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Ungewöhnlicher Anblick: Fredi Bobic (links) nahm gegen Freiburg auf der Bank Platz. Foto: dpa
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Ungewöhnlicher Anblick: Fredi Bobic (links) nahm gegen Freiburg auf der Bank Platz.

SGE-Vorstand Hellmann

Versöhnliche Abschiedsworte für Bobic und Hütter: „Beide haben den Klub besser gemacht“

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt setzt auf Aussöhnung mit der Sportlichen Leitung, bescheinigt Fredi Bobic, Adi Hütter und auch Bruno Hübner herausragende Arbeit und sagt Adieu mit Stil.

Nach fünf höchst intensiven Jahren hat der scheidende Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic doch noch mal für ein Novum gesorgt. Beim letzten Bundesligaspiel dieser Saison gegen den SC Freiburg (3:1) nahm der 49-Jährige nämlich erstmals unten auf der Trainerbank Platz, direkt neben dem ebenfalls aus dem Amt katapultierten Manager Bruno Hübner. Coach Adi Hütter hatte seinen direkten Vorgesetzten darum gebeten. „Wir wollten zeigen, dass wir eine Einheit sind und Einigkeit demonstrieren“, bedeutete der Fußballlehrer.

Man könnte den Ortswechsel von der Tribüne auf die Bank aber auch als größtmögliches Misstrauensvotum gegen die übrigen Frankfurter Funktionäre deuten. Sehr viel größer kann die Distanz nicht sein, sehr viel tiefer der Riss nicht – und sehr viel deutlicher kann man das öffentlich nicht zur Schau stellen. Oben, in der Eintracht-Loge, haben die hohen Herren das bockige Verhalten ihres Sportchefs mit Süffisanz und spöttischem Lächeln quittiert. Die Stimmung, hört man, war danach ausgelassener denn je.

Nach dem Abpfiff dieser höchst erfolgreichen, aber zum Schluss seltsam verwässerten Saison war die Zeit der mehr oder minder subtil ausgeteilten Spitzen und Seitenhiebe vorüber. Die verbliebenen Verantwortlichen gaben sich redlich Mühe, die von Bord gehende Sportliche Leitung um Trainer Hütter, Vorstand Bobic und Manager Hübner mit Lorbeer zu verabschieden. „Es sind versöhnliche Worte gefallen“, sagt Vorstandssprecher Axel Hellmann. „Keiner hat einen Bogen um den anderen gemacht.“ Natürlich werde es ein paar Tage brauchen, um die Dissonanzen der vergangenen Wochen aufzuarbeiten und verblassen zu lassen: „Aber das wird nicht fortwirken.“ Ganz sicher werden die nun abgetretenen Herrschaften pünktlich zum Anpfiff der Europa-League-Saison eine Einladung in die Eintracht-Loge erhalten.

Eintracht Frankfurt: Axel Hellmann lobt Arbeit von Bobic und Hütter

Hellmann verpasste es richtigerweise nicht, die Arbeit von Bobic und Hütter zu würdigen. „Trotz der Irrungen und Wirrungen der letzten Tage gilt festzuhalten, dass beide überperformt haben. Sie haben entscheidenden Anteil daran, dass die Eintracht so dasteht, wie sie dasteht und eine große Perspektive in der Zukunft hat. Beide haben den Klub besser gemacht.“

Die Zusammenarbeit sei „besonders und hervorragend“ gewesen, beide hätten herausragend gewirkt und abgeliefert. Hellmann stellt anerkennend und würdigend fest: „Sie gehen bei uns durchs große Tor und nicht durch die Hintertür.“ Harmonische, gütliche und stilvolle Wort der Aussöhnung.

Der Vorstand macht deutlich, dass niemand im Eintracht-Führungszirkel die gerade mit Platz fünf beendete Saison auch nur im Ansatz „kaputtreden“ möchte. Ganz im Gegenteil. In der Bewertung des Dargebotenen und Erreichten sind sich alle einig: „Eintracht Frankfurt hat eine herausragende Saison gespielt.“ Da gebe es keine zwei Meinungen und keine Zweifel. Der Marketingvorstand zählt ein paar Parameter zur Verdeutlichung auf: „60 Punkte geholt, frühzeitige Qualifikation für die Europa League, ohne Heimniederlage geblieben. Und mit André Silva den zweitbesten Torschützen der Bundesliga, der 28 Tore erzielt hat, so viele wie sie Eintracht Frankfurt noch nie kennengelernt hat.“ Das sind Margen, die für den hessischen Bundesligisten nicht selbstverständlich und daher durchaus außergewöhnlich sind. Zu diesem Resumee, findet Hellmann, müsse man kommen, wenn man „im großen Bild“ bleiben wolle.

Eintracht Frankfurt: Der Karriereplan von Adi Hütter

Gleichwohl gebe es natürlich eine „Gemengelage, eine Hin- und Her-Gerissenheit“, weil die Champions League, der übergroße Wunschtraum, in den zurückliegenden Wochen fahrlässig verspielt wurde. „Mit dieser Gefühlslage müssen wir umgehen“, sagt der Jurist.

Auch für ihn steht fest, dass „die Lebens- und Karriereplanung“ von Adi Hütter und Fredi Bobic „eine Rolle gespielt“ haben, aber den Einbruch nur den beiden abtrünnigen Führungsfiguren anzulasten, empfindet auch er als zu einfach. „Da gibt es immer noch eine innere Struktur und eine Mentalität der Mannschaft.“ Das Abrutschen vollständig zu ergründen und zum Kern durchzudringen, sei ohnehin „nicht möglich“.

Eintracht Frankfurt: Krösche auf der Trainersuche

Seinen Vorstoß nach der peinlichen 3:4-Pleite auf Schalke vor acht Tagen, als er sich öffentlich gegen Hütter und Bobics Schönrednerei-Aussagen stellte, rechtfertigt er als notwendig. „Nach einer solch blamablen Niederlage kann man nicht zur Tagesordnung übergehen, deshalb bedurfte es der Einordnung der Gefühlslage nach dem Spiel.“ Daran, den Trainer und/oder den Sportvorstand vorzeitig freizustellen, hätten die zuständigen Gremien nicht gedacht: „Das ist nicht unser Stil. Die Entscheidungen, an ihnen festzuhalten, waren richtig und hätten nicht anders getroffen werden können.“

Und wie geht es nun weiter? Zuvorderst wird der neue Sportvorstand Markus Krösche die Trainersuche abschließen. Lange wird es nicht mehr dauern, Finanzchef Oliver Frankenbach glaubt an eine „zeitnahe“ Verkündung und konkretisiert: „Ich gehe von sieben bis zehn Tagen aus.“ Die Eintracht biegt langsam in die Finalisierungsphase ein, fährt aber noch immer mehrgleisig, was an bestimmten Vertragselementen liegen könnte. Mit Ausstiegsklauseln etwa hat der Verein ja eher suboptimale Erfahrungen gemacht – ansonsten hätte Hellmann wahrscheinlich nicht „nur“ von einer herausragenden, sondern von einer historischen Saison fabulieren können. (Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein)

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