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Runter von der Bank, rauf aufs Feld: Sebastian Rode sollte flugs in die Startelf zurückkehren.
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Runter von der Bank, rauf aufs Feld: Sebastian Rode sollte flugs in die Startelf zurückkehren.

Rückstand

Alles kein Zufall

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt arbeitet sich an Rückständen, Gegentoren und Unentschieden ab – vielleicht ist das alles eine Frage der Qualität.

In und um den Frankfurter Stadtwald herum hat nun, da es so langsam ganz schön frostig wird, das große Rätselraten begonnen. Wie gut ist das Eintracht-Ensemble wirklich? Sind die Europa-Träume nur Hirngespinste? Überschätzt sich das Team selbst oder wird es von anderen überschätzt? Und auch das noch, weniger abstrakt, eher konkret: Warum schlägt es so häufig so früh im Frankfurter Kasten ein, warum gerät die Eintracht in sechs von neun Spielen in Rückstand? „Ich weiß nicht, warum das so ist“, grübelt Abwehrchef Martin Hinteregger, der in dieser Saison so seltsam transusig wirkt. Trainer Adi Hütter steht diesem Phänomen fassungslos gegenüber. Es ärgert ihn gewaltig.

Neu ist das Ganze nicht, auch in der vergangenen Spielzeit lag die Eintracht häufig zurück, genau 23-mal, nur Sang-und-Klanglos-Absteiger SC Paderborn übertraf diese Marke. Schon damals grollte Coach Hütter: „Das geht gar nicht.“ Man kennt das ja: Der Aufwand, der betrieben werden muss, um die Sache wieder zu begradigen, ist immens, da gehen eine Menge Körner flöten.

Auch die Flut an Gegentoren, die den Österreicher in der abgelaufenen Runde so arg wurmte, ist nicht abgeebbt. 16-mal schlug es bislang im Eintracht-Gehäuse ein, nur fünf Teams haben mehr Treffer schlucken müssen. Rechnet man die wenig erquickliche Bilanz auf 34 Spiele hoch, so landet man ziemlich genau bei den 60 Toren, die Kevin Trapp und Frederik Rönnow in der Spielzeit 2019/20 kassierten. Zu viel. Coach Hütter ist es bisher nicht gelungen, an Stellschrauben zu drehen, um diese Mängel zu beheben.

Da hilft offenbar kein geregelter Trainingsbetrieb und kein Vertrauen in eine mehr oder weniger festgezurrte Stammelf. Es hilft nicht, dass er den alten Makoto Hasebe raus- und den jungen Evan Ndicka reinnimmt, es hilft nicht, dass Stefan Ilsanker als reiner Zerstörer in jedem Spiel vor der Abwehr aufgeboten wird und auch nicht, dass in der Kiste ein deutscher Nationaltorwart steht (das hilft vor allem dann nicht, wenn Kevin Trapp zwar an und für sich gut hält, aber halt auch mal einen Bock schießt, was freilich nicht ausbleibt).

Eintracht Frankfurt: Aussetzer trotz Erfahrung

Die Lücken hinten bleiben, sie werden sogar größer: Allein zwölfmal klingelte es in den letzten fünf Partien – nicht mal die Chaostruppe von Schalke 04 hat mehr Bälle reinbekommen.

Alles in allem ist das Abschneiden zuvorderst natürlich auch eine Frage der Qualität. Dazu gehört neben fußballerischer Klasse, Athletik und Schnelligkeit noch vieles mehr: taktisches Verständnis etwa, Ordnung und Disziplin, aber auch geistige Fähigkeiten, also mentale Stärke, Selbstbewusstsein und die Kunst, die Konzentration über einen möglichst langen Zeitraum aufrechtzuerhalten. Das alles fließt in den Zustand einer Gesamtkomposition ein, all das ist entscheidend dafür, wie erfolgreich eine Mannschaft auf diesem Niveau sein kann.

Die Eintracht hat in dieser Saison von neun Begegnungen zwei gewonnen (ist schon länger her) und ein Spiel verloren (bei den Bayern, 0:5), sie hat zuletzt viermal hintereinander Unentschieden gespielt (Vereinsrekord) und insgesamt schon sechsmal – kann das noch Zufall sein? Wohl eher nicht. Wer so oft mit einem Punkt zufrieden sein muss, der scheint sich eher auf einem entsprechenden Level zu bewegen, zumal fünf der sechs „Remis-Partner“ (Bielefeld, Köln, Bremen, Stuttgart, Union Berlin) nicht der Schwergewichtsklasse zuzurechnen sind, in diese Kategorie gehört nur RB Leipzig. Im Klassement liegen die Hessen folgerichtig auf Rang neun, also genau mittendrin. Und auch viele statistische Erhebungen verorten die Eintracht im Mittelfeld, viele Werte liegen auf Durchschnittsniveau.

Auffällig ist, dass die durchschnittlich älteste Mannschaft der Liga zwar über reichlich Erfahrung verfügt, es aber immer wieder zu merkwürdigen Aussetzern kommt. Das sorgt auch intern für Irritationen, denn wer weniger Fehler macht, hat größere Chancen, am Ende zu gewinnen – das liegt in der Natur des Spiels.

Klar ist auch, dass es auf manchen Positionen, rechts vorne, links hinten und im zentralen Mittelfeld, an absoluter Klasse fehlt. Hütter wäre daher gut beraten, den wieder genesenen Sebastian Rode schnellstmöglich einzubauen. Der 30 Jahre alte Mittelfeldmann agiert auf einem ungleich höheren Level als seine Mitstreiter auf dieser Position. Und wer besser ist, muss spielen – Prinzip des Vertrauens hin oder her.

Eintracht Frankfurt: Kein Jokertor – logisch

Bei Licht betrachtet ist es wenig verwunderlich, dass in Frankfurt Anspruch (Europa) und Wirklichkeit (Bundesligamittelmaß) nicht so recht zusammengehen wollen. In der derzeitigen Verfassung ist die Eintracht kein Kandidat für einen Platz im ersten Drittel des Tableaus. Das war sie auch in der vergangenen Saison nicht, die sie als Neunter abschloss. Großartig verändert hat sich das Team seither ja nicht.

Das ist kein Grund zum Wehklagen, denn es ist ja andererseits nicht so, dass die Mannschaft unter ferner liefen einlaufen würde. Nein, sie hat ihre Momente und Phasen, sie hat Mentalität und kann einstecken, sie ist völlig intakt, andernfalls wäre es nicht möglich, immer wieder zurückzukommen: Fünf Rückstände (davon zweimal gar 0:2) konnte das Team mindestens egalisieren.

Und sie hat individuelle Qualität, Filip Kostic, Dachi Kamada oder André Silva sind Akteure, die allesamt ein Spiel alleine entscheiden können – und es schon oft genug getan haben. Hinten dran aber wird es eng. Sollte ein Stürmer ausfallen, ist Land unter. Selbst während eines Spiels kann Hütter kaum nachlegen, was zur Folge hat: Die Eintracht ist die einzige Mannschaft ohne Jokertor. Ganz logisch, auch das.

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