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Auf dem Sprung nach Saudi Arabien: Amin Younes.
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Auf dem Sprung nach Saudi Arabien: Amin Younes.

SGE

Amin Younes verlässt Eintracht Frankfurt: SGE kassiert nur vier Millionen Euro Ablöse

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Amin Younes wird nach Saudi-Arabien wechseln und beendet ein seltsames Kapitel bei Eintracht Frankfurt, bei dem sich der Dribbelkünstler als Mann mit zwei Gesichtern zeigte.

Frankfurt - Nach dem ersten ausführlichen Interview mit dem Berufsfußballer Amin Younes waren die beiden Redakteure der Frankfurter Rundschau bass erstaunt. Es kommt heutzutage nicht mehr oft vor, dass ein hochdekorierter Profi als Gesprächspartner derart demütig und offenherzig rüberkommt. Ohne Allüren, ohne Gehabe. Dafür reflektiert, nahbar, zuweilen nachdenklich. „Wichtig ist, dass man so ist, wie man wirklich ist und sich nicht verstellt“, hat der 28 Jahre alte Profispieler der Eintracht gesagt.

Amin Younes bei Eintracht Frankfurt: Verwunderung über Wandlung des Kurzzeit-Nationalspielers

Und weiter: „Ich bin weit von einem Starkult entfernt. Ich möchte später in den Spiegel schauen und sagen können: ‚Ich war nicht nur ein guter Fußballer, sondern bin auch mit den Menschen gut umgegangen.‘“ Der Deutsch-Libanese punktete auch auf anderem Parkett, in Gedenken an die Opfer des Terroranschlags von Hanau hielt er nach seinem Tor gegen die Bayern ein T-Shirt mit dem Konterfei von Fatih Sarancoglu in die Höhe. Eine große Geste. Später besuchte er in Hanau eine Gedenkfeier. Amin Younes, der gute Mensch mit Herz und Empathie, ein Pendler zwischen den Welten, der in Frankfurt, wie er sagte, seinen Hafen gefunden habe. Alles in allem folgerte der Kurzzeit-Nationalspieler in einer Art Selbstcharakterisierung: „Ich bin kein schwieriger Typ.“

Wer sich dieser Tage bei Eintracht Frankfurt umhört, wird kaum jemanden finden, der dem zustimmen würde. Im inneren Zirkel des Klubs ist die anfängliche Verwunderung über die persönliche Verwandlung des 28-Jährigen längst in pure Ablehnung umgeschlagen, da ist von einem Spaltpilz, Aufrührer und Blender die Rede und davon, dass dieser Amin Younes die größte menschliche Enttäuschung der jüngeren Vereinsgeschichte sei.

Das mag vielleicht übertrieben sein oder auch nicht, doch offensichtlich ist, dass es einen anderen Amin Younes gibt, einen divenhaften Spieler, der sich ins Schneckenhaus zurückzieht, einen, der in der letzten Saison im Spiel in Dortmund einen handfesten Zoff mit dem Trainer hatte, sich daraufhin weigerte, weiterzuspielen und von zwei stinksauren Führungsspielern zur Räson gerufen werden musste.

Vinicius im Anflug

Eintracht Frankfurt wird wohl noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen. Wie die portugiesische Zeitung „A Bola“ berichtet, könnte der Wechsel des 1,90 Meter großen Stürmers Carlos Vinicius von Benfica Lissabon noch in dieser Woche über die Bühne gehen. Das Eintracht-Interesse ist verbrieft, Knackpunkt war die Art des Deals. Benfica würde den Brasilianer gerne verkaufen, doch die Eintracht strebt ein Leihgeschäft an, womöglich mit anschließender Kaufoption. Das Budget der Hessen ist nämlich eigentlich schon ausgeschöpft und für den 26-Jährigen (Marktwert 18 Millionen) wäre ein zweistelliger Millionenbetrag fällig. Vinicius, in Lissabon Konkurrent des Ex-Frankfurters Haris Seferovic, war bereits in der vergangenen Runde ausgeliehen. Für Tottenham Hotspurs kam der Mittelstürmer in der Premier League jedoch nur neunmal zum Einsatz (ein Tor), in der Europa League lief es besser: neun Einsätze, sechs Treffer. Die Eintracht sucht noch händeringend einen hoch aufgeschossenen Zielspieler im Angriff. dur

Eintracht Frankfurt: Die zwei Gesichter des Amin Younes

Auf fast all seinen Stationen hatte Amin Younes, der Mann mit den zwei Gesichtern, Stress und ist im Unfrieden geschieden. Das wird nun in Frankfurt nicht anders sein. Denn nach nur einem Jahr am Main ist der fußballerische Freigeist wieder auf dem Sprung, er wird sich dem Klub Al Shabab aus Saudi-Arabien anschließen. Das ist längst keine Überraschung mehr.

Younes hat sich in Frankfurt in eine Sackgasse manövriert, aus der es keinen Ausweg mehr gibt und eine Umkehr ebenso wenig. Es ist das unschöne Ende einer Geschichte, die fast so etwas wie eine Liebesbeziehung war.

Denn als ihn die Eintracht von der Ersatzbank aus Neapel holte, da kam ein Spieler, der heiß war, der sich beweisen und zeigen wollte, dass er in den falschen Schubladen steckte. Da kam einer, der sich einbrachte, sich kümmerte, freundlich, aufgeschlossen, klug und weltmännisch. Einer, der einfach Bock auf Fußball hatte – und dafür auf viel Geld verzichtete. In Frankfurt strich Younes rund zwei Millionen Euro pro Jahr ein, das ist die Hälfte dessen, was er in Italien verdiente. Für den Dribbelkünstler kein Problem, wie er sagte: „Es macht für mich keinen Sinn, woanders viel Geld zu verdienen, dort aber unglücklich zu sein. Dafür bin ich nicht der Typ.“

Younes startete durch, mit etwas Verzögerung, doch dann umso fulminanter. Höhepunkt war seine Gala in der ersten Hälfte im Spiel gegen die Bayern (2:1), als er nicht nur ein Traumtor schoss, sondern eine Weltklasseleistung zeigte, die ihm das Tor zur Nationalmannschaft öffnete: Im März wurde er erstmals wieder in die DFB-Auswahl eingeladen – nach dreieinhalb Jahren Abstinenz. Doch der Höhenflug hielt nicht lange an.

Irgendetwas im Binnenklima muss zerbrochen sein an jenem Samstag im April in Dortmund, seitdem ist nichts mehr, wie es war. Erst zwickte die Leiste, dann drohte die Ersatzbank, und plötzlich fehlte dem Kreativkopf die Wertschätzung, die er sich durch eine gewaltige Gehaltszulage zusichern lassen wollte. Die Eintracht bot eine Aufbesserung an, Younes Agenten forderten eine Verdopplung seines Salärs. Utopisch.

Amin Younes bei Eintracht Frankfurt: Offen zur Schau gestellte Unzufriedenheit

Längst spürte die Eintracht-Führungsriege, dass da einer auf Abwegen war, kaum mehr einzufangen, irgendwie verdreht. Younes stellte seine Unzufriedenheit zur Schau, im Training rüffelte ihn Coach Oliver Glasner einmal lautstark. Für die Sportliche Leitung stand fest, dass eine Trennung das Beste sei, weil ein Spieler nicht permanent Unruhe stifte dürfe und das Gemeinwohl der Gruppe zu schützen sei. Es müsse da jetzt dringend und schnell etwas passieren, ehe die Situation eskaliere.

Mit dem SSC Neapel ist daher Einigkeit darüber erzielt worden, dass die Eintracht den Spieler schon jetzt kauft, für knapp zwei Millionen Euro und nicht wie vereinbart in einem Jahr für 2,5 Millionen. Aus Riad werden rund vier Millionen Euro nach Frankfurt fließen. Das ist nicht die Welt, aber zum einen eilt Younes eben der Ruf eines streitbaren Spielers voraus, zum anderen wollte er unbedingt nach Saudi-Arabien. Zudem stand für die Sportführung fest, dass man – von den persönlichen Vorbehalten mal abgesehen – nicht auf einen Spieler bauen könne, der erst 28 Jahre alt ist, vor wenigen Monaten noch Nationalspieler war und sich dann dazu entscheidet, seine Karriere in einer völlig unbedeutenden Liga fortzusetzen und seine Ambitionen als Hochleistungssportler damit quasi beerdigt. Auf diesem Niveau gehe man mit solch einer Einstellung unter. Ergo: Das Kapitel wird geschlossen.

Dass Amin Younes auch anders kann, deutete er damals im FR-Interview übrigens auch an. „Wenn der Verein und der Spieler andere Erwartungen haben, die nicht erfüllt werden, kann es schon mal kriseln und unangenehm werden“, sagte er. „So ist das Geschäft, es ist nicht immer alles lieb und nett.“ (Ingo Durstewitz)

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