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Aktuell gesetzt bei der Eintracht: Almamy Touré (rechts), Zweikampfsieger gegen Hoffenheims Dabbur.

Eintracht Frankfurt

Almamy Touré trumpft auf - bleibt er gesetzt auf der rechten Seite?

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Eintracht-Verteidiger Almamy Touré trumpft auf der rechten Seite in offensiver Rolle auf – überraschend, sagen die einen; logisch, findet er selbst. Bleibt er gesetzt?

Frankfurt - Wenn Filip Kostic in den vergangenen beiden Spielzeiten wieder mal zu einem seiner Tempomärsche auf dem linken Flügel ansetzte (was gefühlt durchgehend vorkam), hatte er es nicht, wie jetzt, ausnahmsweise mit einem lädierten Knie oder anderweitigen Blessuren zu tun, dann raunte es im weiten Rund. Tiefe, langgezogene Laute waren es, die die Fans durch die Arena im Stadtwald schwappen ließen, getränkt in Ehrfurcht ob dieser Kraft des 27-Jährigen, gepaart mit dessen Willen und Technik. Im Schlepptau aber hatte das wohlige Raunen stets auch seinen unangenehmen Partner, das zischende Ausatmen, den Moment des Missfallens, wenn es ein Fußballer wieder nicht so gut hinbekommen hatte wie Primus Kostic.

Zweifelsohne hat es der aktuell verletzte Serbe seinen kickenden Kollegen von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt unfreiwillig nicht immer leicht gemacht, selbst glänzen zu können. Vor allem jene auf der anderen Seite des Feldes, auf dem rechten Flügel, mussten sich doch immer wieder mit ihm vergleichen lassen – ein Mismatch. Zwar gelang es Danny da Costa noch eine Weile recht manierlich, dem über ihm schwebenden Schatten Kostics davonzueilen. Mit der Zeit aber wurde der rechte Flügel zu einer Problemzone im hessischen Spiel. Da Costa fiel in ein Leistungsloch, aus dem er bis heute nur mühsam hinauskrabbelt. Timothy Chandler holte früh in diesem Jahr übermäßig viel aus sich heraus, ehe er sich rasch wieder auf seinem bekannten, durchschnittlichen Niveau einpendelte. Bleibt Almamy Touré.

In den vergangenen beiden Bundesligaspielen vertraute Eintracht-Trainer Adi Hütter dem 24-Jährigen die rechte Seite an. „Almamy hat gut trainiert und sich in den Vordergrund gespielt. Er hat sich gut gezeigt und die Chance bekommen, von Anfang an zu spielen“, begründete Hütter seine Wahl, die aufging. Zweimal überzeugte Touré. Beim 3:1 in Berlin leitete er die Führung mit einem klugen Pass ein. Beim 2:1 gegen Hoffenheim klaute ihm Angreifer André Silva gar kurz vor Schluss ein vermeintlich sicheres Tor. Zudem lief Touré im Spiel gegen die TSG am meisten (12,4 Kilometer) und am schnellsten (34,3 km/h).

Zwangspause

Ragnar Ache wird der Eintracht vorerst verletzt fehlen. Der Stürmer zog sich eine leichte Sehnenverletzung an der Oberschenkelrückseite zu. Der 22-Jährige falle „wenige Wochen“ aus, wie der Verein am Montag mitteilte. Ache hatte am vergangenen Freitag noch für das deutsche U-21-Nationalteam gespielt, war anschließend aber abgereist. Die Eintracht kann daher am Sonntag gegen Köln nur noch auf zwei echte Stürmer bauen, die Stammkräfte Bas Dost und André Silva. dani

„Dank meiner Gene verfüge ich über eine gute Grundschnelligkeit“, sagte Touré nun in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der Trainer wolle, dass er, Touré, auf seiner Seite für Schwung sorge, „dass ich in die Eins-gegen-eins-Situationen gehe und dass ich die Zweikämpfe annehme.“ Dabei sind all das gar nicht die Stärken des Franzosen – dachte man. Schließlich wurde er in Monaco fußballerisch als Abwehrmann ausgebildet. Oder doch? „Das alles ist nicht neu für mich, denn in meiner Jugend habe ich anfangs in der Offensive gespielt“, sagte Touré, der sich seit seiner Ankunft in Frankfurt im Januar 2019 selbstbewusst, aufgeschlossen und sehr freundlich präsentiert.

Der in Mali geborene und in Paris aufgewachsene Touré spielte in der Jugend regelmäßig in der Offensive. Er sei als junger Spieler sowieso nie ein Freund davon gewesen, Verteidiger zu sein, erklärte er vor eineinhalb Jahren im FR-Interview. „Ich hatte großen Spaß daran, Tore zu schießen oder welche vorzubereiten.“ Erst im Laufe der Zeit sei er nach hinten versetzt worden, „obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte“.

Im Grunde führt Adi Hütter seinen Schützling somit nur zurück zu den fußballerischen Wurzeln. Wenngleich Touré natürlich ein anderer Spielertyp als der kraftvolle Sprinter Kostic ist, bringt er doch seine Qualitäten für den Posten rechts vorne mit: präzise Flanken, Schnelligkeit, eine ordentliche Technik.

Wenn da nur nicht manchmal diese unerklärlichen Aussetzer wären, die vermeidbaren Fehlpässe, die zu zaghaft geführten Zweikämpfe. Auch zuletzt im bedeutungslosen Testkick gegen Würzburg (0:3) fiel Touré wieder in dieses Muster und war – nicht übertrieben - in einer schlechten Frankfurter Mannschaft der schlechteste Mann. „Ich muss konstanter werden und meine Konzentration steigern. Mir unterlaufen noch zu viele Fehler“, sagte Touré der „FAS“, weshalb er laut eigener Aussage über die Anstellung eines Mentaltrainers nachdenkt: „Ich arbeite hart daran, die Fehler abzustellen. Wenn ich diese beiden Aspekte in Zukunft unter einen Hut bringe, hätte ich den nächsten großen Schritt in meiner Entwicklung gemacht.“

Vorerst dürfte Touré seinen Platz in der Startelf aber sowieso sicher haben. Zum einen weil sich da Costa und Chandler nicht wirklich aufdrängen, zum anderen weil Startelfeinsätze für die beiden Zugänge Ajdin Hrustic und Amin Younes am Sonntag beim 1. FC Köln zu früh kommen würden. Zumal sie von ihrem Naturell her ohnehin keine Spieler sind, die gerne im Alleingang eine ganze Seite beackern - offensiv wie defensiv. Der schmächtige Dribbler Amin Younes als Verteidiger am eigenen Sechzehner: schwer vorstellbar und vermutlich nicht von allergrößtem Erfolg gekrönt. Bleibt Almamy Touré.

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