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Wie ein Orkan über links

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Perfekter Joker: Ansgar Knauff .
Perfekter Joker: Ansgar Knauff. © AFP

Ansgar Knauff sorgt auf dem „falschen“ Flügel bei Eintracht Frankfurt für die besonderen Überraschungsmomente. Wo spielt der Schienenspieler künftig?

Frankfurt – Enrico, genannt „Enno“, Maaßen schwante nach der Halbzeit, dass das womöglich eng werden könnte mit dem Dreier für den FC Augsburg. Gerade hatte sein Frankfurter Kollege Oliver Glasner eine personelle Umstellung vorgenommen, das macht er zuletzt gerne nach 45 Minuten, bisweilen, wie am Dienstag in Lissabon, mit durchschlagendem Erfolg. In Portugal war Kapitän Sebastian Rode der Unterschiedsspieler, jetzt, in Augsburg, kam Ansgar Knauff. Maaßen, Trainer beim FCA, ahnte also, was auf sein Team zukommen würde: „Viel Tempo, viel Frische.“

Denn wenn einer die Qualitäten des Ansgar K. aus dem Effeff kennen kann, dann Maaßen.

Enrico, genannt „Enno“, Maaßen leitete nämlich vor seinem überraschenden Engagement bei den bayrischen Schwaben die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund an. Und dort kickte bis Ende Januar dieses Jahres ein gewisser Ansgar Knauff gegen Mannschaften wie SC Verl, TSV Havelse, SV Wehen Wiesbaden.

Eintracht Frankfurt beim FC Augsburg sofort im Spiel

Und Ansgar Knauff, nach 45 Minuten für den indisponierten Luca Pellegrini ins Spiel gekommen, enttäuschte seinen früheren Coach nicht. Der immer erst noch 20 Jahre alte Knauff brachte viel Tempo, viel Wind, und er brachte, das dürfte Maaßen weniger gefallen haben, die Entscheidung: Mit links erzielte der Junge aus Göttingen nach 64 Minuten den 2:1-Siegtreffer für Eintracht Frankfurt. Wie er das Tor nach einer Ecke gemacht hat? Einfach so: „Das war keine direkte Variante, aber dafür stehe ich im Rückraum, da gibt es nur eins: Einfach volle Kanne Richtung Tor. Hat super funktioniert.“ Seine Freude über seinen ersten Bundesligatreffer in dieser Saison war mit Händen zu greifen. Denn so ein richtiger Torjäger ist er ja nicht.

Sein Auftritt war auch deshalb bemerkenswert, weil der Schienenspieler aus einer recht langwierigen Verletzung kam, Faszien im Oberschenkel waren gerissen, zugezogen hatte er sich diese Blessur beim Abschlusstraining vor der Champions League-Partie bei Tottenham, Mitte Oktober. Ungewiss war, ob er in diesem Jahr nochmals an den Ball würde kommen können, hieß es. Kam er dann, schneller als gedacht und doch nicht schnell genug: „Ich habe nach der Verletzung direkt auf den Spielplan geschaut und überlegt, wann ich wieder da sein kann. Mein persönliches Ziel war Dortmund.“ Zur Partie gegen Borussia Dortmund, seinem alten Klub, bei dem er noch Vertrag bis 2024 hat, hat es nicht gereicht, die sehr unglückliche 1:2-Niederlage vor Wochenfrist hat er von der Tribüne aus verfolgen müssen, aber dann ist er, nach wenigen Trainingseinheiten, mit nach Lissabon geflogen. Und hat dort schon 25 Minuten enorm viel Betrieb gemacht - und den 2:1-Siegtreffer direkt vorbereitet.

Das Erstaunliche war: In beiden Spielen war Ansgar Knauff sofort auf Betriebstemperatur, in beiden Spielen sorgte er mit seiner unbekümmerten, mutigen Art sogleich für Schwung und Elan, ja man spürte förmlich, wie froh und dankbar er ist, wieder auf dem Platz zu stehen. Diese unbändige Spielfreude ist ansteckend. „Das sind die Momente, für die man in der Reha jeden Tag arbeitet. Es fühlt sich gut an, der Mannschaft helfen zu können. Das ist das beste Gefühl“, sagte er nach den beiden Kurzeinsätzen.

Der frische Wind über links dürfte Luca Pellegrini vorerst aus dem Team geweht haben. Erneut blieb der Italiener weit hinter den Erwartungen zurück, die er nach seinem ordentlichen Spiel gegen Sporting geweckt hat. Pellegrini hat offenbar Mühe, sich über einen überschaubaren Zeitraum konzentrieren zu können. Und weil Eric Dina Ebimbe auf der rechten Seite seine Sache ebenfalls ausgesprochen gut macht, dürfte sich Knauff auf links, nicht seine Lieblingsposition, festgespielt haben.

Torschütze bei Eintracht Frankfurt: Borussia Dortmund will Ansgar Knauff zurück

Der Wechsel auf Leihbasis nach Frankfurt für eineinhalb Jahre hat der noch jungen Karriere einen enormen Schub gegeben. Der Schritt aus Dortmund hinaus hat Knauff in andere Sphären katapultiert, im Januar noch in der Dritten Liga unterwegs, schaffte er den Sprung zum Bundesliga-Stammspieler, er wurde Europapokalsieger und von der Uefa zum besten Nachwuchsspieler gekürt, er hält in der Königsklasse mit Knauff hat raketenschnell eine Entwicklung genommen, die kaum die kühnsten Optimisten erwartet hätten. Kein Wunder also, dass ein regelrechtes Tauziehen um den jungen Mann entstanden ist. BVB-Trainer Edin Terzic hat klar kommuniziert, Dortmund wolle Knauff im nächsten Sommer zurück, „das ist der Plan“. Eintracht-Vorstand Markus Krösche hält dagegen: „Wir wollen Ansgar behalten. Das haben wir ihm auch schon signalisiert. Er fühlt sich bei uns sehr wohl, hat sich hier weiterentwickelt und wird sich auch noch weiterentwickeln.“

Eintracht Frankfurt setzt nach dem Gala-Auftritt von Lissabon beim 2:1-Sieg in Augsburg noch einen obendrauf. Die Eintracht-Spieler in der Einzelkritik.

Und unter Mangel an Selbstbewusstsein leidet der Flügelmann nicht, warum auch? Gefragt nach seinem Wunschgegner bei der am Montag anstehenden Champions League-Auslosung hat er nur die Schultern gezuckt: „Mal gucken, wen wir im Achtelfinale rausschießen können.“ (Ingo Durstewitz, Thomas Kilchenstein)

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