Flugshow des zweiten Mannes: Jan Zimmermann hat nichts verlernt.
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Flugshow des zweiten Mannes: Jan Zimmermann hat nichts verlernt.

Jan Zimmermann

Allzeit bereit

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Ersatztorwart Jan Zimmermann fühlt sich nicht außen vor: "Habe meinen Beitrag zur unglaublichen Saison geleistet".

Natürlich weiß Jan Zimmermann, dass er im Training deutlich mehr Bälle zu halten bekommt als heute Abend im Spiel. Das liegt an Manfred „Moppes“ Petz, den Torwarttrainer, der den drei Torleuten von Eintracht Frankfurt die Bälle nur so um die Ohren haut und von dessen Schusstechnik sich so mancher Profi eine Scheibe abschneiden könnte. Und doch freut sich Jan Zimmermann ein bisschen auf das Spiel am heutigen Freitag (16 Uhr) gegen den Sechstligisten Alemannia Haibach. Dort, einen Abschlag von Aschaffenburg entfernt, ist der frühere Eintracht-Profi Slobodan Komljenovic Trainer und dort überbrückt die Eintracht die Länderspielpause. Mit Jan Zimmermann im Tor.

Der bald 33-Jährige hat in dieser Saison noch keine Minute in einem Pflichtspiel unter der Latte gestanden, an Platzhirsch Lukas Hradecky führt kein Weg vorbei. Zimmermann, ein kluger, nachdenklicher Kopf, hat das längst akzeptiert, „Lukas ist ein super Torwart“, sagt der zweite Mann, an ihn reicht er nicht heran. „Ich fühle mich dennoch nicht außen vor“, sagt der gebürtige Offenbacher, der früher schon mal bei der Eintracht spielte, sogar zehn Jahre lang, ehe er nach Stationen über den SV Darmstadt 98, SV Heidenheim und 1860 München zurück in den Stadtwald fand. Und zwar als Torwart Nummer zwei, diese Rolle war von Anfang an klar, „Zimbo“ hat sie akzeptiert.

Und doch hat auch er seinen „Beitrag zu dieser bislang unglaublichen Saison“ geleistet , wie er sagt, „jeder im Kader hat das, auch die, die nicht so häufig spielen“. Seinen Beitrag sieht er darin, das Trainingsniveau hochgehalten zu haben, es den Stürmern in Trainingsspielen möglichst schwer zu machen. „Ich bringe da meine Leistung.“ 

Er versteht sich auch als Vorbild: „Es geht darum, zu motivieren und als gutes Beispiel voranzugehen. Wir haben im Kader viele, die nicht spielen. Als älterer Spieler will ich vorleben, dass man trotzdem immer weiter an sich arbeiten muss und ehrgeizig wie motiviert ins Training geht.“ Über allem stehe doch der Teamerfolg. Und wenn Eintracht Frankfurt am Ende dieser Saison womöglich tatsächlich den Einzug in einen internationalen Wettbewerb schaffen sollte, dann wäre auch er glücklich und zufrieden, selbst wenn er nicht eine Sekunde gespielt hätte.

Dieser Teamgeist sei ja einer der Gründe für den erstaunlichen Höhenflug der Frankfurter. „Es ist außergewöhnlich, wie gut wir miteinander können, trotz der vielen Nationen im Team.“ Es gebe keine Grüppchenbildung, jeder rede mit jedem und im Spiel bügele der eine den Fehler des anderen aus. „Wenn einer egoistisch auftritt, wird es auf ihn zurückfallen.“ Klar, auch sein Anspruch sei es, im Tor zu stehen und zu spielen, und er sei nach wie vor ehrgeizig. Dennoch würde er niemals einem Konkurrenten „eine Verletzung oder eine Rote Karte wünschen“.

So muss sich Jan Zimmermann, der bei der Eintracht noch einen Vertrag bis 2019 besitzt, in Geduld üben, sich bereithalten für den Ernstfall. Sein Können kann er derzeit halt nur in den Testspielen zeigen, und selbst da ist es schwer, auf sich aufmerksam zu machen. Viel bekommt ein Eintracht-Torwart in der Regel nicht zu halten, und wenn doch Bälle aufs Tor kommen, so sind sie bei nicht eingespielten Vordermännern oft drin. Etwa beim letzten Testspiel am Riederwald gegen den FC Kazanka Moskau, als er gleich dreimal hinter sich greifen musste. Diese Freundschaftsspiele gegen unterklassige Teams seien „anspruchsvoll“,  weil man wenig Beschäftigung habe, dennoch hoch konzentriert und auf „den Punkt da sein“ müsse.

Es sei nicht so, dass „ich mich hinsetze und sage: Hier ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Aber es ist nicht so, dass für die nächsten Jahre immer alles fix ist. Ich gucke aber auch nicht zu weit in die Zukunft – ich kann beeinflussen, wie ich heute trainiere und mich heute Abend ernähre. Wenn du zu weit in die Zukunft schaust, verlierst du die Gegenwart“, sagt Zimmermann. 

Gerade für ihn gelte, „in dem Bewusstsein zu leben, dass der Moment das Entscheidende ist“. Bei Jan Zimmermann war 2014, eher durch Zufall, ein Hirntumor entdeckt worden, der operativ entfernt werden musste. Dieses Erlebnis hat ihn geprägt. Selbst wenn er, wie momentan, nicht spielt, „so „laufe ich nicht unzufrieden herum, weil ich mich hier und in der Mannschaft wirklich sehr wohlfühle.“ Und er viel Schlimmeres ohnehin schon weggesteckt hat. 

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