Hüpft vergeblich: Eintracht-Stürmer Andre Silva kommt nicht an den Ball.
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Hüpft vergeblich: Eintracht-Stürmer Andre Silva kommt nicht an den Ball.

Testspiel-Niederlage

Eintracht stößt gegen Ajax an die Grenzen - Warum Hütter dennoch zufrieden ist

Eintracht Frankfurt ist Ajax Amsterdam bei der 1:2-Niederlage heillos unterlegen, wehrt sich aber nach Kräften und bringt Härte ins Spiel. Das gefiel Trainer Adi Hütter.

Frankfurt - Irgendwann im Laufe des zweiten Abschnitts wurde es dem sonst so besonnenen Eintracht-Verteidiger Evan Ndicka zu bunt. Also packte der junge Franzose die Sense aus und ließ Ajax-Profi Antony, einen quirligen, verspielten Brasilianer, einfach über die Klinge springen. Es folgte eine kleine Rudelbildung, Kopf an Kopf, was in Corona-Zeiten generell nicht die beste Idee und das hellste Signal ist, aber das nur am Rande.

Nur 90 Sekunden später wusste sich der rabiate Eintracht-Haudrauf Dominik Kohr nicht anders zu helfen, als Ajax-Profi Dusan Tadic mit unlauteren Mitteln zu stoppen und unsanft zu Boden zu befördern (67.). Auch hier setzte eine kurze Aufgeregtheit mit Mini-Gerangel ein. Beide Frankfurter Spieler sahen natürlich und zwingend die Gelbe Karte, und allerspätestens da war klar, dass der Name Freundschaftsspiel für diesen Testkick zwischen Ajax Amsterdam und Eintracht Frankfurt (2:1) vielleicht die falsche Bezeichnung ist.

Eintracht-Coach Hütter erklärt nach Niederlage gegen Ajax: „Muss mal dazwischenhauen“

Adi Hütter aber hat die Verschärfung der Gangart seines Teams durchaus gefallen. Nicht weil er ein Trainer ist, der auf derlei Methoden zurückgreifen würde, eher das Gegenteil ist der Fall, er mag das Ästhetische, und deshalb lobte er die Amsterdamer Mannschaft völlig zu Recht als feines Ensembles mit vielen „tollen Talenten, die eine sehr hohe Qualität“ vereinen würden. Doch dann ließ er ein großes Aber folgen: „Aber man lässt sich auch nicht gerne vorführen, da muss dann mal dazwischenhauen, eine Reaktion zeigen und Härte ins Spiel bringen.“

Das habe seine Mannschaft getan, sich nicht willfährig ergeben, sondern mit ihren Mitteln dagegengehalten. „Wir haben ihnen den Schwung rausgenommen.“ Und das Ganze sei noch im Rahmen und nicht hochgradig unfair gewesen, nicht in eine wilde Treterei ausgeartet. Es waren eher Zeichen, frei nach dem Motto: Bis hierhin, aber nicht weiter. Behauptungswillen konnte man Hütters Team also nicht absprechen, es ist intakt und sperrig, nicht einfach abzuschreiben und auszuhebeln. Für den Coach ist das eine wichtige Erkenntnis.

Ajax Amsterdam führt Eintracht Frankfurt phasenweise vor

Dass man sich fußballerisch nicht mit Ajax messen kann, wird dem Fußballlehrer schon vor dem Anpfiff klar gewesen sein; dass der Unterschied in der Praxis aber so eklatant ausfällt, war vielleicht doch eine kleine Überraschung. Insofern ging die 1:2-Niederlage der Eintracht im Johan-Cruyff-Stadion vor immerhin 6000 Zuschauern in Ordnung, sie war verdient und hätte leicht noch höher ausfallen können, etwa dann, wenn einige der Aluminiumtreffer den Weg ins Netz gefunden hätten, und daran ändert auch nichts, dass Eintracht-Stürmer André Silva noch eine gute Ausgleichschance vergab (77.).

