Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Ich bin ein harter, aber bestimmt kein böser Spieler“, sagt Aleksandar Ignjovski.
+
„Ich bin ein harter, aber bestimmt kein böser Spieler“, sagt Aleksandar Ignjovski.

Interview Aleksandar Ignjovski

"Angst habe ich nicht"

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
    schließen
  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
    schließen

Eintracht-Profi Aleksandar Ignjovski über seine gnadenlose Härte auf dem Fußballplatz, seine weiche Seite als Familienvater, die Verantwortung seiner Familie gegenüber und weshalb er der Mannschaft auch in der Offensive helfen kann.

Aleksandar Ignjovski, im Januar 25 Jahre alt, ist Mister Zuverlässig im Ensemble der Eintracht. Dort, wo „Iggy“ hintritt, wächst kein Gras mehr, er ist furchtlos, Angst ist für ihn ein Fremdwort. Der Serbe, fünffacher Nationalspieler, fliegt in die Zweikämpfe, als wären es seine letzten. Das zeichnet ihn aus, das hat den Eisenharten zu einem nicht unwichtigen Bestandteil der Frankfurter Mannschaft werden lassen. Und das hat ihm Respekt und Anerkennung eingebracht. Auf den Defensivallrounder ist Verlass.

Ignjovski, Vater zweier Töchter, spielt immer dort, wo es brennt, mittlerweile auch links offensiv. Armin Veh traut ihm das zu. „Ich habe immer gelesen, er könne nicht kicken“, sagte der Trainer kürzlich. „Das stimmt nicht. Iggy kann kicken.“

91 Bundesligaspiele hat der frühere Bremer bisher bestritten, dabei ein Tor gemacht und fünf Vorlagen gegeben. Zudem stehen 53 Zweitligaspiele (kein Tor, sieben Vorlagen) für 1860 München in der Statistik.

Herr Ignjovski, wie weit sind Sie mit Ihrem Vorhaben, des Trainers Karriere vorzeitig zu beenden?
(lacht) Sie meinen sicher die Ansprache in der Mannschaftssitzung vor dem Spiel in Hoffenheim. 

Genau. Da sagte er doch, wenn er Sie zum Torjäger mache, dann werde er seine Laufbahn als Fußballtrainer beenden.
Das stimmt. Er sagte uns, er habe schon viel erreicht in seiner Karriere, und wenn er das noch schafft, dann ist Schluss. 

Haben Sie gelacht?
Ja, natürlich. Jetzt muss ich ja auch wieder lachen.

Und dann haben Sie in Hoffenheim gleich die Chance gehabt, ein Tor zu erzielen, die größte Chance des Spiels sogar.
So ähnlich habe ich mein bisher einziges Bundesligator gemacht, damals für Werder Bremen in Mönchengladbach (1:1 am 9. März 2013; Anm. d. Red.). Doch jetzt wollte der Ball nicht rein.

Was ging jetzt schief in jener Szene in Sinsheim?
Das war ja direkt nach der Halbzeit, ich war ein bisschen überrascht, dass der Ball zu mir kam, er war auch noch abgefälscht. Und dann ging er halt drüber. Schade. Ich habe mich schon sehr geärgert.

Sie haben in Hoffenheim ja das erste Mal auf der linken Seite am Flügel gespielt, eine eher offensiv ausgerichtete Position. Das muss für Sie, einen eher defensiv denkenden Spieler, eine enorme Umstellung sein.
Das stimmt schon. Vor allem, weil es von den Bewegungen her anders ist. Ich habe die Abläufe noch nicht so drin, ich weiß nicht genau, wann und wie ich mich anbieten soll. Deshalb muss ich mehr laufen. Aber das kommt schon mit der Zeit. Und dafür war das in Hoffenheim schon ganz ordentlich. 

Trainieren Sie den linken Fuß jetzt noch intensiver?
Nein, das nicht. Es gibt ja viele Spieler, die von links nach Innen ziehen. Das ist eine Variante, und ich kann auch mit links ganz gut flanken. Das habe ich früher immer geübt. Als ich nach Deutschland zu 1860 München kam, habe ich meistens linker Verteidiger gespielt. Da muss man das können. 

Wie gut ist denn Ihr linker Fuß eigentlich? Ist der nur dazu da, damit Sie nicht umfallen oder können Sie ihn auch im Profifußball gewinnbringend einsetzen?
Er ist nicht schlecht, würde ich mal sagen. Vielleicht ein bisschen schwächer als der rechte. Aber ich habe, wie gesagt, immer geübt mit links. In Bremen habe ich zeitweise auch noch linker Verteidiger gespielt.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Was ist Ihre Lieblingsposition?
Im defensiven Mittelfeld fühle ich mich am wohlsten. Das habe ich schon in Serbien gespielt und bei 1860 München ebenfalls. Meistens war ich der defensivere Part von zwei zentralen Mittelfeldspielern.

