Johannes Flum.
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Johannes Flum.

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Ex-Profi von Eintracht Frankfurt: Alter Mann und Rasselbande

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Ex-Eintrachtler Johannes Flum mischt beim SC Freiburg II jetzt die Regionalliga auf und will Kickers Offenbach ärgern.

Nun schießt der Mann auf seine alten Tage auch noch Tore. Zweimal hat er schon getroffen in den letzten beiden Spielen, gegen den FSV Frankfurt vor knapp zwei Wochen war sein Treffer sogar der entscheidende zum 1:0-Sieg. Manchmal muss Johannes Flum darüber schmunzeln, er und Torjäger, wo gibt es denn so was? Er konnte eine Menge, er war und ist ein sehr solider Mittelfeldspieler, kein spektakulärer, einer mit strategischem Blick, er hat eine gute Technik, versteht das Spiel, ordnet das Gefüge auf dem Platz, denkt eher defensiv als offensiv - aber das Toreschießen zählte bislang nicht zu seiner Kernkompetenz. Flum, im Dezember wird er 33, hat in seiner bald 14 Jahre währenden Laufbahn mehr als 300 Pflichtspiele absolviert, davon 131 in der Bundesliga und 108 in der Zweiten Liga, er hat auch europäisch gespielt, damals 2013 mit Eintracht Frankfurt. Doch in seinem ganzen Fußballerleben hat er es lediglich auf 21 Tore gebracht. Und jetzt nach fünf Spielen schon zwei.

Das mag womöglich damit zusammenhängen, dass Johannes Flum gleich zwei Schritte zurückgegangen ist. Seit Sommer spielt er wieder in der Heimat, dort, wo im Grunde alles begonnen hatte, im Jahr 2001 als 14-Jähriger: beim SC Freiburg. Jetzt hilft der Routinier der zweiten Mannschaft des SC, sie spielt im Möslestadion, und die meisten seiner Mitspieler sind unter 20 Jahre alt, das Durchschnittsalter der von Christian Preußer, 36, angeleitete Rasselbande beträgt 21,6 Jahre - und da sind die drei Haudegen Flum, Sandrino Braun-Schumacher, 32, und Felix Roth, 32, schon mit eingerechnet. „Es macht eine riesen Spaß, mir den Jungs zu kicken“, sagt Johannes Flum, der die jungen Wilden als Kapitän als Erster aufs Feld führt. Er soll als verbindendes Element fungieren, als Integrationsfigur den Jungs den Weg in den Profifußball zeigen.

Dazu sind die Kicker aus der vierten Liga nicht nur jung, sondern auch noch gut: Die Zweite des SC ist nach fünf Spieltagen ungeschlagener Tabellenführer in der Regionalliga Südwest und erwartet am Samstag den Tabellenvierten, die Offenbacher Kickers, im Breisgau. Ein echtes Spitzenspiel.

Eigentlich hatte Johannes Flum noch eine Weile in der Zweiten Liga spielen wollen, beim FC St. Pauli. Doch im Sommer war sein auslaufender Vertrag nicht verlängert worden, nach drei Jahren und 80 Spielen für den Hamburger Kultklub war Schluss. Vermutlich hätte man mit „Flumi“ verlängert, wenn nicht die Corona-Krise alle Klubs zum Sparen gezwungen hätte. Zum Nachbarn Hamburger SV hätte er gehen können, entsprechende Gespräche mit Horst Hrubesch und Jonas Boldt waren geführt, auch beim HSV hätte er in der Zweiten Mannschaft spielen sollen. Dann hat er sich lieber für seinen alten Klub im Schwarzwald entschieden. Somit hat sich für Johannes Flum der Kreis geschlossen, er stammt ja aus Waldshut, seine Frau ist ebenfalls aus der Region , ohnehin wollte man nach der Karriere wieder in die Schwarzwald-Region zurück. Beim Sportclub in Freiburg spielte er vor seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt zwölf Jahre lang, von der B-Jugend bis zu den Profis. In Freiburg kann und wird der Vater einer Tochter zudem seine Trainerscheine machen, „der Trainerjob reizt mich schon“, sagt der frühere Bundesliga-Profi, weniger den Sprung ins Management. Beim Sportclub, findet der sehr reflektierte Mittelfeldspieler, habe er da alle Möglichkeiten, sich zu entwickeln.

An die vier Jahre in Frankfurt, an die Eintracht, hat der ehemalige U-20-Nationalspieler sehr schöne und weniger schöne Erinnerungen. Die schönen, das war die erste Saison 2013/2014 unter Coach Armin Veh, als die Eintracht als Aufsteiger in den Europapokal stürmte, 26 Spiele absolvierte Flum damals, in zehn Spielen auf europäischer Bühne war er dabei. Er war Stammspieler, „ein Immerspieler“, wie die FR schrieb. „Die Zeit unter Veh war super“, erinnert er sich gerne an diese Jahre zurück. Es war aber auch die Zeit, da er sich seine schwerste Verletzung zugezogen hatte: Im Training prallte er mit Slobodan Medojevic zusammen und zog sich den Bruch der Kniescheibe zu. Mit dem Rettungshubschrauber musste er seinerzeit in die Klinik transportiert werden. Später, als er wieder fit war und Thomas Schaaf Trainer war, wurde Flum immer seltener für die erste Elf nominiert, 2017 wechselte er in die Zweite Liga zum FC St. Pauli.

Und jetzt zurück in den Süden, zu den Wurzeln. Dort wo alles begann, wird irgendwann auch die Karriere ausklingen. „Ich bin so, wie es gelaufen ist, zufrieden“, sagt Johannes Flum. Da ist einer längst mit sich im Reinen.

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