+
Knipst wie er will: Luka Jovic hat bisher zwölf Liga-Tore erzielt.

Luka Jovic

Der absolute Torjäger

  • schließen

Luka Jovic ist längst mehr als ein Juwel - für Trainer Adi Hütter hat er das Potenzial eines Weltklassestürmers.

Nach seinem schnörkellosen Ausgleichstreffer in Mainz gab es für Luka Jovic kein Halten mehr. Der 20-Jährige steuerte wie ein Irrwisch und in einem Affenzahn auf die Eintracht-Fankurve zu, er klopfte sich inbrünstig auf seine linke Brusthälfte, dort, wo der Eintracht-Adler prangt, er hob das Jersey an und führte es an seinen Mund, küsste das Wappentier, ekstatisch und berauscht vor Glück. 

Ähnlich exaltierte Trikotknutscherei ist nur noch von einem gewissen Zvezdan Pejovic in Erinnerung geblieben, dieser Fußball-Axt, diesem Schrat mit Vokuhila, der damals, 1996, nach einem Auswärtssieg in Mannheim in der Fankurve nach ganz oben auf den Zaun kletterte und den Adler auf seinem Hemd ungefähr 96-mal abküsste, die Faust reckte er in den Himmel, und die Kurve lag ihm zu Füßen. Lange her. 

Pejovic, dieser furchtlose Klopper, ist seinerzeit schnell als ziemlicher Luftikus enttarnt worden, nach einem Jahr und 14 Spielen war Schluss in Frankfurt, anschließend verliefen sich seine Spuren. Luka Jovic ist natürlich aus anderem Schrot und Korn, der Serbe ist ein Versprechen für die Zukunft, schon kein Rohdiamant mehr, sondern ein Juwel, das vielleicht nur noch ein ganz kleines bisschen geschliffen werden muss. 

Der erst 20-Jährige, den die Eintracht in Lissabon aus der Versenkung geholt hat, hat bereits zwölf Treffer in der Bundesliga geschossen (und vier vorbereitet), damit liegt er gemeinsam mit dem Dortmunder Paco Alcacer an der Spitze. Er hat als bislang einziger Eintracht-Spieler in einem Spiel fünf Tore erzielt, beim 7:1 gegen Fortuna Düsseldorf, und wenn ihm Trainer Adi Hütter nicht den Beifall des ganzen Stadions gegönnt hätte, hätte er womöglich Dieter Müllers Rekord (sechs Tore) eingestellt. Auch international hat Jovic bereits fünfmal getroffen, er liegt bei den Torjägern Europas ganz weit vorne, in bester Gesellschaft von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. 

Jovic hat schon jetzt einen Marktwert von 40 Millionen Euro, er ist heiß begehrt, die halbe oder gar die ganze Fußballwelt scheint hinter ihm her zu sein, der FC Bayern, der FC Liverpool und auch der FC Barcelona, auch Klubs aus Italien, die ja mittlerweile wieder durch ausländische Investoren ganz schön reinbuttern. Ob er über den Sommer hinaus in Frankfurt bleiben wird?

Sicher ist das nicht, was bei dieser persönlichen Konstellation (treffsicher, jung, stark, schnell, nicht verletzungsanfällig) nicht verwunderlich ist. Jovic gilt als die vielleicht heißeste Nummer in Europa. Immerhin würde es bei der Eintracht dann richtig in der Kasse klingeln, für weniger als 50 Millionen Euro würde er wohl kaum wechseln dürfen. So scharf ist er darauf sowieso nicht, wenn, ja wenn die Eintracht wieder international spielen sollte, am besten königlich. 

So oder so: Jovic ist ein Ausnahmestürmer, er hat diese Gabe, diesen Instinkt, oft da zu stehen, wo der Ball auch hinkommt und ihn dann meistens auch noch dahin zu schießen, wo er hin muss, in des Gegners Kasten nämlich. Es gibt nicht viele Angreifer, die dieses Gen in sich tragen, Ex-Trainer Niko Kovac hatte schon gesagt, er kenne keinen Spieler auf der Welt, der im Strafraum so gefährlich und abschlussstark ist wie Jovic, vielleicht damals Davor Suker, das alte Schlitzohr aus Kroatien, vielleicht aber auch nicht.

Nur hat Kovac, ohnehin eher defensiv denkend, seinen Knipser meist als Joker gesehen; im Finale von Berlin etwa, in das Jovic die Eintracht mit seinem Hackentor auf Schalke überhaupt erst geschossen hat, hat er nicht gespielt. Unter Adi Hütter kommt er regelmäßig zum Einsatz, er weiß, was er an Jovic hat. „Er ist ein sehr, sehr guter Stürmer, ein absoluter Torjäger mit vielen Fähigkeiten“, sagte er jetzt nach dem 2:2 in Mainz, beide Treffer natürlich von Jovic. Und vielleicht geht noch ein bisschen mehr. „Für mich“, sagt Hütter, „hat er das Potenzial zum Weltklassestürmer.“ 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare