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Repräsentant und Botschafter: Makoto Hasebe (l.) und Uwe Bein im Frankfurter Trainingslager in Abu Dhabi im Winter.
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Repräsentant und Botschafter: Makoto Hasebe (l.) und Uwe Bein im Frankfurter Trainingslager in Abu Dhabi im Winter.

Eintracht Frankfurt

Angriff auf die Goliaths

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt glaubt, mittelfristig in die Phalanx der Topklubs eindringen zu können.

Es wäre übertrieben zu behaupten, das mittlerweile mittelständische Fußballunternehmen Eintracht Frankfurt habe sich binnen zweier Jahre von einer armen Kirchenmaus zur Hautevolee des Elitezirkels gemausert. So weit sind sie am Main noch nicht, irgendwie gehören die Hessen zum Establishment, irgendwie aber auch noch nicht. Der Verein, das ist klar, hat an Renommee und Image, gerade durch den Pokalerfolg gegen die Goliaths aus München auch an Strahlkraft gewonnen. 

Wirtschaftlich stehen die Frankfurter so gut da wie nie, auch wenn acht, neun Bundesligisten am Start sind, die noch mehr Geld in ihren Kader pumpen können. Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04, Vfl Wolfsburg, RB Leipzig, Bayer Leverkusen, TSG Hoffenheim, Borussia Mönchengladbach und überraschenderweise auch der VfB Stuttgart (durch die üppigen Zuwendungen des Daimler-Konzerns) können ihren Spielern das Leben noch ein bisschen mehr versüßen. Die Eintracht konkurriert dahinter mit Werder Bremen und Hertha BSC. Und natürlich geht es dann immer auch darum, wer die bessere Personalpolitik betreibt, pfiffiger, schneller ist, das bessere Auge hat und sich weniger Fehler erlaubt. 

Mittelfristig wird die Eintracht, so keine gravierenden Missetaten die eigenen Pläne durchkreuzen, aber in die Phalanx der Topklubs einbrechen können. Die Kernzahlen für die kommende Saison sind weitgehend bekannt: Der Gesamtumsatz beläuft sich auf mehr als 150 Millionen Euro, das Eigenkapital liegt bei 28 Millionen Euro, das Fernsehgeld beläuft sich auf 60 Millionen Euro, der Spieleretat wird die 50-Millionen-Euro-Grenze überschreiten, zudem winken üppige und nochmals gestiegene Einnahmen aus der Europa-League-Teilnahme. Die Sportliche Leitung kann überdies für rund 25 Millionen Euro einkaufen gehen.

Eintracht will ein größeres Stück vom Kuchen

Die Voraussetzungen, in der Zukunft noch deutlich mehr Geld erlösen zu können, stehen so gut wie nie: 2020 läuft der Stadion- und Betreibervertrag aus. Die Eintracht hat sich da schon deutlich positioniert, will einen größeren Stück vom Kuchen. 

„Unsere Position ist bekannt: Wir haben aktuell hohe Nutzungskosten und keinen Zugang zu den Erlösquellen im Stadion“, sagte Vorstand Axel Hellmann im „FAZ“-Interview. „Um langfristig wettbewerbsfähig zu sein in der Bundesliga, wird sich das ändern müssen.“ Der Verein sei bereit, viel Geld in die Ausstattung der Arena zu stecken, die Kapazität soll von 51 500 auf 60 000 Besucher steigen. „Von unserer Seite wird ein Modell angestrebt, dass die Stadt in einer Größenordnung von 30 Millionen Euro in Beton investiert und wir in der gleichen Dimension in die Digitaltechnik“, sagte er. Voraussetzung sei aber, dass die Eintracht dann das Stadion 365 Tage im Jahr für die Spiele und weitere Veranstaltungen nutzen und verwerten könne. 

Die Eintracht investiert ohnehin schon in Steine, der Bau einer neuen Geschäftsstelle hat bereits begonnen. Das 30-Millionen-Projekt stellt nicht mal eine größere Belastung dar, weil ein ausgeklügelter Finanzierungsplan und gute Konditionen dahinterstehen. 

