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Evan Ndicka: Musterschüler vor dem Absprung

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Von: Ingo Durstewitz

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Spielt trotz Frankfurter Defensivproblemen eine prima Saison: Evan Ndicka.
Spielt trotz Frankfurter Defensivproblemen eine prima Saison: Evan Ndicka. © IMAGO/Schüler

Der umworbene Eintracht-Verteidiger Evan Ndicka spielt trotz Problemen in der Defensive eine starke Saison – und bald woanders

Frankfurt - Der Kicker urteilte dann doch recht schonungslos. Für Eintracht-Abwehrmann Evan Ndicka gab es in der beliebten Rangliste des Fachmagazins dieses Mal nichts zu holen, nach zwei Platzierungen in der „Nationalen Klasse“ flog er jetzt raus aus dem Ranking, das Bayern-Star Dayot Upamecano vor dem Freiburger Matthias Ginter anführt. Die Begründung: „Die Frankfurter spielten nicht wegen, sondern trotz ihrer Defensive so erfolgreich. Die Abwehrkette ist die Problemzone. Auch Evan Ndicka ließ die gewohnte Sicherheit vermissen.“ Kann man so bewerten, muss man nicht. Die FR etwa kommt zu einem anderen Schluss und führt den Franzosen in der Kategorie „Musterschüler“. Ja, was denn nun?

Eintracht Frankfurt zeigt Spektakel

Klar: Die Eintracht besticht in dieser Saison durch ihr kraftvolles, zeitweise schon zauberhaftes Offensivspiel, da hat sie so manches Spektakel abgerissen, gegen Leipzig (4:0), Leverkusen (5:1) oder Hoffenheim (4:2) etwa. Nach vorne geht die Post ab, was auch die 32 geschossenen Tore belegen, nur die Bayern kommen auf (deutlich) mehr eigene Treffer, nämlich 49.

Das hat fast schon zwangsläufig zur Folge, dass die Frankfurter hinten anfälliger sind. 24 Gegentore hat kein anderer Topklub schlucken müssen, nur zweimal schaffte es Schlussmann Kevin Trapp seinen Kasten sauberzuhalten. Was aber ganz sicher nicht an den herausragenden Leistungen des Nationaltorwarts liegt, der im Übrigen in der „Kicker“-Rangliste der Torwächter auf Rang drei, „Internationale Klasse“ geführt wird. Und es liegt genauso wenig an Evan Ndicka, der auch in dieser Saison zeigt, welch großes Potenzial in ihm schlummert. Es ist die Defensivarbeit im Kollektiv, die es für die Hessen zu verbessern gilt, wenn sie am Ende den Champions-League-Rang verteidigen wollen. Das steht auf der Agenda Oliver Glasners ganz oben. „Das größte Verbesserungspotenzial haben wir in unserem Defensivverhalten“, sagt der Trainer. Korrekt.

Evan Ndicka ist in der Abwehrkette noch das stärkste Glied, der 23-Jährige hat sich über die Jahre hinweg zu einem Topspieler entwickelt, unverzichtbar gemacht. Das ist gefühlt so, belegen aber auch die nackten Zahlen: Der frühere Juniorennationalspieler stand in allen 15 Bundesligapartien und allen sechs Königsklassen-Begegnungen in der Startelf, nur einmal, beim 3:1-Erfolg in Stuttgart, wurde er sieben Minuten vor dem Ende vom Feld genommen, ansonsten hat er durchgezogen, die meisten Minuten von allen Feldspielern auf dem Buckel. Kein Zufall.

Eintracht Frankfurt: Ndicka mit einem Marktwert von 32 Millionen

Ndicka, 2018 aus Auxerre gekommen, bringt alles mit, um bei einem absoluten Topklub seinen Mann zu stehen, er ist zweikampfstark, technisch gut, schnell auf den Beinen, elegant und beinahe schon über den Dingen stehend sowieso. Defizite hat er indes in der Spieleröffnung, und auch um seine Torgefahr könnte es besser bestellt sein: kein Treffer in dieser Saison bislang.

Für die Eintracht war die Verpflichtung des Linksfußes ein Glücksgriff, selbst wenn sie tief in die Tasche greifen musste, um den damals 18-Jährigen auszulösen, fünf Millionen Euro waren ihr die Dienste des Verteidigers wert. Eine Summe, die sich längst amortisiert hat, Ndicka hat geliefert, seine formidablen Leistungen als Gegenwert eingesetzt. Und doch werden die Verantwortlichen seinen Werdegang ein wenig betrübt verfolgen, denn sie haben den Zeitpunkt verpasst, mit dem gebürtigen Pariser zu verlängern oder ihn für viel Geld zu verkaufen. Sportvorstand Markus Krösche trifft da die wenigste Schuld, er ist erst seit 2021 auf der Kommandobrücke. So wird es im Sommer so kommen, wie es auch bei Daichi Kamada mit einiger Sicherheit kommen wird: Ndicka, Marktwert 32 Millionen Euro, wird den Klub ablösefrei verlassen, dem Vernehmen nach ist die Sportführung darüber bereits informiert.

Für die Eintracht ist das alles andere als optimal, für den Spieler umso besser. Denn um einen Mann dieses Kalibers ablösefrei zu bekommen, muss der aufnehmende Verein eine happige Antrittsgage berappen. Da geht es schon mal um rund zehn Millionen Euro. Ndicka kann sich den Klub quasi aussuchen, gehandelt wurden schon alle möglichen Großkaliber: Paris St. Germain, Juventus Turin, AC Mailand, FC Chelsea, Tottenham Hotspur, FC Arsenal, Newcastle United, FC Sevilla. Ndicka hat die Qual der Wahl, er hat sich diese Position verdient – durch prächtige Leistungen, so alles in allem. (Ingo Durstewitz)

Unterdessen erhält der Kolumbianer Rafael Borré einen Blauen Brief: Der einstige Held von Sevilla kommt an Fast-Weltmeister Randal Kolo Muani einfach nicht vorbei und ist tief frustriert.

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