Den sauberen Spannstoß kann er, der Techniker Adi Hütter.
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Den sauberen Spannstoß kann er, der Techniker Adi Hütter.

Trainingsauftakt

Eintracht Frankfurt: Alle Augen auf Adi Hütter

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Trainer Adi Hütter muss die Mannschaft von Eintracht Frankfurt weiterentwickeln – und seine persönliche Zukunft klären.

Frankfurt - Am Montagvormittag beginnt für die Berufsspieler der Frankfurter Eintracht der Ernst des Fußballerlebens. Dann bittet Coach Adi Hütter zum zweiten Trainingsauftakt nach einem einwöchigen Kurzurlaub. Nach dem Aufgalopp am Stadion steht der sogenannte Media Day der DFL an, an dem sich die Spieler von ihrer Schokoladenseite zeigen; 40 000 digitale Inhalte werden da von den 18 Erstligisten für TV- oder Digitalformate produziert. Aufwendige Geschichte.

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter muss seine Mannschaft in die Spur bringen

Für Hütter und sein Team geht es ab Montag zielstrebig Richtung Saisonstart, der noch immer unter den Restriktionen der Corona-Pandemie stehen wird. Für die Eintracht ist es eine Saison ohne europäische Zusatzbelastung, was den Coach zuversichtlich stimmt, seine Mannschaft durch regelmäßiges Training auf ein anderes Level heben zu können. Daran wird sich der 50-Jährige messen lassen müssen, „daran messe ich mich selber“, sagte er. „.Ich will die Mannschaft weiter bringen, ihr eine eigene Handschrift geben.“

Der Österreicher muss auch die Akteure, die vor einem Jahr zum Teil mit großen Vorschusslorbeeren nach Frankfurt kamen, in die Spur bringen, Djibril Sow etwa oder Sturmtank Bas Dost. Und er wird versuchen müssen, Spieler wie Aymen Barkok, Tuta oder Dejan Joveljic näher an die Mannschaft zu führen. Zur Erinnerung: Für den zuletzt nach Belgien ausgeliehene Stürmer Joveljic hatte die Eintracht vor einem Jahr fünf Millionen Euro an Roter Stern Belgrad überwiesen. Keine kleine Investition, die man nur dann tätigt, wenn man etwas in dem Spieler gesehen hat. Oder man hat sich getäuscht, was einem Verein wie der Eintracht im wahrsten Sinne des Wortes teuer zu stehen kommen könnte.

Fünf Millionen Euro wird der Verein in dieser Saison nicht mal mir nichts, dir nichts in einen Neuzugang stecken, dazu ist die finanzielle Situation zu prekär und weit dramatischer als gemeinhin angenommen. Nur wenn die Frankfurter durch einen Abgang viele Millionen einnehmen würden (etwa bei Filip Kostic, Martin Hinteregger, Evan Ndicka), könnten sie entsprechend reinvestieren.

Eintracht Frankfurt und der Zoff mit West Ham - Hütter braucht neue Spieler

Gerade deshalb sind die Verantwortlichen stinksauer auf den Premier-League-Klub West Ham United, der bei der Eintracht wegen des Transfers von Sebastien Haller noch 24 Millionen Euro Schulden hat, aber keine Anstalten macht, diese zu begleichen. Das Geschäftsgebaren des in der Porno-Industrie reich gewordenen Inhabers David Sullivan treibt den Eintracht-Bossen die Zornesröte ins Gesicht. Die Hände sind ihnen trotzdem gebunden, die Mühlen der Verbands-Gerichtsbarkeit mahlen langsam. Daher werden die Zugänge eher solche sein, in denen Fantasie und Geduld steckt. Noch ist der Markt ruhig, Experten gehen davon aus, dass das noch eine Weile so bleiben wird.

Hütter ist im Gesamtkonstrukt ein wichtiger Baustein, der erfolgreiche Fußballlehrer ist die Lokomotive, der, der die Mannschaft entwickeln und wettbewerbsfähig machen muss. Da wäre es ihm ganz recht, wenn noch der eine oder andere gute Spieler den Kader verstärken würde. Er steht in engem Austausch mit der Sportlichen Leitung. Für Hütter stellen sich grundsätzliche Fragen: „Wie ist die Ausrichtung des Vereins, wo wollen wir hin?“ An seine persönliche Zukunft hat er die kurzfristige Perspektive des Klubs nicht geknüpft, der kluge Mann weiß um die Gesamtsituation inmitten der Corona-Umklammerung.

Adi Hütter bei Eintracht Frankfurt: Alle bei einem Agenten

Der Trainer-Vertrag läuft in einem Jahr aus, die Eintracht würde ihn gerne ausdehnen. Ein Verbleib ist weiterhin sehr wahrscheinlich. Hütter hat gute Arbeit geleistet, den Verein in zwei Halbfinals und einmal in die Europa League geführt, er hat in der zurückliegenden Spielzeit zwei Krisen gemeistert und ein gutes Saisonende hinbekommen.

Aber es hakt hier und da, auch finanzielle Aspekte spielen eine Rolle. Hütter möchte seine erfolgreiche Arbeit entsprechend gewürdigt sehen, und in der Branche ist es Usus, dass eine Vertragsverlängerung mit einer wirtschaftlichen Aufstockung einhergeht. Die Frage in diesen Zeiten ist: In welchem Maße? Zumal es auch um Hütters Assistenten Christian Peintinger sowie Armin Reutershahn geht, die interessanterweise mittlerweile ebenfalls von Hütter-Berater Christian Sand vertreten werden.

Der Trainer selbst verfolgt einen klaren Karriereplan, war nie länger als drei Jahre bei einem Verein, hat immer Ausstiegsklauseln in seinen Arbeitspapieren. Dadurch durfte er für 800 000 Euro zur Eintracht wechseln, auch in Frankfurt besteht die Option, dass er vorzeitig aussteigen kann. Die Höhe der Ablöse liegt aber deutlich über den 2,2 Millionen Euro, für die Niko Kovac 2018 zu Bayern München wechselte. Der ehrgeizige Hütter fühlt sich wohl in Frankfurt, er sieht seine Missionen noch nicht als abgeschlossen an. Und wenn der Coach seinen nächsten Schritt vorbereiten will, und hoch hinaus will er ja, dann ist die kommende Spielzeit auch für ihn persönlich keine unwichtige.

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