorne. In der ersten Hälfte war sein Mitspieler auf der anderen Seite, Sonny Kittel, derjenige, der die Offensive stark belebte. Kittel hatte einige gute Szenen, er bringt das gewisse Etwas mit, das Spezielle, das merkt man in vielen Situationen. „Er ist ein guter Junge“, lobte Trainer Thomas Schaaf. „Er will immer. Und er hat schon viel erlebt in seinen jungen Jahren.“ Der Fußballlehrer spielt auf die drei schweren Knieverletzungen (zwei Knorpelschäden, einen Kreuzbandriss) an, die die Karriere fast schon beendet hätten, ehe sie richtig begann.

Unter der Messlatte

Kittel hat vor allem das nötige Tempo, auch wenn er sicher nicht mit so viel Wucht und Power wie Aigner auf dem anderen Flügel spielt; er ist filigraner, eleganter. Vielleicht müsste er ab und an sogar etwas eigensinniger werden. Von Aigner kann er sich gewiss diesen unbändigen Willen abschauen, erfolgreich sein zu wollen, um jeden Preis. Der Ur-Bayer hat die Europa League noch immer nicht ganz abgehakt. „Soll ich mich jetzt hier hinstellen und sagen, ich will nicht in die Europa League – das wäre ja gelogen.“ Wenn die Frankfurter häufiger mal so gespielt hätten wie am Freitagabend, ja, dann wäre die Teilnahme an den europäischen Festspielen keine Wunschvorstellung, sondern zum Greifen nahe.

So werden die Hessen zusehen müssen, diese Leistung vom Freitag zu konservieren. Da könnte eine wichtige Erkenntnis sein, dass das Offensivspiel nicht völlig brachliegt, wenn Alexander Meier nicht mit von der Partie ist. Die Eintracht kam auch gegen Gladbach zu einigen Chancen, nicht vielen zwar, aber immerhin. Neben Aigners Gelegenheit war es der Kopfball von Nelson Valdez in der ersten Hälfte, den Torwart Yann Sommer prächtig über die Latte lenkte. „Den hält nicht jeder“, lobte der Schweizer Eintracht-Stürmer Haris Seferovic seinen Nationalmannschaftskollegen.

Seferovic bildete gemeinsam mit Valdez die Doppelspitze, das Spiel ist dann anders, beide sind ähnlich in ihren Anlagen, in ihrer Interpretation des Spiels. Beide rochieren viel, bieten sich an, haben viele Ballkontakte (Valdez 45, Seferovic 52), während Alex Meier eher lauert – aber unheimlich viele Tore schießt. Unter dieser Messlatte werden die beiden Angreifer bei allem Arbeitseifer sehr wahrscheinlich durchsegeln.

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