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Pirmin Schwegler (Eintracht) grätscht Jermaine Jones um.
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Pirmin Schwegler (Eintracht) grätscht Jermaine Jones um.

Eintracht-Kolumne

Altintop macht Magath froh

Eintracht Frankfurt hat den vierten Sieg in Serie verpasst – trotz einer famosen Leistung gegen den FC Schalke 04. „Ich habe uns selten so dominant gesehen“, sagte Vorstandschef Bruchhagen nach dem 0:0. Im zweiten Abschnitt spielte die Eintracht wie aufgedreht, doch sie vergab auch allerbeste Chancen.

Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

Die turbulente Bundesligapartie im Stadtwald war ganz genau 68 Minuten alt, als Halil Altintop das Unmögliche möglich machte. Eintracht-Kapitän Chris hatte den Ball mit einer unglaublichen Energieleistung an der Außenlinie gegen Matip erkämpft, Patrick Ochs nahm Fahrt auf, hob den Kopf und passte den Ball mustergültig und perfekt vor das Schalker Tor, wo Halil Altintop nur noch den Fuß hinhalten musste. Zwei Meter vor dem Tor, vor dem leeren Tor. Das musste die Führung sein für die turmhoch überlegene Eintracht, diesen Ball würde auch ein Kreisligaspieler reinschießen. Doch Altintop vollbrachte das Kunststück - er setzte die Kugel nicht ins Netz, sondern zwei Meter über die Latte. Es war ein fast schon unfassbarer Fehlschuss.

Zumal die Hessen diese Begegnung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach Hause gefahren hätten, zu überlegen waren sie im zweiten Durchgang, als sie den FC Schalke 04 förmlich an die Wand spielten. Altintop, der Stürmer der traurigen Gestalt, kommentierte lakonisch: „Der Ball geht nicht rein, sondern drüber. Ihr habt es doch selbst gesehen.“ Trainer Michael Skibbe traute wie 51.500 Zuschauer in der ausverkauften Frankfurter Arena seinen Augen nicht. „Ich war erschrocken und erstaunt, dass der Ball nicht drin war“, fasste er zusammen. „Er hat ihn mehr mit dem Knöchel, als mit den Fuß geschossen.“ So oder so: Es war deutlich schwieriger, diesen Ball drüber als rein zu schießen.

Die Eintracht hätte freilich auch eine ihrer anderen zahlreichen Gelegenheiten verwerten können, vier, fünf, sechs gute Möglichkeiten hatte sie, Skibbe wollte gar „7:0 Chancen“ gesehen haben. Die Frankfurter schwangen sich in Durchgang zwei zu einer bärenstarken Leistung auf, da zerlegten sie die Schalker fein säuberlich – mit spielerischer Klasse und kämpferischer Bedingungslosigkeit. Es war ganz sicher die beste Halbzeit in dieser Saison, Trainer Skibbe befand gar: „Das waren die besten 45 Minuten meiner Amtszeit“, also seit 16 Monaten. Die Eintracht spielte wie aus einem Guss, Angriff auf Angriff rollte auf das Schalker Tor zu, gerade die rechte Seite mit Sebastian Jung und Patrick Ochs wuchs über sich hinaus, die Vorstöße kamen mit derartiger Wucht und Präzision, dass die Gelsenkirchener keine Mittel der Verteidigung mehr fanden. „Wir haben uns mehr schlecht als recht gewehrt“, monierte SO4-Alleinherrscher Felix Magath, der von einem glücklichen Remis sprach. „Wir hatten kein Gegenspiel, wir mussten viel, viel zittern. Wir sind gar nicht mehr an den Strafraum der Eintracht gekommen.“ Die Hessen verpassten es freilich, den Sack zuzuschnüren. „Das ist echt ärgerlich“, sagte Verteidiger Maik Franz. Und doch waren die Frankfurter im Zwiespalt, klar waren sie sauer, den mehr als verdienten Dreier liegengelassen zu haben, andererseits freuten sie sich über eine großartige Leistung, „auf die wir sehr stolz sein können“, wie Skibbe sagte.

Chris, der unermüdliche Antreiber, adelte den Auftritt der Mannschaft sogar: „Das war gigantisch.“ Auch Eintracht-Boss Bruchhagen wirkte so gelöst und zufrieden, wie lange nicht mehr: „Das war ein tolles Spiel, wir hatten unfassbare Chancen. Die zweite Halbzeit war die beste der letzten Jahre.“ Doch weder Marco Russ (47.), Alexander Meier (53., 66., 71.), der blasse Theofanis Gekas (81.), Benjamin Köhler (90.) noch Altintop in jener ominösen 68. Minute brachten die Kugel im Tor unter.

Trainer Skibbe hatte seiner Mannschaft, bei der Alex Meier für den noch immer an einem Magen-Darm-Infekt leidenden Georgios Tzavellas spielte, in der Halbzeit deutlich gemacht, dass er mit der Darbietung im ersten Abschnitt nicht zufrieden war. „Das war mir zu wenig, da waren wir zu behäbig in den Zweikämpfen, da ist nicht schnell genug gepasst worden.“ All das beherzte sein Team dann nach dem Wiederanpfiff. Angetrieben wurde die Eintracht von Kapitän Chris, der im defensiven Mittelfeld eine Leistung zeigte, die kaum noch Raum für eine Steigerung lässt. Der Brasilianer war schlichtweg überragend. Präsent in den Zweikämpfen, der König der Lüfte, ohne Angst und mit einem Löwenherzen. Chris ist ein echter Anführer. In die Analyse des hellauf begeisterten Heribert Bruchhagen mischte sich fast schon Bewunderung: „Chris ist wie eine Harpune in die Zweikämpfe reingestoßen.“ Auch Trainer Skibbe zog seinen Hut vor dieser Darbietung. „Es ist schön, dass er bei Eintracht Frankfurt spielt“, sagte er. Chris könne nämlich auch bei Schalke 04 oder jedem anderen Topklub spielen. „Er ist für uns nicht zu ersetzen“, lobte Skibbe. „Dieses Zweikampfverhalten, dieser Mut in den Zweikämpfen – das ist einfach richtig gut.“ Das Duo im defensiven Mittelfeld Chris und Pirmin Schwegler, der ebenfalls stark aufspielte und mit klugen Bällen in die Spitze glänzte, braucht sich in der Bundesliga nicht zu verstecken. „Ich glaube, die beiden haben keinen einzigen Zweikampf verloren“, sagte Skibbe.

Ganz zum Schluss wurde der Schweizer Schwegler dann noch fast ein wenig philosophisch. „Der Mensch an sich will ja immer mehr“, sagte er. „Aber manchmal sollte man auch mit dem zufrieden sein, was man hat.“ Das war am Samstag ein kurzweiliger Nachmittag und ab Minute 46 ein mitreißendes Fußballspiel. Das ist ja auch nicht so schlecht.

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