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Ansgar Knauff im Interview: „Wenn man Profi werden will, muss man auf vieles verzichten“

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Der Einpeitscher: Ansgar Knauff. Foto: Imago Images.
Der Einpeitscher: Ansgar Knauff. © imago images/Jan Huebner

Eintracht-Stürmer Ansgar Knauff spricht im FR-Interview über seinen Einstand in Frankfurt, warum er das Publikum anstachelt und weshalb es entscheidend ist, Disziplin zu wahren.

Herr Knauff, Trainer Glasner hat Sie jüngst dafür gelobt, dass Sie im Spiel gegen die Bayern das Publikum „ins Boot“ zurückgeholt haben. Sind Sie ein geborener Einpeitscher?

Ach, ich weiß es nicht (lacht). In dem Moment habe ich nur versucht, die Fans und das ganze Team mitzunehmen, weil es einfach wichtig ist, dass alle am gleichen Strang ziehen.

Aber Respekt, als neuer, dazu junger Spieler gleich die Fans so zu animieren. Das hat sich hier zuletzt allenfalls Ante Rebic getraut...

Ich weiß nicht, ob das jetzt ungewöhnlich war. Ich denke nur, dass es dem Team weitergeholfen hat. Und es ist doch egal, ob das ein älterer oder jüngerer Spieler macht. Es kam spontan aus der Situation heraus, nach einer Grätsche und einem Ballgewinn, da passte es, das Publikum ein wenig anzustacheln.

Wie haben sich denn für Sie die ersten Wochen in Frankfurt angefühlt?

Ich fühle mich sehr wohl im Klub, in der Mannschaft, auch jetzt erstmals im Stadion vor 25 000 Zuschauern zu spielen, da herrschte eine gute Atmosphäre. Ich freue mich auf das, was noch kommt. Klar: Die Ergebnisse haben zuletzt nicht gestimmt, aber das ist das Einzige, was mir bisher zum Glück noch fehlt. Das kommt bald, davon bin ich überzeugt.

Haben Sie sich Ihr Entree in Frankfurt so vorgestellt, zwei Kurzeinsätze, einmal in der Startelf? Oder hätten Sie sich mehr Spielzeit gewünscht?

Ich finde, so wie es gelaufen ist, ist es sehr gut gelaufen. Ich konnte mich an die Abläufe gewöhnen, bin sehr gut aufgenommen worden, habe mich angepasst, verstehe mich mit allen gut. Ich bin ja auch erst ein paar Wochen hier.

Wie sind Sie mit Ihrer Leistung bislang zufrieden? Wie viel Ansgar Knauff haben wir schon zu sehen bekommen?

Es geht auf jeden Fall noch mehr, für mich und vor allem für das gesamte Team. Gegen Bayern zuletzt haben wir unseren Plan gut durchgespielt, stehen aber trotzdem mit leeren Händen da. Schlimmer noch: Drei Spiele, null Punkte, null Tore – ich selbst, das ganze Team, wir müssen noch ein paar Prozent mehr rausholen, auf jeden Fall.

Sie haben in Ihrem jungen Alter schon einige hochkarätige Trainer erlebt, Skibbe, Favre, Terzic, Rose, jetzt Glasner. Was kann man von diesen Fußballlehrern mitnehmen für die Karriere?

Alle Trainer, die ich bislang hatte, waren sehr gut, vor allem hatten sie ihre eigene Idee von Fußball, verfolgten eine eigene Philosophie. Von allen kann man als junger Mensch lernen, und ich bin sicher, mich in den nächsten Jahren noch weiter zu entwickeln. Es kann mir nur helfen, mit solchen Koryphäen zusammenzuarbeiten.

In Ihrer Laufbahn, gerade in der Jugend, ging es bisher, so hat es den Anschein, stets steil nach oben. Jetzt, im Seniorenbereich, wird die Luft aber dünner.

Nee, nee. Ich hatte in der U16 bei Borussia Dortmund auch eine Phase, in der es überhaupt nicht lief.

Was war da los?

Ich war wegen Wachstumsproblemen eine lange Zeit außen vor, bestimmt sieben oder acht Monate lang. Da musste ich ganz schön schlucken. Es war ein harter Prozess, es wieder zurückzuschaffen. Tatsächlich ist es momentan so, dass der Trend nach oben geht. Aber ich weiß: Es wird Zeiten geben, in denen es nicht immer so läuft. Man muss mit allen Situationen, gerade mit misslichen, gut umgehen können, muss dranbleiben und darf sich nie hängen lassen. Das habe ich aus dieser Jugendzeit mitgenommen: Weiter den Willen aufbringen, weiter zu arbeiten, nicht hadern, nicht die Flinte ins Korn zu werfen.

Gab es da Phasen, in denen Sie aufgeben und sich mehr auf Basketball konzentrieren wollten, ebenfalls eine Sportart, in der Sie gut sind?

Nee, so eine Phase gab es nie. Dass ich Fußballspielen will, wusste ich schon als kleines Kind, und das wird sich auch nie ändern, egal, was passiert.

I hre Laufbahn war ja relativ früh vorgezeichnet. Viele Auszeichnungen in ganz jungen Jahren, gespielt bei Hannover 96 und Borussia Dortmund, stets fixiert darauf, Leistung zu bringen, Wochenende für Wochenende. Wird man dadurch schneller erwachsen?

