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Friedhelm Funkel - wie er leibt und lebt: Stress kennt der Mann nicht mehr.

Funkel-Rückkehr nach Frankfurt

Alte Liebe rostet nicht

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Friedhelm Funkel, Ex-Trainer von Eintracht Frankfurt, ist mit Aufsteiger Fortuna Düsseldorf in der Mainmetropole zu Gast - es ist eine Rückkehr in sein altes Wohnzimmer.

Genau fünf Jahre war das Stadion im Stadtwald das zweite Wohnzimmer des Friedhelm Funkel. Von 2004 bis 2009 leitete er die Profis von Eintracht Frankfurt an, nachdem er morgens um neun Uhr mit Heribert Bruchhagen, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden, Kaffee getrunken und dabei über Fußball und Gott und die Welt geredet hat. Das waren die guten, alten Zeiten, noch heute erinnert sich Bruchhagen mit Freude an diese angenehme Zusammenarbeit mit dem Pragmatiker.

Seitdem hat sich vieles gewandelt im Fußball, nur Friedhelm Funkel ist immer noch Friedhelm Funkel: erdverbunden, klar, authentisch, komplett allürenfrei, einer, der sich nicht verbiegen lässt. „Ein bisschen ruhiger bin ich schon geworden“, sagt der 64 Jahre alte Fußballlehrer lächelnd, aber nur ein bisschen. Gleich am ersten Spieltag in der Partie gegen den FC Augsburg (1:2) ist er wie Rumpelstilzchen aufgetreten, als seine Fortuna scheinbar durch einen ausgebliebenen Videobeweis benachteiligt wurde. 853 Spiele als Trainer und 471 als Spieler hat der Mann auf dem Buckel, seit 1973 ist er dabei, in Stollenschuhen und Trainingsanzug, ein Kind der Bundesliga, mal erster, mal zweiter, aber immer seriös, loyal, berechenbar, und meistens hat er seine Mannschaften besser gemacht.

Sechs Aufstiege sind Rekord

Er ist keiner dieser Laptoptrainer, aber auch nicht altmodisch, keiner, der mit gestelzten Fachchinesisch („abkippende Sechs“) seine Spieler verwirren würde. Sechsmal hat er den Aufstieg in die höchste Klasse geschafft, das ist keinem anderen Trainer gelungen. Vor allem hat Friedhelm Funkel, in Neuss geboren, niemals Spitzenteams betreuen dürfen, sondern bestenfalls mittelmäßige Mannschaften, die er stabilisierte und später nach oben führte. Bestes Beispiel ist sein aktueller Klub: Als Funkel im März 2016 zu Fortuna Düsseldorf ging, rangierte das Team in der zweiten Liga auf einem Relegationsplatz, war die Abstiegsangst mit Händen zu greifen. „Die Mannschaft war ein Trümmerhaufen“, sagt Funkel. Mittlerweile ist sie erstklassig, der Marktwert wurde laut transfermarkt.de um satte 243 Prozentpunkte gesteigert.

Am kommenden Freitag gastiert Funkel mit der Fortuna mal wieder in dem Stadion, das sein Wohnzimmer war. Erstaunlicherweise erst zum zweiten Mal, seit seinem Weggang im Mai 2009. Das erste Mal kam er mit Hertha BSC am 18. April 2010 zurück, und damals spielten noch Caio und Chris, Nikolov und Maik Franz, Russ und Schwegler bei der Eintracht. Das zweite Mal mit Alemannia Aachen, ein Jahr später, ein Spiel, das Frankfurt mit 4:3 gewann.

Funkel freut sich richtig auf das Wiedersehen, Frankfurt und die Eintracht wird immer in seinem Herzen bleiben. „Es war eine tolle, geile Zeit“, sagt er, der seinerzeit unter schwierigen, auch schwierigen finanziellen Bedingungen die Hessen nicht nur aus der zweiten Liga nach oben geführt, sie konsolidiert, sondern auch ins Pokalfinale und aufs internationale Parkett geführt hat.

Logisch, dass Funkel die Eintracht nie aus den Augen verloren hat. Zumal er regelmäßig mit Co-Trainer Armin Reutershahn telefoniert, „einem meiner besten Freunde“. Reutershahn war seinerzeit Funkels Co-Trainer. „Die Eintracht hat sich gefangen und gefunden“, sagt er. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sei aus seiner Sicht der „Wendepunkt“ zum Besseren die Partie in Marseille gewesen, als man in Unterzahl das Spiel noch gedreht habe. „Die Eintracht ist individuell gut besetzt, hat Erfahrung, das wird schwer für uns.“

Beeindruckt hat ihn die Atmosphäre im Stadion beim Spiel gegen Lazio Rom, „mein Co-Trainer Thomas Kleine, der in Frankfurt war, hat von dieser Stimmung begeistert geschwärmt“. Sechs Punkte in der Europa League - „das ist fast schon die halbe Miete“, lobt der älteste Bundesligatrainer seine alte Liebe.

Geradezu ins Schwärmen gerät der alte Fahrensmann, wenn er Stürmer Ante Rebic spielen sieht. „Er verbindet Wucht mit Schnelligkeit, eine Kombination, die es in der Bundesliga nicht häufig gibt.“ Zum Glück für ihn und die Fortuna muss der 25-Jährige am Freitag eine Gelb-Rot-Sperre abbrummen. „Ich beschwere mich nicht, dass er nicht dabei ist“, sagt Funkel, verweist aber sogleich auf Luka Jovic und Sebastien Haller, die nicht weniger gut seien.

Er selbst fühlt sich mit der Fortuna aktuell pudelwohl. Stress kennt ein Routinier wie er kaum noch, dazu sei „die Fortuna in der Bundesliga angekommen“. Dem Aufsteiger, der mit 30 Millionen Euro einen der kleinsten Etats verwaltet, fehlten, findet der Coach, allenfalls „drei, vier Punkte mehr“. Dazu gibt es Lob für couragiertes Spiel. Trotzdem sind die Düsseldorfer mit fünf Punkten Tabellenvorletzter. Mit der Punktausbeute ist Funkel natürlich nicht zufrieden, sehr wohl aber „mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen“.

Zumal die Gegner bislang - Leverkusen, Hoffenheim, Leipzig, Schalke - deutlich weiter oben verortet waren. Stets suche man dennoch den Weg nach vorne, „wir kommen über den Teamgedanken. Alle wissen, dass wir individuell den meisten Teams unterlegen sind“, sagt Funkel, der von seinem Team eine gewisse Kratzbürstigkeit und Nickligkeit fordert. Bei der Mannschaft kommt Funkel dessen ungeachtet gut an: Stürmer Marvin Ducksch etwa ist allein wegen Friedhelm Funkel zu Saisonbeginn von Holstein Kiel an den Rhein gewechselt.

Beim bislang einzigen Aufeinandertreffen in Frankfurt hat Funkel mit der Hertha übrigens einen Punkt geholt, 2:2 endete damals die Partie in der alten Heimat. Damit könnte Fuchs Funkel jetzt sicher leben, die Eintracht weniger.

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