Aber jetzt sind Sie ein Allrounder, ein Allzweckmittel, können überall eingesetzt werden.
Seit ich in der Bundesliga bin, habe ich auf vielen verschiedenen Positionen gespielt, das ist korrekt. Da kommt es mir wahrscheinlich zugute, dass ich in der Defensive meine Stärke habe. Wenn die Trainer dann erst einmal hinten gut stehen wollen, komme ich zum Zug, weil ich da überall einsetzbar bin. Deshalb bekomme ich öfter eine Chance. Diese Vielseitigkeit hat sicherlich Vorteile, weil man auf mehreren Positionen eingesetzt werden kann. Da steigen natürlich die Chancen zu spielen, als wenn man auf eine Position festgelegt ist. Andererseits wird man sicherlich besser, wenn man immer auf einer Position trainiert und spielt.

Ihr Spiel ist ein sehr kampfbetontes. Sie haben keine Angst, gehen ohne Rücksicht auf Verluste in die Zweikämpfe.
Das war schon immer so. Seit ich angefangen habe Fußball zu spielen, bin ich so. Ich musste mich schon als kleiner Junge behaupten, auch gegen ältere Kinder. Ich bin da auch schon immer voll in den Zweikampf rein, weil die anderen meine Gegner sind. Wenn du den Zweikampf gewinnst, verliert ihn dein Gegner. Wenn du den Zweikampf gewinnst, hast du den Ball und nur so kann man Tore schießen und das Spiel gewinnen. Und du gewinnst Selbstvertrauen, wirst automatisch stärker. Und Fußball ist ein Zweikampfsport.

Ist diese Einstellung in Ihren Genen verankert?
Kann sein. Ich habe mit acht Jahren angefangen, im Verein Fußball zu spielen. Der damalige Trainer und auch mein Vater haben vom ersten Tag an gesehen, wie ich meine Zweikämpfe führe. Wenn ein Größerer mit dem Fuß zum Ball gegangen ist, bin ich mit dem Kopf hingegangen. So war ich. Wenn du gewinnen willst, musst du das so machen. Wenn du locker spielst, kannst du nicht gewinnen. Ich spiele also von Kindesbeinen an so. 

Immer 100 Prozent

Wo haben Sie gespielt?
Bei FK Belgrad, obwohl ich eigentlich zur Roter Stern Belgrad wollte. Aber Roter Stern war auf der anderen Seite der Stadt, das wäre zu weit für uns gewesen. Das hätte noch eine Stunde länger gedauert. FK Belgrad lag näher zu unserem Ort. Deshalb war ich dort, das ist aber auch ein guter Verein für junge Spieler. Mit zehn Jahren hat mich mein Vater jeden Tag zum Training gefahren, seit ich zwölf Jahre alt war, bin ich alleine mit dem Zug gefahren. Das waren so 15 Kilometer, aber unser Zug war eher langsam und ist eine Stunde gefahren (lacht). Und dann musste ich noch den Fußweg zum Trainingsgelände zurücklegen. Und abends nach dem Training wieder zurück. War schon anstrengend. 

Haben Sie auf dem Fußballfeld nie Angst, dass Sie sich verletzen könnten?
Nein, nie. Wirklich nicht. 

Aber Sie gehen ja auch im Training voll rein.
Das hat einen einfachen Grund: Immer, wenn ich ein bisschen aufgepasst und mich zurückgenommen habe, habe ich mich verletzt. Dann bekommt man mal einen Schlag ab, den man sonst nicht bekommen würde. Deshalb gebe ich immer 100 Prozent. Ich bin ein harter, aber kein böser oder linker Spieler, ich habe kaum eine Rote Karte bekommen. 

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Trainer Armin Veh lobte Sie – und auch Slobodan Medojevic – dafür, dass Sie sich nie haben hängenlassen und immer weiter Vollgas gegeben haben, auch wenn Sie nicht gespielt haben.
Medo ist auch ein Kämpfertyp. Wenn du wenige Chancen bekommst, will man erst recht zeigen, dass man es kann und auch gut ist. Das ist eine Trotzreaktion. Mein Motto lautet: Nicht viel reden, wenn man nicht spielt, sondern weiter Gas geben. Man bekommt im Fußball seine Chancen, wenn man nicht aufgibt. Das sehe ich so. Und das ist auch so. Jedes Training ist eine Chance, in jedem Training kann man sich zeigen und sich beweisen. Und wenn man dann die Chance bekommt, dann muss man sie nutzen. 

