1. Startseite
  2. Eintracht

Eintracht-Gegner Tottenham: Altmodisches Vorbild

Erstellt:

Von: Daniel Schmitt

Kommentare

Unter Druck: Die 1:3-Pleite vom Samstag im Stadtderby gegen Arsenal schmerzt, ganz besonders Tottenham-Kapitän Harry Kane (Mitte). afp
Unter Druck: Die 1:3-Pleite vom Samstag im Stadtderby gegen Arsenal schmerzt, ganz besonders Tottenham-Kapitän Harry Kane (Mitte). afp © AFP

Angeführt von Torjäger Harry Kane will Tottenham in Frankfurt manch Pleite vergessen machen.

Harry Kane, der Torjäger, der wider des englischen Fußballernaturells erstaunlich präzise Elfmeter in den Knick eines Tores zu donnern vermag, siehe unlängst im Länderspiel gegen Hansis Jungs, war früher ein etwas voluminöserer Bub. Damals als Achtjähriger, als er, der gebürtige Londoner, beim FC Arsenal früh durchs Raster fiel. „Zu pummelig“, hieß es, erinnert sich Kane, aus und vorbei der Traum von der Profikarriere, bevor er überhaupt richtig geträumt werden konnte. Dachte man.

Es kam anders. Der mittlerweile 29-Jährige darf den Profitraum leben, ist ein Held bei seinem Klub, den Tottenham Hotspur, die Abneigung gegen Arsenal aber ist geblieben. Sie ist gar im Laufe der Jahre größer geworden, darauf, auf seinem frühen Rausschmiss, gründet im Grunde die Karriere des Rekordtorschützen der Spurs (255 Treffer in 396 Einsätzen), dem größten Rivalen der Gunners. „Wenn ich darauf zurückblicke, war es wahrscheinlich das Beste, was mir je passiert ist, weil es mir einen Antrieb gab, der vorher nicht da war“, sagte Kane einmal dem Online-Portal The Players‘ Tribune. „Mein Traum war es nicht, in der Premier League zu spielen. Mein Traum war es, in der Premier League für die Spurs zu spielen.“ Er erfüllt ihn sich Woche für Woche.

Am Samstag wieder standen sich Arsenal und Tottenham in der Premier League gegenüber. Der Tag der Tage für das fußballverrückte Nordlondon, der Tag der Tage auch für Harry Kane, der ihm und seinen Mitspielern gründlich misslang. 3:1 setzte sich Arsenal verdient durch und ist damit weiterhin überraschender Spitzenreiter der englischen Eliteliga. London trägt Rot - zumindest zurzeit. Ein herbe Enttäuschung, ein mieses Gefühl für Kane, der das 1:0 per Elfmeter erzielt hatte, dem danach wie seinen Kollegen aber nur noch wenig gelang. Dabei war er höchstmotiviert, so wie immer im Derby, in dem für ihn Siege mehr zählen als in jedem anderen Spiel.

Reichlich Offensivpower

Die kindliche Ausbootung hat ihn zu jenem Fußballer gemacht, der er heute ist: einer der Besten seines Fachs. Nicht umsonst interessierte sich der FC Bayern bei der Nachfolgersuche für Robert Lewandowski für ihn, nicht umsonst wird gemutmaßt, besagter Wechsel könnte mit Verzögerung im kommenden Sommer über die Bühne gehen. Kane, der am Anfang seiner Karriere ein paar Mal verliehen wurde (Millwall, Norwich, Leicester), um schließlich unter Trainer Mauricio Pochettino zum Star zu werden, ist zweifelsohne das fußballerische Aushängeschild des Klubs, der an diesem Dienstag (21 Uhr/Amazon Prime) in der Champions League bei Eintracht Frankfurt antritt.

„Er ist das Vorbild, das man sich wünscht“, sagt Nationaltrainer Gareth Southgate, zwar ein „etwas altmodischer Mittelstürmer“, wie Ex-Coach David Pleat findet, aber eben doch ein guter. Kane braucht keine Räume, in die er reinsprinten kann, ihm genügen engste Situationen, um zum Abschluss zu kommen. Mit exzellenter Schusstechnik ausgestattet fackelt er nicht lange, wenn sich Chancen bieten. Im Angriff der Londoner ist er gesetzt, ohne Frage, obwohl der Angriff der Londoner das Prunkstück des Teams ist und Trainer Antonio Conte aus einer Reihe von hochkarätigen Kickern wählen kann. Ein Überblick:

Heung-Min Son, 30, Südkoreaner, rasend schneller Dribbler, Torschütze bei der WM 2018 im Gruppenspiel gegen Deutschland, einst beim Hamburger SV (Armin Veh verhalf ihm zum Bundesligadebüt) und Bayer Leverkusen, vergangene Runde gemeinsam mit Liverpools Mo Salah bester Torschütze der Premier League (23 Treffer), und wie das Fachmagazin „Kicker“ ihn jüngst betitelte, der „beste Zweite“, also der beste Stürmer im Schatten eines noch bekannteren Stürmers, Harry Kane.

Richarlison, 25, Brasilianer, kopfballstarker Techniker, für 58 Millionen Euro vor dieser Saison verpflichtet vom FC Everton, Doppeltorschütze beim Champions-League-Auftakt gegen Olympique Marseille.

Ivan Perisic, 33, Kroate, verlässlicher Haudegen, Zuarbeiter für die Knipser, hierzulande bekannt aus Wolfsburg, Dortmund und München, Champions-League-Sieger mit dem FC Bayern.

Dejan Kulusevski, 22, Schwede, spielstarke Spitze, oft ein bisschen aus der Tiefe kommend, zuvor bei Juventus Turin, Marktwert 50 Millionen Euro, vier Scorerpunkte in der Liga. Derzeit mit Oberschenkelbeschwerden raus.

Trainer Conte kann wechseln, überraschen, die Gegner wissen kaum, auf wen sie sich einstellen können. In der Liga sind die Spurs trotz der Niederlage gegen Arsenal weiterhin im Soll, als Dritter noch vorne noch dabei, in der Königsklasse dagegen steht der Gruppenfavorit in Frankfurt unter Druck. Die überraschende 0:2-Pleite gegen Lissabon schmerzt, ein Sieg im Hessischen wird erwartet, alles andere wäre eine Enttäuschung, gar eine Blamage. Etwas, das die Spurs gerade nach der Derby-Niederlage gegen Arsenal nun tunlichst vermeiden sollten. (Daniel Schmitt)

Auch interessant

Kommentare