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Blickt dem Eintracht-Spiel in München mit gemischten Gefühlen entgegen: Trainer Niko Kovac.
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Blickt dem Eintracht-Spiel in München mit gemischten Gefühlen entgegen: Trainer Niko Kovac.

Eintracht Frankfurt

So angenehm wie ein Zahnarztbesuch

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Eintracht blickt dem ungleichen Duell bei den derzeit überragenden Bayern mit einem flauen Gefühl im Magen entgegen - und zieht auch aus einem verrückten Champions-League-Spiel seine Lehren.

Es ist nicht bekannt, ob Niko Kovac größere Probleme mit seinen Zähnen hat, sehr wahrscheinlich ist das nicht, sie sehen gesund und gepflegt aus, die Beißer des Eintracht-Trainers. Vielleicht, weil er einmal im Jahr den Zahnarzt aufsucht. Macht er nicht so gerne, wie die meisten Ottonormalverbraucher ebenfalls nicht. Aber was muss, das muss. „Manchmal tut es nicht weh“, sagt Kovac also. „Oftmals aber schon.“ Und genauso verhalte es sich mit den Auswärtsspielen beim FC Bayern. „Einmal im Jahr muss man auch nach München“, bekundet der Coach. Die Botschaft ist klar: Manchmal tut es nicht so weh, meistens schon.

Erst recht, wenn man als Fußballer bei Eintracht Frankfurt angestellt ist. Die letzten sieben Partien in Fröttmaning gingen alle mehr oder minder deutlich an den FC Bayern, die letzten vier gar ohne einen Torerfolg der Hessen. Letztmals ergaunerten sich die Frankfurter vor fast zehn Jahren einen Punkt, weil Torwart Oka Nikolov an jenem Nachmittag im November 1000 Hände zu haben schien und ein torloses Remis rettete. Und am Samstag? Besonders viel spricht nicht dafür, dass die Eintracht einen irgendwie gearteten zählbaren Ertrag mit nach Hause bringen wird.

Die Bayern haben nach einem Rumpelstart ins neue Jahr die Kurve bekommen, eilen von Sieg zu Sieg, erst am Dienstag gewannen sie in der Champions League mit 5:1 beim FC Arsenal und fanden ihre Leistung nicht mal besonders prickelnd, sondern eher „relativ pomadig“, wie Nationalverteidiger Mats Hummels analysierte. Das kann ja heiter werden.

In keinem anderen Bundesligaspiel muss über die Rollenverteilung so wenig gesprochen werden wie vor einer Begegnung mit dem Rekordmeister von der Isar. Mit der Bezeichnung Underdog ist die Ausgangssituation der Eintracht nicht mal annähernd treffend beschrieben – das haben die Frankfurter in diesem ungleichen Duell aber nicht exklusiv, es geht fast allen deutschen Klubs so. „Bayern München ist mit die Topmannschaft in Europa“, findet Niko Kovac, der einst selbst für die Ruhmreichen auflief und diese Zeit nicht missen will, und das nicht nur, weil man als „Ex-Spieler dort immer mit sehr viel Respekt empfangen wird“.

Der 45-Jährige erklärt tapfer, dass man keinesfalls nach München reisen werde, „um vorher schon die Segel zu streichen“. Und auch eine Spielabsage zieht die Eintracht nicht in Betracht. „Es ist nicht so, dass wir erst gar nicht hinfahren.“ Das war ja auch nur Spaß, das mit der Spielabsage.

Kovac weiß aber, dass es „einem Zufall gleicht“, wenn „man dort etwas holt“. Will man dazu überhaupt eine Chance haben, müsse die eigene Mannschaft „über sich hinauswachsen“. Wie das funktionieren soll, ist nicht genau überliefert, zumal ja nicht nur die generellen Kräfteverhältnisse gegen die Eintracht sprechen, sondern auch der Trend. „Sie sind im Flow, bei uns ist es umgekehrt“, merkt der Coach treffend an. Vier Bundesliganiederlage setzte es für die Hessen zuletzt am Stück.

Während die Bayern erstmals seit einer halben Ewigkeit ihren kompletten Kader (inklusive Jerome Boateng) wieder an Bord haben, muss Kovac auf einige Spieler verzichten. „Wenn ich 18 Mann auf den Spielberichtsbogen bekomme, bin ich zufrieden“, sagt er daher. „Und da sprechen wir nicht nur von Profis, sondern auch von A-Jugendlichen.“ Deshalb ist es für ihn auch keine Option, etwa Timothy Chandler zu schonen, damit sich der Rechtsverteidiger nicht seine Fünfte Gelbe Karte abholt und im ungleich wichtigeren Heimspiel eine Woche später gegen den Hamburger SV womöglich fehlen würde. „Es kommt so, wie es kommt. Wir kalkulieren nicht.“

Einige seiner Spieler sind noch immer etwas angeschlagen, ein Magen-Darm-Infekt tobt durch den Kabinentrakt. „Es rumort noch im Magen“, befindet der Trainer. Doch bis Samstag sollte das Grummeln im Bauch aufhören. „Ich hoffe nicht, dass die Spieler dann noch ein flaues Gefühl im Magen haben“, sagt Kovac und lächelt ob der Doppeldeutigkeit seiner Worte.

Ob Kapitän Alexander Meier die Reise an die Isar mit antreten wird, ist offen. Der Stürmer leidet an den Folgen eines grippalen Infekts und hat gestern seine letzte Antibiotikatablette eingenommen. „Ich weiß nicht, ob es reicht“, befindet Kovac.

Ganz sicher nicht mit von der Partie ist Guillermo Varela. Dem Uruguayer ist am Dienstag die eingesetzte Schraube aus dem Knöchel operiert worden. Der Fremdkörper hatte den Rechtsverteidiger behindert und Schmerzen verursacht. Keine große Sache, doch erst in knapp zwei Wochen wird er wieder mit dem Training beginnen können. Kovac hat aber Achtung davor, dass sich Varela trotz Beschwerden durch den Fußballalltag quälte. „Das zeigt seinen Charakter.“

Doch wie will die Eintracht eigentlich versuchen, das Unmögliche doch möglich zu machen und die Bayern ein bisschen zu ärgern? „Wir haben ja am Mittwoch gesehen, dass es nichts bringt, den Bus vor dem eigenen Tor zu parken“, betont Kovac und spielt auf das irrwitzige Champions-League-Spiel zwischen Barcelona und Paris Saint Germain (6:1) an. „Du musst gut verteidigen“, führt der Fußballlehrer aus. „Aber wenn du die Chance hast, musst du die Flucht nach vorne antreten.“ Sonst könnte es auch am Samstag wieder wehtun.

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