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Eintracht-Coach Niko Kovac beim Freundschaftsspiel gegen Sassuolo.

Eintracht Frankfurt

In allen Bereichen weiter

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Eintracht-Trainer Niko Kovac will die Intensität auch nach der Abreise aus dem Trainingslager in Gais hochhalten, aber die Umfänge verkleinern.

Als die Athleten ihre müden Häupter schon längst zur Ruhe gelegt hatten, wurde es noch einmal hektisch im beschaulichen Gais. Schon den ganzen Samstagabend hatte es über dem Pustertal heftig gewittert, gegen 0.45 Uhr heulten dann plötzlich die Sirenen auf. Eine dicke Schlammlawine war den Berg hinuntergeschwappt und hatte eine kleine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Eine Brücke wurde davongeschwemmt, zahlreiche Keller liefen voll, die Bundesstraße Richtung Norden war unbefahrbar. Die Feuerwehr war noch am nächsten Morgen mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Verletzt wurde aber glücklicherweise niemand – bis auf eine Ziege.

Während bei den Dorfbehörden am Sonntag also Alarmstufe Rot angesagt war, ging es im Hause Eintracht Frankfurt gemächlicher zu. Nach der lockeren, 90-minütigen Vormittagseinheit erschien Trainer Niko Kovac bester Laune und tiefenentspannt in der Lobby des Mannschaftshotels, um sein Fazit der zurückliegenden Tage im Pustertal zu ziehen. „Man sieht“, bilanzierte der zufriedene Coach, „dass die Spieler mit Engagement, mit Freude und mit Leidenschaft dabei sind.“

Der letzte Tag in Südtirol

Beziehungsweise: dabei waren. Denn am Montag bricht für die Eintracht bereits der achte und letzte Tag in Südtirol an, um die Mittagszeit geht es zum Flughafen nach Bozen und von dort weiter in die Frankfurter Heimat. Kovac erwartet seine Mannschaft erst am Donnerstag auf dem Trainingsplatz neben der WM-Arena zurück, Dienstag und Mittwoch dürfen die Kicker tun und lassen, was sie wollen. Auch der Trainer wird sich für zwei Tage nach Salzburg zurückziehen, wo Frau und Tochter auf ihn warten.

Zwölf Tage sind es noch bis zum ersten Pflichtspiel der neuen Saison, in Siegen trifft die Eintracht in der ersten Pokalrunde auf den Regionalligisten TuS Erndtebrück. Langsam wird es wieder ernst für die SGE. Kovac wird die Intensität bis zum Start der neuen Runde hochhalten, aber die Umfänge verkleinern. „Die Belastung wird runtergeschraubt, jetzt geht es Richtung Frische“, kündigte er an. Schon in den vergangenen Tage hatte der 45-Jährige das Pensum spürbar reduziert, ihm ist nicht entgangen, dass seine Spieler in den zurückliegenden Wochen ans Leistungslimit gegangen sind und nun doch eine erhebliche Müdigkeit in der Mannschaft grassiert „Man kann das Glas nur vollmachen“, beschrieb Kovac. „Wenn man zu viel reinhaut, läuft es über.“

Auch wenn den Spielern aktuell schnell die Puste ausgeht, sieht der Kroate seine Mannschaft für die nahende Spielzeit gut gerüstet, besser sogar als nach dem Gais-Aufenthalt vor einem Jahr. Es ist die zweite Sommervorbereitung, die Kovac bei der Eintracht anleiten darf, dementsprechend eingespielt sind die Abläufe mittlerweile. „Wir fangen nicht an irgendeinem Punkt X an, sondern sind in allen Bereichen weiter“, urteilte Kovac. Beim Blick auf den Kader ist der Trainer indes gespalten: „Wir haben uns qualitativ verstärkt, aber auch Qualität verloren.“

Alexander Meier bleibt Kapitän

Und durchaus kritisch sieht er die Leistungen, die sein Team in den bislang sechs Testspielen gezeigt hat. „Das war nicht so, wie wir uns das vorstellen“, krittelte Kovac. Ihm sei jedoch von Anfang an bewusst gewesen, dass dies aufgrund der fehlenden Frische passieren könne. Für die finalen beiden Prüfungen gegen Betis Sevilla (Samstag, 16 Uhr) und den FSV Frankfurt (Sonntag, 15.30 Uhr) hofft der Fußballlehrer dennoch auf eine Steigerung: „Ich wünsche mir, dass wir die im Training gezeigte Leistung auch mal im Spiel sehen.“

Dass sich bis zum Saisonstart noch viel am Aufgebot ändern wird, hält Kovac indes für unwahrscheinlich. „Man habe nicht vor, noch einen Stammspieler abzugeben, auch nicht Torwart Lukas Hradecky. „Das Signal seinerseits ist so, dass er gerne hier bleiben möchte“, stellte Kovac klar. Nicht mehr für die Eintracht auflaufen wird mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit Rechtsverteidiger Yanni Regäsel, der die Reise nach Südtirol auslassen durfte, um sich in Frankfurt fitzuhalten und gleichzeitig nach einem neuen Klub umzusehen. Der ein oder andere Neuzugang könnte allerdings noch zum Team stoßen, vor allem in der Innenverteidigung und auf der offensiven Außenbahn besteht Bedarf. „Wir schauen uns um“, sagte Kovac. „Aber es muss passen, sportlich und finanziell.“

Kontinuität gibt es hingegen in einer anderen Frage: der des Spielführers. Wann Alexander Meier wieder eingreifen kann – der „Fußballgott“ laboriert weiterhin an den Nachwirkungen einer Sprunggelenks-OP und einer Borreliose-Erkrankung – ist zwar fraglich, doch Kovac stärkte dem 34-Jährigen gestern demonstrativ den Rücken. „Eins ist klar“, so der Coach: „Alex Meier bleibt Kapitän. Ausrufezeichen!“

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