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Eintracht Frankfurt: Die Causa Kostic nervt nur noch

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Von: Ingo Durstewitz

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Filip Kostic von Eintracht Frankfurt
Filip Kostic von Eintracht Frankfurt wird seit Wochen auf dem Transfermarkt gehandelt. Es soll Interesse aus Italien und England geben. © Revierfoto / Imago Images

Geht er oder bleibt er? Es vergeht kaum ein Tag ohne vermeintliche Neuigkeiten über den Eintracht-Linksaußen - entschieden ist nichts.

Frankfurt – Irgendwann wurde es Oliver Glasner zu bunt. Es ging, welch Überraschung, um seinen fulminanten Linksaußen Filip Kostic, der ja schon wieder ganz kurz vor einem Wechsel stehen soll, nicht auf die Insel zu West Ham United, sondern dieses Mal nach Bella Italia zu Juventus Turin, dorthin, wo er schon seit Wochen eigentlich sein müsste.

Also rein theoretisch. Ihn, den Eintracht-Trainer, amüsiere das nur noch, sagte Glasner, einer bringe ein Gerücht auf, die anderen schrieben es ungefiltert ab, und das führt dann schon mal dazu, dass er, der Trainer, am Tag des ersten Bundesligaspiels gegen den FC Bayern München eine Textnachricht seines Sohnes erhält. „Spielt Kostic am Abend überhaupt noch?“ Die Antwort des Herrn Papa: „Ich schau‘ mal, ob Filip noch auf seinem Zimmer ist.“

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner nimmt Kostic-Poker mit Humor

Der 47-Jährige kann es offenbar nur noch mit Humor nehmen, macht sich einen Spaß aus dem Thema, das für viele eine fast schon groteske Wichtigkeit bekommen hat. Auf die Frage, ob ausgerechnet die Abreibung der Bayern das letzte Heimspiel des Profis gewesen sei und weshalb er ihn überhaupt ausgewechselt habe (weil ein Filip Kostic wird ja nie ausgewechselt), entgegnete der Fußballlehrer in gebotener Kürze: „Damit er nächste Woche für den Auftakt in Italien fit ist, ist doch ganz klar.“ Manchmal hilft halt nur noch Sarkasmus.

Einmal Adler, immer Adler - oder doch nicht? Was wird aus Filip Kostic?
Einmal Adler, immer Adler - oder doch nicht? Was wird aus Filip Kostic? © HMB-Media/Imago

Weil Oliver Glasner aber ein Mann mit Anstand ist, antwortete er auf die Bitte der Reporterin dann doch seriös. „Damit er gegen Real Madrid topfit ist. Filip ist ziemlich spät ins Training eingestiegen und noch nicht bei 100 Prozent seiner körperlichen Fitness“, erklärte er.

Die Causa Kostic füllt auch diesen Sommer wieder höchst voluminös, kaum ein Tag ohne neue Meldungen, zumeist in die Welt gesetzt von sogenannten Transferexperten, die ihr Wissen, Halbwissen oder ihre Unwissenheit via Twitter ins Universum blasen. Das wäre nicht mal schlimm, doch allzu häufig wird das Gezwitscher einfach übernommen und potenziert sich über Onlineportale oder Soziale Netzwerke. „Ihr schreibt die Gerüchte ja immer alle ab“, klagt Glasner. Nicht zu Unrecht. Und er muss dann die entsprechenden Fragen beantworten. Das nervt irgendwann, klare Sache.

Filip Kostic: Kein Wechsel ohne Angebot

Auch die Deutungen und sich im Schneeballprinzip verbreitenden Überlieferungen sind grenzwertig: Am Samstag hieß es, Kostic habe sich bei seinen Mitspielern verabschiedet und nach seiner Auswechslung eine halbe Ehrenrunde gedreht, um sich von den ihm zujubelnden Fans zu verabschieden. Kostic auf Abschiedstour? Sebastian Rode lacht ungläubig. „Ich habe absolut nicht das Gefühl“, sagt der Kapitän und schiebt nüchtern nach: „Filip wird nicht so oft ausgewechselt. Durch den weiten Weg hat er noch einen Sonderapplaus bekommen.“ Kann schon sein, wäre aber viel zu banal. Da muss doch mehr dahinter stecken. Ganz bestimmt.

Auch Sportvorstand Markus Krösche hat die Faxen dicke. Der Manager bleibt verbindlich im Ton und moderat in der Wortwahl. Doch auch bei ihm spürt man eine gewisse Überdrüssigkeit. „Aus Italien wird seit Wochen irgendwas berichtet“, sagt er. „Ich höre auf, das zu kommentieren“, sagt er. Krösche kann nicht ausschließen, dass Kostic doch noch von Bord geht. Aber er weiß es eben nicht. „Wir werden sehen, was passiert.“

Ein Angebot des italienischen Rekordmeisters liegt nicht vor, „Stand jetzt“, schiebt der Sportboss nach. Im Führungszirkel der Eintracht gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Offerte vorbereitet und zeitnah abgegeben wird. Insofern sind auch die wiederkehrenden Meldungen, wonach der Spieler schon auf dem Sprung sei und der Wechsel kurz bevorstehe, Unsinn.

Juventus oder West Ham? Frankfurt wartet auf die richtige Ablöse

Was freilich nicht bedeutet, dass Kostic zwingend bleibt. Dass Juve den 29-Jährigen gerne holen würde, ist kein Geheimnis. Bereits am 13. Juni, also vor fast zwei Monaten, berichtete die FR vom Interesse der Italiener, Vertrag bis 2025, Nettogehalt knapp drei Millionen Euro. Kostic reizt Juventus. Doch seitdem hat sich nicht mehr viel getan.

Bei der Eintracht wurde nur Premier-League-Klub West Ham United offiziell vorstellig. Das Angebot hätte sich auch in die Richtung drehen lassen, in die die Eintracht gerne gehen würde. Bei rund 18 Millionen Euro würde sie dem verdienten Spieler die Freigabe erteilen. Doch nach England wollte der Serbe nicht.

Wenn Kostic wirklich weg will und eine entsprechende Entschädigungssumme fließen würde, würde die Eintracht ihrem Spieler keine Steine in den Weg legen. Doch ob es so weit kommt, weiß derzeit niemand. „Er lechzt danach, mit der Eintracht Champions League zu spielen“, sagt der in der Causa Kostic stets optimistische Trainer Glasner. „Ich bin guter Dinge.“ Irgendwann wird man es wissen, das Transferfenster schließt am 31. August. Bis dahin kann noch einiges passieren. (Ingo Durstewitz)

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