Und: Auch Kleinvieh macht Mist. Für ihre WM-Fahrer kassieren die Hessen mindestens 1,14 Millionen von der Fifa, selbst wenn alle beteiligten Profis nach der Vorrunde die Segel streichen müssten. Pro Tag schüttet der Weltverband bis zu 7426 Euro pro Teilnehmer aus, selbst für den Schweizer Haris Seferovic (nun Benfica Lissabon) und den Uruguayer Guillermo Varela (Club Atlético Penarol) erhält der Verein noch Geld, weil sie in der Saison 2016/17 in Frankfurt unter Vertrag standen. Zudem fährt der Klub als Teilnehmer des Super-Cup-Spiels gegen Bayern München am 12. August 2,5 Millionen Euro ein. 

Die Gesamtkonzeption ist auf Wachstum auf allen Ebenen ausgelegt. Erst kürzlich legten die Frankfurter eine Strategie offen, um in puncto Digitalisierung der Marktführer zu werden, auch dafür würden sie 30 Millionen Euro in die Hand nehmen. Außerdem hat sich die Eintracht, das ist bekannt, die Internationalisierung auf die Fahne geschrieben, dafür vor einem Dreivierteljahr Markus Weidner vom DFB abgeworben. Der Erzhäuser gilt als Kapazität und wichtiger Baustein. Die Eintracht hat die Zielmärkte China, USA, Korea, Japan und den Mittleren Osten im Blick. „Wir haben eine passgenaue Strategie für jeden Markt“, sagte Axel Hellmann. 

Erst kürzlich gab die Eintracht bekannt, im US-Bundesstaat Michigan eine Fußballakademie eröffnen zu wollen. „Wir müssen moderne Wege gehen, um unsere Tradition zu bewahren“, kommentierte Philip Holzer, der während der letzten Aufsichtsratssitzung zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gremiums bestimmt wurde. Er teilt sich diesen Posten mit Vereinspräsident Peter Fischer. 

Der Bundesligist initiiert viele Projekte, die auf den ersten Blick keinen kurzfristigen Effekt oder Mehrwert haben, dafür aber auf Nachhaltigkeit und Weitsicht ausgelegt sind. So etwa ist eine Kooperation mit der Beijing Sport University, der bedeutendsten Sport-Uni Chinas, aus der Taufe gehoben worden. In Dreieich, vor den Toren Frankfurts, soll eine deutsch-chinesische Fußballakademie entstehen. „Das ist ein Leuchtturmprojekt“, sagte Hellmann. Direkt wird der Verein von solchen Partnerschaften vor allem langfristig profitieren. „Es wird den Bekanntheitsgrad von Eintracht Frankfurt steigern“, bekundete Hellmann. 

Die Projekte im Ausland werden zudem von vielen namhaften Ex-Profis flankiert, Bum-Kun Cha (in dessen Fußstapfen dann mal Sohn Du-Ri treten soll, der zurzeit die südkoreanische Auswahl bei der WM in Russland als Co-Trainer betreut), Jay-Jay Okocha, Anthony Yeboah, Jan-Aage Fjörtoft, Chen Yang und in absehbarer Zeit auch der noch aktive Fußballer Makoto Hasebe sollen die Eintracht als Repräsentanten vertreten. Gerade die Idee mit den nationalen Markenbotschaftern wie Uli Stein, Uwe Bein oder Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein schlug voll durch, kommt überall gut an und hilft dem Verein, Türen zu öffnen. Ein kluger Schachzug ist überdies, die beiden Eintracht-Ikonen Alexander Schur (Marketing) und Uwe Bindewald (Fußballschule) nach ihrer Beurlaubung als A-Jugendtrainer wieder einzugliedern. Das gehört sich so und ist angemessen. Verdiente Spieler einzubinden zählt zum guten Ton, es hat Stil. 

Und so hält die Eintracht auch Alexander Meier einen Platz frei, der nach Beendigung seiner aktiven Karriere in den Schoß des Klubs zurückkehren kann. Noch sucht das Aushängeschild der vergangenen Jahre einen neuen Klub, weil er gerne noch ein Jahr weiterspielen möchte. Doch der 35-Jährige würde nur eine Liaison eingehen, zu der er 100-prozentig steht und auf die er Lust hat. Die USA würden ihn reizen. Hierzulande wären der Hamburger SV oder der FC St. Pauli Optionen, aber kein x-beliebiger Zweitligist wie Duisburg, Bochum oder Bielefeld. Der Frust über das Eintracht-Aus sitzt bei Alex Meier noch tief. Doch die Verantwortlichen abseits der Sportlichen Leitung hoffen inständig, den „Fußballgott“ wieder integrieren zu können. Denn seines herausragenden Standings und seines enormen Stellenwerts sind sie sich sehr wohl bewusst. 

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