1. Startseite
  2. Eintracht

Alles Gute, Eintracht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Reise- und sangesfreudig: der Eintracht-Anhang.
Reise- und sangesfreudig: der Eintracht-Anhang. © dpa

Eintracht Frankfurt spielt an diesem Mittwoch in Sevilla. FR-Autor wäre gern dabei gewesen - mit seinem Vater, der am gleichen Tag Geburtstag hat wie die Eintracht.

Im Gegensatz zu Udo Jürgens war ich schon mal in New York. Das ist allerdings ziemlich lang her. Es standen damals noch zwei bedeutende Hochhäuser mehr in Manhattan. So manches schien seinerzeit undenkbar. Auch dass ein so stabiles Gebäude namens Frieden in Europa solch starke Risse im Fundament bekommen könnte. Aber darum soll es hier eigentlich gar nicht gehen.

Keine Ahnung, ob Udo Jürgens zu Lebzeiten in Sevilla war. Wenn ja, stünde es jetzt 1:1, denn dort war ich nie. In Spanien immer nur Mittelmeerküste. Auch an diesem Mittwoch, beim Achtelfinalhinspiel in der Europa League, wird die Eintracht dort ohne meine körperliche Anwesenheit auskommen müssen. Mental werden natürlich mindestens eine Million Frankfurter vor Ort sein, darunter auch meine gesamte Familie.

Es gibt schließlich etwas zu feiern. Am Dienstag ist Eintracht Frankfurt 123 Jahre alt geworden, keine Schnapszahl, aber doch eine besondere in ihrer ansteigenden Ziffernfolge. Besonders ist daran auch etwas anderes. Vor drei Jahren hat dieser Fußballverein mit einer großen Party im Waldstadion sein 120-jähriges Bestehen gefeiert.

Moment. Vor drei Jahren? Das ist erst drei Jahre her?

Noch nicht einmal. Im Juni 2019 stieg das Fest mit Grußworten, Reden, Rückblicken und viel Musik. Ein bewegender Abend. Keine drei Jahre ist das her. Die Welt ist seither eine andere geworden, die emotionalen Abende vor ausverkauftem Haus sind selten, viel zu selten geworden. Aber die Tradition bleibt.

Am Tag vor dem Geburtstag der Eintracht hat mir der Chef des Eintracht-Museums eine SMS geschickt. „Ist das dein Papa??“, schrieb er, und angeheftet war ein Foto mit dem Ausschnitt aus einem frühen Eintracht-Vereinsheft, 60er Jahre. Der Ausschnitt enthielt eine Namensliste. Ein Name darauf war der Name meines Vaters. Es war der Monat, in dem er Eintracht-Mitglied, Abteilung Fußball, wurde. Später spielte er Rugby für die Adler. Es gibt Aufnahmen des Hessischen Rundfunks von einer der rauen Partien. Meine Mama ist am Spielfeldrand zu sehen. Sie ist schwanger mit mir.

Mein Vater blieb Eintracht-Mitglied, zeitlebens. Mein Großvater fuhr mit seinen Söhnen der Meistermannschaft von 1959 hinterher. Sie saßen bei Auswärtsspielen auf Eintracht-Koltern neben der Seitenauslinie. Die Geschichte wurde in der Familie immer wieder erzählt. Wie die Fahnen der Jungs, auf triumphalen Heimfahrten hinten aus den Autofenstern gehalten, den Lack des Ford Taunus zerkratzten, aber hey – Meister! Oder war es ein Opel? Auf der Hutablage war auch später immer eine uralte Kolter mit der Aufschrift „Sport-Gemeinde Eintracht“.

Ich wünschte, ich könnte mit ihnen allen in Sevilla sein, mit Opa Alfred, Onkel Werner und mit meinem Vater. Woran mich die SMS aus dem Eintracht-Museum erinnerte: Er wurde an einem 8. März geboren. Genau wie sein Verein.

Sentimentalitäten, na klar. Im Angesicht des Kriegs wird man schon mal schwermütig. Ich sach ma: Ein Auswärtssieg am Mittwochabend würde der Seele guttun. Unabhängig davon bleibt immer im Bewusstsein, wofür dieser Verein steht, auch in schweren Zeiten: für Tradition, Werte, Zusammenhalt und Menschlichkeit. Happy Birthday euch beiden.

Auch interessant

Kommentare