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Stärkt Fischer den Rücken: Wolfgang Steubing.

Eintracht Frankfurt

AfD? "Wunderbare Orangen hier"

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Wie Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Spanien mit dem heiklen Thema umgeht.

Peter Fischer ist angekommen, nicht zu übersehen mit seinen gut zwei Metern und schwer zu überhören mit seiner rauchigen Reibeisenstimme. Gemeinsam mit Wolfgang Steubing hat sich der auf einmal so omnipräsente und noch mehr als sonst polarisierende Vereinspräsident im Mannschaftshotel der Frankfurter Eintracht in Campoamor einquartiert. Fischer, ein Mann des Volkes, ist freudig begrüßt worden, auch von den jungen Profispielern – er spricht ihre Sprache, auch mit 61 noch.

Ansonsten hat sich Peter Fischer in Südspanien zwar keinen Maulkorb verpasst, das ginge bei einem Lebemann mit Hang zur ausladender Rhetorik sowieso nicht, aber zum brisanten und von ihm angestoßenen Thema AfD möchte er nichts mehr sagen, erst wieder am 28. Januar auf der Mitgliederversammlung des Vereins. Bis dahin unterhält er sich er unter der Sonne des Südens lieber über Obstplantagen, „die wunderbaren Orangen hier“, wie sein Freund Wolfgang Steubing erzählt. „Aber nicht über AfD oder Politik.“

Andere sprechen dafür für oder über ihn. Eben Wolfgang Steubing, Aufsichtsratsboss bei der Eintracht und Börsenmakler im Brotberuf. Er hat Fischer demonstrativ den Rücken gestärkt. Was anderes war auch nicht zu erwarten. „Eintracht Frankfurt steht für Fairness, sympathisches Miteinander, Toleranz und gegen Rassismus und Antisemitismus. Ich glaube, das ist die richtige Antwort auf das, was uns da entgegengeschleudert wird von irgendwelchen Leuten der AfD oder der AfD nahestehenden Leuten“, sagte er dem HR. 

Spieler wollen sich nicht einmischen

Über die Klage der Partei gegen Fischer – wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung – kann Steubing nur schmunzeln. Fischer hatte gegen „braune Brut“ und „Nazis“ gewettert, AfD-Wähler möchte er nicht als Eintracht-Mitglieder begrüßen. „Jeder hat seine eigene Semantik“, sagte Steubing zu Fischers Wortwahl. „Wenn Peter mal laut denkt, ist das vollkommen okay, da muss man nicht so einen Aufstand machen.“ Die Reaktion der Partei darauf könne er nicht nachvollziehen.

Auch Sportvorstand Fredi Bobic springt für den langjährigen Funktionär in die Bresche. „Peter Fischer hat das Herz am richtigen Fleck. Das gefällt mir und dass kann auch mal provokativ sein. Peter steht dazu, ich respektiere seine Meinung. Seine Aussagen sind absolut nachvollziehbar.“ Im Übrigen hat Bobic mit einigem Amüsement zur Kenntnis genommen, dass der Ratschlag kam, der Sport solle sich doch besser aus der Politik heraushalten. Er sieht es genau andersherum: „Es ist klar, dass das ein super Schaufenster für Politiker ist, in den Sport reinzuhämmern.“

Im Trainingslager der Eintracht ist der hohe Welle schlagende Fall aber kein Thema, weder die Verantwortlichen noch die Spieler diskutieren großartig darüber. Oder beziehen Stellung. Auch wenn die Fußballer sich öffentlich dazu äußern dürften, wenn sie wollten, wie Medienchef Jan Martin Strasheim betont. Doch sie wollen sich nicht einmischen. Nicht einmal Kevin-Prince Boateng, der sich im Kampf gegen Rassismus stets klar positionierte und sogar schon vor der UN eine Rede hielt. In einem Interview lehnte er ein Statement dazu ab.

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