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Ansgar Knauff - der selbstbewusste Strahlemann

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Von: Daniel Schmitt

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Will schnell in die erste Elf: Ansgar Knauff. Foto: Imago images
Will schnell in die erste Elf: Ansgar Knauff. © imago images/Revierfoto

Der Frankfurter Winterzugang Ansgar Knauff tritt erfrischend forsch auf und will sich mit Leistung schnell ins Team arbeiten

Ansgar Knauff, kürzlich erst 20 Jahre jung geworden, ist während seiner zeitlich noch sehr überschaubaren Fußballerkarriere doch schon erstaunlich vielen Trainern begegnet. Da wäre Helge Kerl, was – zugegeben – eigentlich weniger erstaunlich ist, hat doch jeder Fußballer irgendwann mal einen wie Helge Kerl in seiner Vita. Einen fleißigen Ehrenamtler, Woche für Woche mit Herzblut auf dem Übungsplatz dabei, um Kindern und Jugendlichen wie Knauff die Kickerei näher zu bringen. Bei der SVG Göttingen also, dem Heimatverein von Ansgar Knauff, dem er als „Bambini“ mit vier Jahren beitrat, leitete Herr Kerl den jüngst im Winter von Borussia Dortmund zu Eintracht Frankfurt verliehenen Jungprofi acht Jahre lang an.

Später dann reihten sich wesentlich bekanntere Fußballlehrer in die Liste des Spielers ein: Michael Skibbe etwa, einst Chefcoach der Eintracht, zwischendurch in der Jugend des BVB zuständig für Knauff, und mittlerweile, das nur am Rande, Trainer in Japan bei Sanfrecce Hiroshima. Oder Lucien Favre, der Knauff einst als A-Jugendlichen zu den Profis beförderte. Oder Edin Terzic, bei dem der schnelle Flügelspieler im Frühjahr 2021 seine ersten Bundesligaeinsätze samt Traumtor gegen den VfB Stuttgart feierte. Oder Marco Rose, der in der laufenden Runde seltener auf Knauff setzte, ihn vermehrt in die Drittligareserve schickte, wodurch die vorerst auf eineinhalb Jahre angelegt Leihe zur Eintracht überhaupt möglich wurde. Außerdem: Jürgen Klopp, der Welttrainer des FC Liverpool, der ohne Knauff jemals gecoacht zu haben, dennoch seinen Teil zu dessen Laufbahn beitrug.

Rückblick, 2014: Der zwölfjährige Ansgar Knauff trumpft auf, überzeugt mit seinen Göttinger Jungs bei einem Jugendturnier, einem von Klopps persönlichem Automobil-Sponsor unterstützten. Der Startrainer ist entsprechend vor Ort, schreibt Autogramme, lächelt in die Kameras und zeichnet den besten Spieler des Turniers aus: Ansgar Knauff. Ein gemeinsames Erinnerungsbildchen und eine Einladung zum Training des BVB folgen.

Doch der schmächtige Knauff ist auch andernorts gefragt, bei Werder Bremen oder bei Hannover 96, wo er schließlich auch landet. Die geringere Entfernung von Göttingen nach Hannover spricht damals gegen die Dortmunder Borussia, die Sorgen der alleinerziehenden Mutter, die ihren Bub stets überall hin begleitet hatte auf die Fußballplätze, tut ihr übriges. Erst mit Verzögerung schließt sich Knauff schließlich doch der Borussia an, er ist dann 15 und zieht ins BVB-Jugendinternat.

Fünf Jahre später wirkt der junge Mann mit ghanaischen Wurzeln auf väterlicher Seite sehr glücklich, Bei einer Pressekonferenz am Dienstagmittag steht er den Frankfurter Medien erstmals Rede und Antwort. Schnell klar ist, dass da ein aufgeschlossener, kluger, pfiffiger junger Mann auf dem Podium plaudert. Einer mit Zielen. „Ich will möglichst viel spielen bei der Eintracht“, sagt Knauff. Er will vor allem viel mehr spielen als zuletzt in Dortmund. Dort kam er in der Bundesliga-Hinrunde lediglich auf fünf Kurzeinsätze. Für die Hessen stand er seit dem Wintertransfer dagegen bereits zweimal auf dem Rasen. Drei Minuten in Stuttgart, 20 Minuten gegen Wolfsburg. Am vergangenen Samstag brachte er nach seiner Einwechslung frischen Wind ins ansonsten biederer Eintracht-Spiel, wenngleich ebenfalls ohne Ertrag. „Ich fühle mich immer wohler in der Mannschaft, gewöhne mich an das System“, sagt Knauff, der als Vorbild den französischen Weltklasseangreifer Kylian Mbappé nennt. Auch Ansgar Knauff zählt ein hohes Lauftempo ebenfalls zu seinen Stärken.

Oliver Glasner, der nächste Trainer im Portfolio des jungen Fußballers, schätzt vor allem den Tiefgang des Sprinters. „Er ist laufstark und attackiert die Räume hinter der Kette“, sagt der Eintracht-Coach. Etwas, nach dem das Frankfurter Spiel dürstet, worauf Glasner und Sportvorstand Markus Krösche seit ihrem Antritt in der Stadt am Main besonderen Wert legen. Freilich, über gute Ansätze konnte Knauff bisher nicht hinauskommen.

Europacup als klares Ziel

16 Bundesligaspiele hat er bislang bestritten, ein Tor erzielt und ein weiteres aufgelegt. Da ist gewiss eine Menge Steigerungspotenzial vorhanden. Die lahmende rechte Eintracht-Seite dürfte ihm, dem einzigen Winterneuzugang, aber zumindest diverse Einsatzchancen bieten. „Ich traue mir die Rolle als Schienenspieler alleine auf der rechten Seite auf jeden Fall zu.“ An seinem defensiven Stellungsspiel müsse er aber sehr wohl noch feilen.

Ohnehin wirkt Knauff selbstbewusst, aber in einem angemessenen Rahmen. Da will einer beweisen, was er kann. Und was das Team kann. Den erneuten Einzug in den Europapokal hält er mit der Eintracht für möglich. „Ich gehe fest davon aus, dass wir um die internationalen Plätze mitspielen werden.“ Dies sei ein Ziel, „das wir mit unserem Kader haben können, vielleicht sogar haben müssen.“ Derzeit fehlen drei Punkte zu Rang sechs. Für Ansgar Knauff kein Hindernis.

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