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Der linke Verteidiger Simon Falette lieferte gegen Dortmund ordentliche Defensivarbeit.

Simon Falette

Vom Abseits ins Licht

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    Daniel Schmitt
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Simon Falette schiebt erst Frust, macht seine Sache dann aber ordentlich.

Es ist gewiss nicht so, dass der französische Eisenbieger Simon Falette seine Situation nicht richtig einschätzen kann. Der Mann ist zwar eine ausgesprochene Frohnatur, im Mannschaftskreise einer der beliebtesten Kollegen überhaupt, er hat schnell die deutsche Sprache gelernt, glänzt in der Kabine mit viel Wortwitz, nimmt sich auch selbst auf die Schippe, treibt viel Schabernack. Der 26-Jährige, schon dreifacher Familienvater, hat aber auch eine hohe Sozialkompetenz, und seine ernsten Seiten.

Nach der absehbaren Niederlage in Dortmund, die er als linker Verteidiger hautnah erlebte, befand er nüchtern: Er wisse, dass er ins Team gerutscht sei, weil andere Spieler gesperrt oder verletzt waren, er hoffe trotzdem, dass sich seine harte Arbeit auszahle und es so in etwa mit ihm bei Eintracht Frankfurt weitergehe. Denn die vergangenen Wochen, keine Frage, die nagten an dem Mann aus Le Mans, aussortiert worden zu sein und abseits der Mannschaft trainieren zu müssen, nein, das ist nicht das, was man sich als Sportler gemeinhin vorstellt. „Das war schwierig“, räumt er unumwunden ein. „Es ist das erste Mal, dass so etwas in meiner Karriere vorkam.“ Der Frust war groß.

Deji Beyreuther traute man so ein Spiel nicht zu

In Dortmund kam der Rustikale in der Tat deshalb zu seinem ersten Saisoneinsatz, weil Jetro Willems gesperrt, Taleb Tawatha auf absehbare Zeit (Rückenverletzung) und Timothy Chandler (Knorpelschaden im Knie) auf weniger absehbare Zeit fehlten. Und da entschied sich Trainer Adi Hütter für den erfahreneren, „ausgebufften“ Falette und nicht für den 19 Jahre jungen Deji Beyreuther.

Der Fußballlehrer begründete das so: „Mit 19 Jahren, vor 80 000 Zuschauern ...“, dann ließ er seine Worte verklingen. Soll heißen: Da wäre das Risiko für einen Bundesliganovizen zu groß gewesen, zu groß für Beyreuther selbst, zu groß auch für die Mannschaft. Das ist eine Erklärung, die man absolut nachvollziehen kann. Andererseits ist es auch eine Frage der Qualität und des Vertrauens in die Fähigkeiten. Wäre Hütter von seiner Nachwuchskraft restlos überzeugt und würde sie für tauglich und auch stressresistent genug halten (wie den gleichaltrigen Evan Ndicka etwa), in Dortmund zu bestehen, hätte er Beyreuther für die erste Elf nominiert. Da er das nicht zu sein scheint, ist seine Entscheidung nachvollziehbar und korrekt.

„Bissl besser verteidigen“

Und sie war auch nicht verkehrt. Falette machte seine Sache unter den gegebenen Umständen sehr gut, und die Umstände waren nicht einfach: Denn der Abwehrmann war schon gegen Ende der vergangenen Saison unter Niko Kovac in Ungnade gefallen, nach seiner schwachen Leistung im Auswärtsspiel bei den Bayern Ende April schaffte er es nicht mehr in den Kader. Und Kovac-Nachfolger Hütter bugsierte ihn vor einem Monat in die zweite Trainingsgruppe.

Das heißt viereinhalb Monate kein Pflichtspiel, mehr als zwei Wochen kein Training mit der Mannschaft, zudem musste Falette aufgrund einer leichten Blessur noch ein paar Tage kürzertreten. So gesehen machte er seine Sache beim BVB ordentlich, sicher nicht „sehr gut“, wie Hütter glauben machen wollte. Aber das weiß der Trainer selbst, doch sportlich Verantwortliche stehen ja auch so ein bisschen in der Pflicht, ihre Spieler zu schützen. 

Eher ein Mann fürs Grobe

Falette biss sich in die Partie, ließ lange Zeit auf der linken Abwehrseite nichts anbrennen, Offensivaktionen waren Mangelware, aber das weiß man, der harte Defensivakteur ist eher ein Mann fürs Grobe und für lange Schläge von hinten heraus, nicht einer für Flankenläufe. „Man kann und muss mit seiner Leistung zufrieden sein“, befand Hütter. „Das ist ja nicht seine Idealposition.“ Insofern müsse man ihm gar „ein Kompliment“ machen.

Natürlich war auch dem Coach aufgefallen, dass Falette beim vorentscheidenden 1:2 durch den Ex-Eintrachtler Marius Wolf nicht gut aussah, da konnte er das Tempo des schnellen Jadon Sancho nicht mitgehen, wofür er erst einmal nichts kann, aber er hätte den Dortmunder vor der Flanke zumindest energischer stören müssen – mal ganz abgesehen davon, dass sich Abwehrchef David Abraham mit einer sinnfreien Grätsche ins Nichts böse übertölpeln ließ. „Das hätte Simon ein bissl besser verteidigen können“, kritisierte der Österreicher Hütter sanft, ohne dem Franzosen die Schuld in die Schuhe zu schieben.

Falette wird nun, sehr wahrscheinlich, erst einmal aus der Mannschaft rotieren, zumindest im kommenden Pflichtspiel in der Europa League bei Olympique Marseille. Dann ist Rotsünder Willems spielberechtigt, vielleicht schafft es Falette in seinem Heimatland ja zumindest auf die Bank. Sicher ist das nicht.

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