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Der Trainer und sein Star: Adi Hütter (rechts) begutachtet Ante Rebic.

Ante Rebic

Ante Rebic im Schweigemodus

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Eintracht-Stürmer Ante Rebic soll sich öffentlich äußern, doch dann kommt von irgendwo ein Maulkorb daher.

Vor dem ersten Training nach der glorreichen WM ließen ihn die Kollegen (exklusive Bruda Prince) hochleben, danach musste Ante Rebic mit den Fans für ungefähr 478 Selfies posieren. Der kroatische Dampfhammer genoss die Aufmerksamkeit und die ihm dargebrachte Zuneigung sehr wohl, auch wenn er ja etwas anderes gewohnt war zuletzt: gewaltiger Empfang auf dem Römer nach dem Pokaltriumph mit der Eintracht, großer Bahnhof in Zagreb und Split nach der Vizeweltmeisterschaft mit Kroatien, zudem, und für ihn besonders wichtig, Ehrerbietung in seinem Heimatort Imotski, einem Kaff hinter den Hügeln des mächtigen Biokovo-Gebirges. Ante Rebic, der Rückkehrer, der kleine Frankfurter WM-Star, war gut drauf an seinem ersten Arbeitstag an alter Wirkungsstätte, im Training selbst machte er – zack, zack– gleich zwei schöne Tore. Nur den anberaumten Termin mit der Presse, ja, den ließ er sausen. 

Eigentlich war mit dem 24-Jährigen ein Gespräch für die Mittagszeit anberaumt, die Reporter waren in doppelter Mannschaftsstärke erschienen, vielleicht würde er ja etwas Erhellendes sagen, der Mann vom linken Flügel: Bleibt er, geht er. Oder auch: Wie lange bleibt er oder wann geht er? Doch dann wurde das Interview kurzfristig aus dem Programm genommen. Rebic-Agent Fali Ramadani, hieß es, wolle nicht, dass sich sein Klient zum jetzigen Zeitpunkt äußere, vielleicht später in der Woche mal. Vielleicht auch nicht. Man stehe schließlich noch in Gesprächen mit der Eintracht, die nicht abgeschlossen seien. 

Fali Ramadani - der Mann im Hintergrund

Der Eintracht-Vorstand um Fredi Bobic habe dem Schweigeanliegen des bei der Eintracht bestens verdrahteten Berater entsprochen. Fali Ramadani hat in Frankfurt gleich vier Spieler geparkt, neben Rebic noch Mijat Gacinovic, Luka Jovic und Taleb Tawatha, zudem betreut er Ex-Eintrachtler Haris Seferovic und Filip Kostic, den er gerne beim Traditionsverein vom Main unterbringen würde. Weshalb genau aber Rebic ein Maulkorb angelegt wurde, ließ sich nicht en detail eruieren. Ob es ein Signal ist, dass womöglich doch noch ein Wechsel bevorsteht? Rebic auf dem Sprung? Der „Independent“ hatte erst am Dienstagabend berichtet, dass Manchester United die Fühler nach dem Kroaten ausgefahren habe und bereit sei, 40 Millionen Euro zu überweisen.

Trainer José Mourinho ist händeringend auf der Suche nach einem Flügelspieler, zumal ihm jetzt auch noch Chelsea-Außen Willian einen Korb gegeben hat. Doch ist das realistisch? Eher nicht. Rebics Wechsel auf die Insel müsste bis heute Abend, 18 Uhr, über die Bühne gehen, dann schließt in England das Transferfenster. Schwer vorstellbar auch, dass der Profi dann am Mittwoch noch seinen Dienst in Frankfurt angetreten hätte. 

Niko Kovac winkt ab

Allerdings: Manchester United zählt zu den Lieblingsklubs des Angreifers, der vor einiger Zeit im kleinen Zirkel kundgetan hat, dass er sich einen Wechsel am ehesten zu United oder eben Bayern München vorstellen könne. Dort winkte aber sein Mentor ab. „Es gibt da nichts zwischen dem FC Bayern und Ante Rebic“, sagte Trainer Niko Kovac der „Sportbild“. „Ante ist eine starke Persönlichkeit und ein toller Spieler, der sich in den letzten zwei Jahren bei Frankfurt und bei der WW super entwickelt hat. Wenn man sich aber unseren Kader anschaut, sieht man, dass wir eine sehr hohe Qualitätsdichte auf seinen Positionen haben. Eine Verpflichtung macht für uns daher keinen Sinn.“ Und Kovac, der am Sonntag mit den Bayern im Supercup in Frankfurt auf die Eintracht treffen wird, schob mit einem Augenzwinkern nach: „Stand jetzt, wie auch Stand morgen.“ Vielleicht ja in einem Jahr, wenn Arjen Robben und Franck Ribery ihre Zelte an der Isar abbrechen. Würde Sinn machen. 

Klar ist, dass die Eintracht mit Rebics Berater über eine neue Gehaltsstruktur verhandelt, sie würde, als Zeichen der Wertschätzung, das Salär gerne anheben, freiwillig, drei Millionen Euro per annum könnten für den Flügelspieler dann rausspringen. Weniger als an anderen Standorten, sehr viel mehr als bisher. Reicht das aus, um ihn in Frankfurt zu halten?

Trainer Adi Hütter soll sich intern eindeutig positioniert und einen Verkauf ausgeschlossen haben. Das ist nur vernünftig und absolut nachvollziehbar, der Österreicher braucht den Draufgänger Rebic für sein Spiel. Die Frage wird natürlich sein, ob sich der Stürmer auch jetzt noch mit Haut und Haaren auf die Eintracht einlässt, schließlich neigt er, wie Ex-Trainer Kovac betonte, sehr wohl dazu, die Nase ein wenig weiter oben zu tragen, wenn es für ihn mal so richtig rund läuft. Und zuletzt lief es ziemlich rund für Ante Rebic, der bis zum 31. August, wenn das Transferfenster schließt, noch ein Spekulationsobjekt bleiben wird – auch wenn die Herren mit dem dicksten Portemonnaie ihre Scheine ab heute 18 Uhr nicht mehr zücken dürfen. 

Die Mitspieler freuen sich darüber, dass der Windmacher wieder in ihrem Kreise weilt. „Schön, dass er wieder da ist“, sagte Kollege Marco Fabian. „Er hat eine Riesen-WM gespielt, wir haben ihm gratuliert. Und wir wissen, wie wichtig er für unsere Mannschaft ist.“ 

Fabian selbst gehört ebenfalls zu den Spielern, die den Klub noch verlassen könnten. „Im Fußball weiß man nie“, antwortete der Regisseur ausweichend. „Aber vom Kopf her bin ich hier.“ Fabian galt als Verkaufskandidat, doch Coach Hütter steht auf den Mexikaner. So spricht viel dafür, dass der 29-Jährige seinen Vertrag erfüllt. In einem Jahr könnte er ablösefrei wechseln – und andernorts mit dem Empfang einer satten Einmalzahlung den Schlussspurt seiner Karriere einleiten. 

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