Sie werden ja oftmals auf die Defensive reduziert, aber Trainer Armin Veh sagt immer: Der Iggy kann mehr als ihr alle denkt. Fühlen Sie sich manchmal unterschätzt?
Der Trainer hat ein gutes Auge, er hat Ahnung (lacht). Im Ernst: Mein Vater hat ebenfalls immer gesagt, dass ich auch offensiv spielen kann. Ich wusste es auch, aber sehen Sie: Ich habe sehr lange nur hinten gespielt, sechs, sieben Jahre. Da geht einem die Offensivstärke vielleicht etwas verloren. Aber ich weiß, dass ich nach vorne ebenfalls Qualitäten habe. Und wenn der Trainer jetzt sagt: „Spiel, Junge, du kannst das“, dann fühle ich mich besser, dann bekommt man mehr Selbstvertrauen. Es ist wichtig, dass an einen geglaubt wird. Ich bin mir sicher, dass ich der Mannschaft helfen und mich noch verbessern kann. 

"Ich helfe meiner Familie"

Auf dem Feld sind Sie ein harter Junge, aber außerhalb des Platzes entdecken wir eine ganz andere Seite: Sie hören klassische Musik, Mozart, mögen die Kunst, die Malerei, haben Goldschmied gelernt. Wie passt das zusammen?
Na ja, das eine ist mein Beruf, das andere ist mein privates Leben. Es gibt schon einen Unterschied zwischen dem Spieler Ignjovski und dem Menschen Ignjovski. Ich bin außerhalb des Fußballplatzes ein ruhiger Vertreter. Auf dem Platz aber lebe ich die andere Seite aus. Fußball ist ein guter Ausgleich für das, was sich sonst so aufgestaut hat. Das kann ich auf dem Fußballfeld rauslassen. 

Sie sind privat ein zurückhaltender, aber auch ein verantwortungsvoller und pflichtbewusster Mensch.
Ich habe eine Ehefrau und zwei Kinder, meine Eltern und meine Schwester in Serbien. Ich helfe meiner Familie. Wenn du viel Verantwortung hast, ist man überlegter und ruhiger. 

Ist das vor allem eine finanzielle Hilfe?
Auch finanziell, aber nicht nur. Wir unterstützen uns, wo es nur geht und in allen Lebenslagen. Meine Eltern waren erst kürzlich vier Wochen hier, zurzeit sind meine Schwiegereltern zu Besuch. Für uns ist wichtig, dass die ganze Familie zusammen ist. Wir sind ja jetzt schon sieben Jahre weg, da vermisst du deine Familie. Das ist doch ganz klar. 

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Fühlen Sie sich in Frankfurt heimisch?
Hier gibt es viele Leute aus Serbien, die haben meine Mentalität. Da integriert man sich schnell. Ich bin schon lange in Deutschland, deshalb ist Integration sowieso kein Problem mehr. Ich fühle mich wohl in der Stadt. Wir sind hier auch näher an Serbien, aus Bremen musste ich immer mit einem Zwischenstopp fliegen. Aus Frankfurt muss ich das nicht. 

Wie hat sich Ihr Leben verändert seit Sie Familienvater sind?
Wenn die Zeiten schwer sind, machen die Kinder dich glücklich. Und wenn sie dich umarmen, vergisst du alles andere. Ich denke  oft daran, dass ich es auch meinen Kindern schuldig bin, beim Fußball alles zu geben – gerade wenn ich mal nicht spiele und auf der Bank sitze. 

In der letzten Saison waren Sie häufig krank, weil Ihre Tochter in den Kindergarten kam und allerlei Viren mit nach Hause brachte. In diesem Jahr hat man das noch nicht gehört, Sie waren immer dabei, immer fit. Was hat sich jetzt geändert?
Ich war wirklich häufig krank. Ich habe mit vielen Menschen darüber gesprochen, auch mit meinen Eltern. Sie sagten, ich müsse meinen Körper und die Abwehrkräfte stärken. Das habe ich getan und meine Ernährung umgestellt. Seit Januar war ich nicht mehr krank, obwohl meine Kinder sehr wohl noch ab und zu krank waren. 

Diese Ernährungsumstellung ist ja der letzte Schrei. Nicht nur bei der Eintracht. Generell im Hochleistungssport.
Bei mir hatte es, wie gesagt, nicht mal in erster Linie etwas mit dem Sport zu tun. Es ist einfach für den Körper besser, wenn du nicht so viele Pizza oder Hamburger isst. Das ist nicht gesund.

Was essen Sie jetzt? Ernähren Sie sich, wie so viele andere auch, nun ebenfalls  vegan?
Sagen wir es so: Ich esse das, was gesund ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare