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Kein Freund der Spieler - aber auch nicht ihr Feind: Eintracht-Trainer Adi Hütter.
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Kein Freund der Spieler - aber auch nicht ihr Feind: Eintracht-Trainer Adi Hütter.

SGE

Eintracht Frankfurt: Trainer Adi Hütter bleibt seinem Weg treu

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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SGE-Coach Adi Hütter ist in diesem Jahr häufiger als zuvor kritisiert worden, seinem Weg ist der Eintracht-Trainer dennoch treu geblieben, ohne dabei stur zu sein.

Knapp drei Wochen ist es her, Mitte Dezember nach der versemmelten Partie in Wolfsburg und dem achten Sieglos-Spiel am Stück, da ploppte ein Thema auf, das Eintracht Frankfurt in diesem Jahr verfolgt wie eine lästige Fliege: die Mutdebatte. Vom „plötzlich so zaudernd erscheinenden Trainer“, schrieb die FR und fragte sich: „Wo ist Adi Hütters Mut geblieben?“ Auf den heimischen Sofas, vor allem aber in der weiten Welt des Internets, den Foren, den Blogs, den Sozialen Netzwerken tat manch Fan seinen Frust noch wesentlich deutlicher kund. Der Vorwurf des Angsthasenfußballs stand im Raum und er dürfte den Trainer des hessischen Bundesligisten ganz besonders gefuchst haben.

Denn wenn sich Adi Hütter zeit seiner Trainerlaufbahn, die vor 13 Jahren begann, einen Ruf erarbeitet hat, dann doch jenen, das Risiko in einem angemessenen Maß zu suchen, seine Mannen lieber zu forschem Offensivspiel anzustacheln, denn ihnen eine abwartende Haltung zu verordnen – gesehen in Grödig, Salzburg, Bern und Frankfurt. „Lieber immer nach vorne“, „habe Mut zum Risiko“: Beides sind Zitate, die vom Österreicher stammen. Und doch lugte diese Diskussion über Mut(-losigkeit) ständig hervor in diesem Corona-Jahr.

Ein Rückblick: Anfang Januar im Trainingslager in Florida steckte die Eintracht in einer veritablen Krise fest. Fast nichts ging mehr, die verunsicherte Truppe hatte zuvor Gegentor um Gegentor kassiert, Niederlage nach Niederlage einstecken müssen, gar eine in Paderborn. Und Hütter wich in sonnigen Gefilden von seinem couragierten Weg ab, baute dann lieber auf eine Abwehrviererkette und Kompaktheit. Mittel, die verfingen, zumindest vorübergehend, auch wenn sie nicht allen gefielen, wohl am wenigstens Hütter selbst. Auf die erneut schwierige Phase vor der Corona-Zwangspause im Frühjahr folgte nach dem Re-Start mit kurzer Verzögerung die Abkehr vom praktizierten Stil. Wieder glückte der System- und Ausrichtungswechsel, zumindest vorübergehend.

Denn auch in der aktuellen Runde blieben die Schwierigkeiten ähnliche. Trotz des guten Starts fehlte den Hessen in vielen der 13 Ligaspiele das Verwegene, die Unbekümmertheit, auch ein Touch positiver Naivität, die zwar manchmal schaden kann, häufiger aber doch von Erfolg begleitet wird. Hütter ging in dieser Phase in den Verteidigungsmodus über, verwies darauf, regelmäßig mit zwei Spitzen agieren zu lassen. Da hatte er Recht, und auch wieder nicht. Denn manchmal, so der Eindruck, war er ein Trainer auf der Suche, nach einer Identität, nach einer Spielphilosophie, die er mit sich selbst vereinbaren kann, die gleichzeitig aber auch zu den Qualitäten der Mannschaft passt. Ziemlich komplex.

Kein Trainer dieser Welt wird eine Elf nominieren, mit der nicht glaubt, siegen zu können. Das wäre Unsinn. Zumal Adi Hütter, der die Weihnachtspause bei der Familie in Salzburg verbrachte, ohnehin ein Mensch ist, der die Antennen weit ausgefahren hat, der zwar öffentlich nicht zu Verbalausbrüchen neigt, im Gegenteil. Der aber sehr wohl genau wahrnimmt, was um ihn herum geschieht, was geschrieben wird, was seine Spieler in Interviews sagen, wie die Stimmung im Klub und im Umfeld ist.

„Wenn ich öffentlich oder zur Mannschaft rede, dann mache ich das sehr bewusst. Ich will nicht derjenige sein, der zu jedem Thema was zu sagen hat“, erklärte der 50-Jährige, der seinen Vertrag bei den Hessen im Sommer bis 2023 verlängert hatte, unlängst im DFL-Magazin. Ein Trainer präge mit seinem Auftreten das Bild des Vereins und natürlich würden auch die Spieler sein öffentliches Wirken registrieren, so Hütter: „Ich bin ungern der Clown für irgendwen.“ Auch in der Kabine nicht.

Direkt, präzise, deutlich – so lässt sich dem Vernehmen nach das Auftreten des Fußballlehrers in den heiligen vier Wänden beschreiben. Extern ist Hütter kein Haudrauf-Redner, intern kann er das sehr wohl sein. Dabei muss es bei ihm nicht immer laut zugehen, das würde sich irgendwann abnutzen. Seine klare Ansprache aber ist verbrieft. Natürlich autoritär wirkt er ins Team hinein, selbst ist er höchst diszipliniert und fordert das auch von seinen Spielern ein.

Schon bei seiner Vorstellung im Mai 2018 macht der Coach klar: „Ich bin kein Trainer, der ein Freund von den Spielern ist. Ich bin aber weit entfernt davon, ein Feind von ihnen zu sein.“ Bis heute zieht er diese Maxime, die Dosierung zwischen Nähe und Distanz, nahezu ausnahmslos durch. So versteht er den Trainerberuf.

Dazu gehört nicht nur die vermeintlich harte Seite, sondern auch die weichere, jene die Fehler verzeiht. Manchmal zu viele. Almamy Touré war in dieser Saison so ein Beispiel dafür, den Hütter trotz schwacher Leistungen in Schutz nahm, auch öffentlich, und ihn folglich ein-, zweimal zu oft aufbot. Ähnliches gilt für Stefan Ilsanker. Fehleinschätzungen, kritisieren die einen wohl nicht zu Unrecht, doch aus des Trainers Sicht gilt: Lieber einmal zu viel probieren als einmal zu wenig. In diese Denkweise passen auch die oft erst spät getätigten Auswechslungen.

Mittlerweile freilich hat Touré seinen Platz an Erik Drum abtreten müssen, auch Ilsanker musste sich zuletzt beim erlösenden Sieg in Augsburg anstelle des jungen Tuta mit einem Bankplatz begnügen. Es geht nun mal am Ende um Leistung. Klar scheint aber: Hütter wird beiden Profis bald weitere Chancen gewähren.

Der Fußballlehrer, dem deshalb mitunter eine gewisse Sturheit vorgehalten wird, hat in diesem Jahr mehrfach bewiesen, dass er eben auch anders kann. Manchmal musste er dahin ein wenig geschubst werden, klar, im Grunde aber hinterfragt er seine Entscheidungen ständig – und bisher ist es ihm stets gelungen, Fehler rechtzeitig zu korrigieren.

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