Ja, in gewissen Bereichen, weil man oft dazu gezwungen wird. Man ist früh auf sich selbst gestellt, muss Verantwortung übernehmen. Klar ist: Wenn man etwas erreichen und Profi werden will, muss man auf vieles verzichten und fast alles dem Sport unterordnen. Man muss selbstständig sein, diszipliniert, pünktlich zum Training erscheinen, die Schule nicht vernachlässigen. Man muss alles vernünftig managen und sich weiter entwickeln, um dann irgendwann mal die Chance zu bekommen, in den Profibereich reinzurutschen. Und diese Chance muss man sich über die Jahre erarbeiten, dazu bedarf es eines klaren Fokus. Es wird einem sehr viel abverlangt in der Jugend, man verzichtet auf viele Dinge.

Und doch: Nur ein Bruchteil der Talente schafft den Sprung nach ganz oben.

Das ist so. Aber alle, die in dieser Situation sind, nehmen das in Kauf für die Hoffnung, es bis oben zu schaffen. Es wird von einem 15-, 16-, 17-Jährigen schon erwartet, dass er sich wie ein Erwachsener verhält, klar im Kopf ist. Ich wusste immer, was ich will, was ich dafür tun musste und habe es dann auch – mit Hilfe des Vereins – durchgezogen. Fußball war für mich, schon als Jugendlicher, fast wie ein Beruf, es gab nur Training, Schule, Fachabitur an einer Gesamtschule, Spiel am Wochenende. Da bleibt nicht viel Zeit für anderes.

Dieses Engagement steht aber im Gegensatz zur öffentlichen Meinung, wonach Fußballprofis ein bisschen kicken und ansonsten ein schönes Leben führen.

Profisport ist viel, viel mehr als die Leute allgemein denken. Es ist nicht so, dass man einmal am Tag zum Training geht und danach die Tasche in die Ecke stellt und das war’s. Es gehört viel mehr dazu.

Eine wichtige Bezugsperson in Ihrer Karriere ist Ihre Mutter, die Sie ins Training und zu allen Sportplätzen gefahren hat.

Ja, sie hat mich auf dem gesamten Weg unterstützt, war immer da und hat mir bei allem geholfen, mir auch Mut zugesprochen. Ohne sie wäre mir vieles nicht so gelungen.

Vor ziemlich genau einem Jahr sind Sie dann durchgestartet bei Borussia Dortmund. Bundesliga, ein Tor gegen Köln aufgelegt, Startelf im Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester City, erstes Bundesligator gegen Stuttgart, womit der BVB noch in die Champions League kam und Eintracht Frankfurt nicht...

Im Fußball kann alles so schnell gehen. Das kann man gar nicht realisieren, dazu braucht es eine gewisse Zeit. Im ersten Moment ist man aufgeregt, kann es schwer einordnen, aber es ist schon eine geile Zeit und einfach schön, weil es das ist, wovon man als Kind immer geträumt hat.

Wie schwer war es dann für Sie, wieder zurück in die U23 und in die vierte Liga zu gehen?

Gar nicht. Die U23 war ja auch meine Mannschaft, wir hatten eine sehr gute Truppe, wollten aufsteigen, was uns im letzten Spiel nach einer sehr langen Saison mit vielen Englischen Wochen dann auch geglückt ist. Auch dieser Erfolg war für mich und die Mannschaft etwas ganz Besonderes, mehr noch: ein Meilenstein. Einräumen muss ich, dass es schon eine Umstellung ist, eben Bundesliga und Champions League zu spielen und dann Regionalliga. Man muss sich halt anpassen.

Warum sind Sie denn beim BVB in der Hinrunde unter Marco Rose nicht häufiger zum Einsatz gekommen?

Das lag sicherlich nicht am Trainer. Man muss auch sagen: Der BVB hat einen topbesetzten Kader mit Topspielern. Es ist da immer schwierig, in diesem großen, breiten Kader auf viel Spielzeit zu kommen. Aber das wichtigste ist: Man muss jede Situation annehmen, nicht lamentieren oder lange darüber nachdenken, wenn man statt Bundesliga in der Dritten Liga spielt.

Aber Sie haben sich dann dazu entschieden zu wechseln. Warum?

Weil das für mich und meine sportliche Entwicklung genau der richtige Schritt ist.

Sie kennen ja jetzt beide Teams. Vergleichen Sie mal?

Ich würde keinesfalls sagen, dass Eintracht die schwächere Mannschaft ist. In der Spielanlage unterscheiden sich beide Mannschaften, vom Niveau ist es top, das nimmt sich nicht viel. Das hat man auch beim Rückrundenauftakt gesehen. Wir spielen international in der Europa League (Borussia Dortmund nicht mehr; Anm. d. Red.).

Was glauben Sie ist drin für die Eintracht in der Europa League?

Alles. In zwei Spielen kann jeder jeden schlagen. Und die Mannschaften, die jetzt noch dabei sind, sind alles gute Mannschaften. Das werden alles schwierige Spiele werden. Aber wir werden bereit sein.

Und in der Bundesliga?

Ich würde, da ja noch zehn Spieltage sind, keinesfalls irgendetwas abschreiben wollen. Es liegt noch fast ein Drittel der Saison vor uns, da kann noch eine Menge passieren.

Was ist Ihre größte Stärke? Tempo, klar. Was noch?

Ja, die Schnelligkeit. Ich kann im Frankfurter System den Part auf der Halbposition übernehmen oder auch jenen als Schienenspieler. Ich habe auch eine gewisse Unbekümmertheit, einfach mal den Ball nehmen, mit Tempo nach vorne was zu versuchen, im Eins gegen Eins mich mit einer Finte durchzusetzen.

Und wenn es nicht klappt, dann stacheln Sie wenigstens das Publikum auf...

... genau so ist es (lacht).

Interview: Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

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