Der Portugiese, der wie zehn weitere Auswahlspieler zur Nationalmannschaft abgereist ist, war es auch, der die Frankfurter nach dem 0:2-Rückstand durch Quincy Promes (4.) und Mohammed Kudus (47.) mit seinem Treffer nach 51 Minuten zurück ins Spiel brachte. Im Endeffekt aber, da gibt es keine zwei Meinungen, hat die klar bessere Mannschaft gewonnen, gerade spieltechnisch war Ajax haushoch überlegen, zeitweise lief der Ball wie am Schnürchen, die Eintracht-Akteure hechelten tapfer hinterher.

Das Paradebeispiel war die Vorbereitung des zweiten Treffers, als Antony den Ball in hohem Tempo per Hacke auf Kudus ablegte, der zum 2:0 einschob. Das war herausragend gemacht, aber auch an der Grenze zur Überheblichkeit. Sebastian Rode ist das sauer aufgestoßen. „Ajax hat technisch gute Spieler, sie wollten uns phasenweise vorführen. Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen und haben wir auch nicht.“

Hütter ist trotz Eintracht-Niederlage zufrieden

Insgesamt ist die Eintracht in diesen 94 Minuten an ihre Grenzen gestoßen, an ihr natürliches Limit. Das ist nicht schlimm, denn zum einen hat Ajax, Überraschungs-Halbfinalist der Königsklasse 2019, eine andere Kragenweite. „Das ist eine Champions-League-Mannschaft“, sagt Torwart Kevin Trapp. Sportdirektor Bruno Hübner flankiert: „Ajax ist ein europäisches Spitzenteam.“ Das ist die Eintracht nicht, sie hat erst vor wenigen Wochen die Qualifikation für die Europa League verpasst.

Und, zum anderen, ist der niederländische Talentschuppen in seiner Vorbereitung schon rund zwei Wochen weiter als die Eintracht, die körperlich nicht auf Augenhöhe agierte. „Man hat gesehen, dass wir nicht zu einhundert Prozent frisch sind“, urteilt Coach Hütter. „Aber zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich auch nicht, dass wir spritzig sind, wir müssen in drei Wochen topfit sein.“ Dann geht es zum Auftakt zu Hause gegen Arminia Bielefeld.

Obwohl sich die Kräfteverhältnisse in diesem Duell nicht die Waage hielten, war der Härtetest doch nicht eben unwichtig. Für Keeper Trapp, der in der Nationalelf für die Nations-League-Spiele gegen Spanien und die Schweiz das Trikot mit der Nummer eins erhielt und „voller Selbstvertrauen“ anreist, sind solche Spiele sinnvoller, als gegen unterklassige Kontrahenten anzutreten. „Da weiß man dann nicht, wo man steht. Wenn man aber auf einen richtig starken Gegner trifft, kann man sich daran messen, da weiß man genau, was man noch zu tun hat.“ Und das ist, wie Hütter findet, noch ein bisschen was: „Wir müssen an einigen Sache arbeiten.“

Kostic wirkt bei Eintracht Frankfurt schlapp, Ndicka sieht bei Gegentoren nicht gut aus

Der Formverbesserung einzelner Akteure etwa. Evan Ndicka sah bei beiden Gegentoren nicht so gut aus, beim ersten griff er zu zögerlich ein, beim zweiten hob er das Abseits auf; Filip Kostic, der das frühe 0:1 durch einen Stockfehler in hohem Maße verschuldete, kommt gar nicht in Fahrt, wirkt seltsam gehemmt und schlapp. Auch die Mittelfeldspieler Sebastian Rode, am 0:1 ebenfalls nicht unbeteiligt, und Dominik Kohr können besser spielen, und bei Stefan Ilsanker sollte Hütter überlegen, ob er in der Innenverteidigung nicht besser aufgehoben ist. Vorne mühte sich Ragnar Ache vergebens, Goncalo Paciencia kam ebenfalls kaum zu Aktionen, und der wackere, aber blasse Aymen Barkok hatte Pech bei einem Distanzschuss. Alles nicht dramatisch, aber kleine Fingerzeige, die andeuten, wo es Bedarf zum Nachjustieren gibt.

Der Feinschliff fürs ganze Team muss noch warten, erst am 9. September wird die Mannschaft nach Rückkehr aller elf Nationalspieler wieder komplett sein – drei Tage später geht es schon im Pokal gegen Aschaffenburg oder 1860 München. Viel Zeit bleibt da nicht.

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