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Gleich voll im Spiel: Alex Meier, erstmals für St. Pauli am Ball.

St. Pauli

Eisiger Empfang lässt Alex Meier kalt

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Der Ex-Eintrachtler wird in Darmstadt beleidigt, aber er freut sich einfach, wieder da zu sein.

Sabine-Claudia Klug, besser bekannt als womeninblack, war auch am Bölle am eiseskalten Dienstagabend, das ist doch gar keine Frage. Wenn sich der Fußballgott mal wieder ins sehr irdische Rhein-Main-Gebiet begibt, ist womeninblack zur Stelle, mit ihrer Vespa, ihrem Markenzeichen, mit der sie der Eintracht folgt und sie verfolgt, in diverse Trainingslager nach Österreich etwa oder zu Auswärtsspielen wie weiland mal nach Duisburg, 250 Kilometer einfach über die A3, fünf Stunden, vorne im Korb eine Dose Äppler.

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Frau Klug, die erstmals 1966 gegen Werder Bremen im Waldstadion war, ist ein beinharter Eintracht-Fan und ein noch beinhärterer Alex-Meier-Fan. Die gebürtige Nieder-Eschbacherin, deren Nickname tatsächlich womeninblack (Frauen in schwarz) und nicht womaninblack (Frau in schwarz) lautet, was auf einen Tippfehler zurückgeht, war dann ziemlich glückselig, als ihr mittlerweile für St.Pauli kickender Star doch noch mittun durfte im Zweitligaspiel beim SV Darmstadt 98, ein paar Minuten bloß und ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen, aber immerhin. Und Alex Meier, die Eintracht-Ikone, die sie nicht mehr wollten bei der Eintracht, kennt seinen Edelfan nach fast 15 Jahren im Zeichen des Adlers natürlich persönlich. „Was, womeninblack war auch da?“, fragte er später am Abend verblüfft. „Coole Sache.“

Es waren viele nach Darmstadt gekommen, um den großen Alex Meier zu sehen, die Mehrzahl der Menschen am Böllenfalltor hatte der 36-Jährige aber erwartungsgemäß nicht auf seiner Seite, der Empfang war eher frostig, was an der, mal dezent formuliert, unterkühlten Beziehung zwischen Lilien- und Eintracht-Fans liegt. So pfiffen die Darmstädter Anhänger den Stürmer gnadenlos aus, als er nach 84 Minuten eingewechselt wurde, beim Warmlaufen hinter dem Tor bepöbelten sie ihn unflätig, was Meier mit einem Achselzucken abtat. „Das ist die Rivalität, das gehört im Fußball dazu, das ist mir egal.“

Alex Meiers Klasse blitzt auf

Seine Rückkehr auf die Fußballbühne hat sich der Torschützenkönig von 2015, den die meisten Frankfurter Fans noch immer vergöttern, anders vorgestellt, was nicht nur an der unnötigen, aber nicht unverdienten 1:2-Niederlage der Hamburger nach langer 1:0-Führung lag. Insgeheim hatte er gehofft, von Beginn an stürmen zu dürfen, doch nach den letzten Trainingseinheiten war ihm schon klar, dass er erst einmal dick eingemummelt auf der Bank würde Platz nehmen müssen.

Doch damit hat er kein Problem, er pflegt ein gutes Verhältnis zu Pauli-Trainer Markus Kauczinski, der er als angenehmen, offenen Menschen kennengelernt hat und den er schätzt. Der Coach hat oft mit Meier gesprochen, ihm seine Idee erklärt und ihm versichert, dass er auf seine Spiele kommen wird. Dass das nicht nur Worthülsen waren, sah man bereits nach 20 Minuten, als sich Mittelfeldspieler Jeremy Dudziak am Boden krümmte und eine Auswechslung anzustehen schien. Es wäre Meier gewesen, der ins Spiel gekommen wäre, Trainer Kauczinski hätte dazu das System modifiziert. Dudziak aber konnte weitermachen, Meier nahm wieder Platz und wickelte seine Fußballschuhe in eine Decke. „Das muss man bei den Temperaturen machen.“

Als die Partie endgültig eine andere Wendung nahm und die Lilien aus dem 0:1 ein 2:1 gemacht hatten, kam Meier dann zu seinem Debüt. Die Niederlage konnte er nicht mehr abwenden, aber seine paar Minuten waren vielversprechend, er war drin im Spiel, spielte einen hervorragenden Pass, da blitzte seine Klasse auf.

Fußballspielen verlernt Alex Meier nicht, die einzige Frage ist, wie lange seine Körper noch auf diesem Niveau mitmacht. Zurzeit sieht es gut aus, er ist topfit, läuft absolut rund, in Hamburg waren sie über seine Konstitution und seine Werte überrascht und erfreut. Luft für 90 Minuten hat er eher noch nicht, aber das kommt noch. „Ich bin glücklich, wieder dabei zu sein und zu spielen“, sagt der Torjäger, der für die Eintracht in 379 Partien 137 Treffer gemacht hat, mehr als Legende Jürgen Grabowski oder Tormaschine Tony Yeboah. In Hamburg, seiner Heimatstadt, fühlt er sich pudelwohl, gut aufgenommen und aufgehoben, er ist mit sich im Reinen. Ein Kreis hat sich durch die Rückkehr zu St. Pauli geschlossen. „Der Zusammenhalt ist überragend. Alles ist positiv. Das sind gute Voraussetzungen, um ein großes Ziel zu erreichen“, betont er. Das große Ziel: der Aufstieg.

Und einen wichtigen Fingerzeig hat der Auftritt der Hamburger in Südhessen gegeben: Besser als der elf Jahre jüngere Sturmkollege mit dem klangvollen Namen Dimitrios Diamantakos ist Alex Meier auch mit 36 noch allemal.

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