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Zuletzt keine Freunde mehr: Adi Hütter und die Mikrofone.
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Zuletzt keine Freunde mehr: Adi Hütter und die Mikrofone.

SGE

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter wählt zum Abschied die leisen Töne

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Anders als Sportvorstand Fredi Bobic verzichtet der Trainer von Eintracht Frankfurt auf eine Gegenattacke nach der Kritik – nur eines will sich Adi Hütter nicht nachsagen lassen.

Frankfurt - Der scheidende Trainer Adi Hütter hat auf seiner vorletzten Pressekonferenz für Eintracht Frankfurt sichtlich Wert darauf gelegt, die Wogen zu glätten und in die wegen der großen Enttäuschung über das Scheitern an der Champions League aufgeheizte Stimmung nicht zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen. Es fiel kein böses Wort, es gab auch keine Generalabrechnung, wie das Sportvorstand Fredi Bobic dieser Tage via Boulevard für eine gute Idee hielt. Hütter wählte seine Worte weichgespült in Moll, vermied, nicht ungeschickt, die lauten Töne. Es ist die Zeit des Abschieds, ab Sonntag ist das Kapitel Adi Hütter für Eintracht Frankfurt Vergangenheit, ab Sonntag ist der 51 Jahre alte Österreicher im Urlaub. Dann zieht er nach Mönchengladbach um.

Vor allem war es ihm ein Bedürfnis, allen möglichen Leuten zu danken, seinem engsten Mitarbeiterstab zuvörderst, auch der Mannschaft, der sportlichen Führung, Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner, Präsident Peter Fischer, auch dem alten (Wolfgang Steubing) und neuen (Philip Holzer) Aufsichtsratsvorsitzenden. Er zählte alle auf, selbst Finanzvorstand Oliver Frankenbach wurde mit einem Dankeschön bedacht und auch die Presse, selbst wenn er dort zuletzt nicht die beste hatte.

Eintracht Frankfurt: Dank von Trainer Adi Hütter

Kritik sei immer dann angebracht, wenn man sportlich nicht die Leistung erbracht habe, und das habe man zuletzt nicht: „Wir haben einen Sieben-Punkte-Vorsprung verspielt, das ist zu kritisieren.“ Manchmal müsse man diese Kritik auch akzeptieren und „runterschlucken“. Dessen ungeachtet sei sein „Gemütszustand nicht der Allerbeste.“

Bezeichnet war freilich, wen Adi Hütter in seiner Dankesadresse als einzigen aussparte: Vorstandssprecher Axel Hellmann. Zufall? Eher nicht. Hellmann war es, der am Wochenende recht deutlich Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic ein paar Takte ins Stammbuch geschrieben hatte, wonach nach einer blamablen Niederlage gegen einen Absteiger nicht der Zeitpunkt gekommen sei, das Erreichen einer Europapokalplatzierung als großen Erfolg zu feiern. Diese Maßregelung hat dem Fußballlehrer ganz offensichtlich gar nicht behagt.

Eintracht Frankfurt vergibt historische Chance

Aber diese 3:4-Niederlage war der negative Höhepunkt einer vierwöchigen Talfahrt, in der Eintracht Frankfurt nach Bekanntgabe des überraschenden Wechsels von Hütter zu Borussia Mönchengladbach eine historische Chance vergeben hat. In diesen vier Wochen hat Adi Hütter („Ich bleibe“) eine Menge jenes Kredits verspielt, den er sich in den drei Jahren seines durchaus erfolgreichen Wirkens in Frankfurt erarbeitet hat. Dass diese Entscheidung, anders als Hütter und Bobic wahrhaben wollen, doch einen größeren Einfluss auf die Mannschaft hatte, hat erneut Mittelfeldspieler Sebastian Rode, der wie Djibril Sow im bedeutungslos gewordenen Heimspiel gegen den SC Freiburg verletzt fehlen wird, dem „Kicker“ gesagt: „Am Anfang denkt man wirklich, dass einen das nicht beeinflusst und man das abschüttelt, um auch eine gewisse Stärke nach außen zu zeigen. Wenn die komplette sportliche Leitung wegbricht, ist es menschlich, dass die Spieler ins Grübeln kommen. Was ist eigentlich los? Wir spielen die beste Saison der Eintracht-Geschichte – und alle gehen weg.“

Diese Faktoren spielten unterbewusst eine Rolle. Und am Ende fehlten „vielleicht doch ein paar Prozent“. Man habe versucht zu verdrängen, schaffte es aber nicht, „das komplett außen vor zu lassen“, so Vizekapitän Rode, der zuletzt mächtig an Format gewonnen hat.

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter ist sehr enttäuscht

Hütter sagte nun, er sei „betroffen“ und nach wie vor „sehr, sehr enttäuscht“, das Traumziel verpasst zu haben – „dafür bin ich verantwortlich“. Bei aller Kritik aber verwahrte er sich gegen den Vorwurf, er habe sein eigenes Handeln „nicht reflektiert“: „Das habe ich immer getan. Ich bin, was meine Arbeit in den letzten Wochen betrifft, nicht zufrieden“, sagte der 51-Jährige auf der virtuellen Pressekonferenz: „Es war nicht gut genug, um allen hier nochmal eine Freude zu bereiten. Das ist das, was mich stört.“

Es habe an „uns gelegen, nicht an Borussia Dortmund“, die Champions League verpasst zu haben, betonte Hütter: „Wir haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht.“ Dessen ungeachtet blicke er „auf drei wunderschöne Jahre“ zurück, Jahre in Frankfurt, die ihm in Erinnerung bleiben werden. Außerdem: „Eintracht Frankfurt hat einen besseren Trainer aus mir gemacht.“ Die Eintracht habe ihm überhaupt erst die Chance gegeben, sich in „der deutschen Bundesliga“ durchzusetzen, und das sei „mir trotz allem sehr, sehr gut gelungen“.

Und bei aller tiefen Enttäuschung über den Einbruch sei er dennoch „stolz“ auf das, was er mit der Eintracht in 140 Spielen erreicht habe: die Tabellenplätze 7, 9 und 5, ein Europa-League-Halbfinale mit Chelsea, ein Pokal-Halbfinale, begeisternde Gala-Auftritte im Stadion, attraktive, offensive Spiele, die Entwicklung der „Büffelherde“, und André Silva dazu gebracht zu haben, den Torrekord von Klublegende Bernd Hölzenbein nach vier Jahrzehnten zu brechen. Und trotz vieler personeller Abgänge habe man auch in dieser Saison „eine tolle Mannschaft geformt“, die am Ende dieser Runde nach Möglichkeit 60 Punkte auf dem Konto haben wird. Zudem sei man „super“ durch die Pandemie gekommen.

Irgendwann, da ist sich der Fußballlehrer sicher, werde man auch in Frankfurt den fünften Platz zu schätzen wissen, spätestens im Herbst, wenn die Europa League gespielt wird und wieder Fans in die Arena im Stadtwald pilgern werden. „Emotionen werden vergehen, Fakten werden bleiben“, so Hütter. „Dann werden viele wieder sagen: Schön, dass wir wieder reisen können.“ (Thomas Kilchenstein)

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