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Musterschüler mit Sixpack: Filip Kostic (links) lässt die Muskeln spielen, Trainer Adi Hütter ist beeindruckt	afp
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Musterschüler mit Sixpack: Filip Kostic (links) lässt die Muskeln spielen, Trainer Adi Hütter ist beeindruckt.

Kostic und Silva top, Sow und Gacinovic flop

Eintracht Frankfurt - Das Abschlusszeugnis für die SGE: Note 3+

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Vom Musterschüler über den Hinterbänkler bis hin zum Sitzenbleiber: Die Fußballprofis von Eintracht Frankfurt in der Einzelkritik.

Eintracht Frankfurt beendet die Bundesligasaison 2019/2020 auf dem neunten Tabellenplatz. Auch wenn es diesmal für eine Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe nicht gelangt hat, ist man bei der SGE alles in allem mit dem Ergebnis zufrieden. Wir bewerten die Spieler der Eintracht nach der Saison. 

Eintracht Frankfurt: Die Musterschüler

Filip Kostic (50 Pflichtspiele/12 Tore/ 19 Vorlagen): Bester und mit 32 Millionen werthaltigster Mann des gesamten Frankfurter Ensembles, nicht mal ansatzweise zu ersetzen. Orkan über links, kaum zu stoppen. Dabei spielt er in dieser Saison weniger spektakulär als das Jahr zuvor, dafür effektiver. Lieferte 13 Vorlagen in der Liga, schlug unzählige Flanken, mehr als alle anderen Bundesligaspieler, lässt andere besser aussehen. Er allein entscheidet Spiele, macht den Unterschied. Sollte dringend gehalten werden. Wird nicht einfach.

André Silva (37/16/5): Es gibt zwei André Silvas: Den Silva der Hinrunde, und den Silva der Rückrunde. Zur Winterpause erhielt er von der FR den „Blauen Brief“, Versetzung stark gefährdet. Danach drehte der Portugiese richtig auf, erzielte acht Tore nach dem Re-Start, ist fit, flink, fidel, oft allein auf sich gestellt. Enorm wichtig, hält die Bälle, ist torgefährlich. Da blitzte auf, warum Cristiano Ronaldo ihn vor Jahren als seinen Nachfolger gesehen hat. Chapeau.

Daichi Kamada (47/10/9): Lieblingsspieler des Trainers. Explodierte förmlich in dieser Runde, Kreativkopf, einer, der wenigen im Team mit Ideen und Esprit, feiner Techniker. Das Glanzlicht: Sein Solo durch halb Berlin, was zum 2:1 führte. Einziges Manko: Zitterfuß vor dem Tor, müsste bei seiner Klasse viel mehr Tore schießen. Kann er sich für die neue Runde vornehmen. Vertrag sollte schnell verlängert werden.

Martin Hinteregger (48/9/3): Hinter Sergio Ramos von Real Madrid der zweittorgefährlichste Verteidiger Europas, machte acht Treffer in der Liga, Daumen hoch. Räumt hinten rustikal ab, pflegt einen harten, weiten und langgezogenen Spielaufbau. Sorgte für die spektakulärste Rettungsaktion der Rückrunde im Spiel gegen Gladbach. An Hinti, den Mann mit dem Pilotenschein und dem Faible für die Ziehharmonika, kommt kaum einer vorbei, defensiv eine Bank. Könnte für viel Geld verkauft werden, wird er aber nicht. Heimste überschwängliches Lob seines Trainers ein, und das sagte der Österreicher Hütter nicht, weil Hinteregger sein Landsmann ist. „Hätte ich auch gesagt, wenn er Slowake wäre.“

Eintracht Frankfurt: Die zweite Reihe

Makoto Hasebe (38/0/0): Methusalem, aber weiterhin unverzichtbar. Beeindruckend sein antizipatorisches Denken, erstaunlich seine Fitness im hohen Fußballeralter. Er weiß halt, wie das Spiel funktioniert, nach wie vor strategischer Kopf, Lenker des Teams, Aufbauspieler. Nicht ganz so stark wie in der Vorsaison, aber, hey, selbst ein Hase altert ein kleines bisschen. Unterzieht sich in Japan einem Routineeingriff am Knie. Soll zum Trainingsstart wieder okay sein. Wäre wichtig.

Sebastian Rode (42/3/4): Schwingt sich mehr und mehr zum Chef im Mittelfeld auf, selbst wenn seine Leistungen zuweilen schwanken. Gibt immer alles, hat erstaunliche 42 Pflichtspiele in den Knochen, die, man weiß es, nicht mehr die frischesten sind. Immer solide, immer 100 Prozent, bei ihm weiß man, was man hat. Auch außerhalb des Rasens gereift. Könnte nach dem Kapitänsamt greifen, wenn der Kapitän, siehe unten, mal geht.

David Abraham (36/3/2): Freiburg, der Check gegen Trainer Streich – das wird ewig am Kapitän kleben bleiben. Als er wieder spielen durfte, tat er das meist bärenstark, hielt die Abwehr zusammen. Seine Schnelligkeit ist sein Pfund. Stellt sein Heimweh nach Argentinien (und Sohn Alfonso) zurück, wird wohl erst im Winter gehen, gut für die Eintracht. Sogar erstaunlich torgefährlich in dieses Saison. Ist man gar nicht gewohnt.

Kevin Trapp (33/0/0): Verlässliche Größe unter der Latte, bombensicher mit dem Ball am Fuß. Hält, was zu halten ist, das ist viel, aber man wünschte sich, er hielte halt auch mal den einen oder anderen Unhaltbaren mehr, so als Nationaltorwart. Ist aber auch nicht leicht. Kehrte nach seiner schweren Schulterverletzung ohne Formverlust in die Kiste zurück. Muss man erst mal schaffen.

Evan Ndicka (33/2/2): Hat einen großen Sprung nach vorne gemacht, spielte eine gute Rückrunde. War wieder mutiger, traute sich was, spielte nicht mehr nur quer. Und verteidigte klasse in der Dreierkette, gegen Berlin gelang ihm ein sehenswertes Tor, Ausdruck gewachsenen Selbstvertrauens. Nach Kostic wertvollster Spieler, 22,5 Millionen Euro. Und Interviews gibt er mittlerweile in Deutsch.

Frederik Rönnow (15/0/0): Sicher einer der besten Vertreter der Liga. Genau das ist das Problem. Dieser Status reicht dem klugen und belesenen Torwart nicht, was nur allzu verständlich ist. Bemüht sich darum, den Verein zu verlassen. Die Eintracht würde ihm keine Steine in den Weg legen, weil sie dem sympathischen und authentischen Dänen nicht die Karriere verbauen will. Sein Weggang wäre ein Riesenverlust, sportlich und menschlich. Beklagte sich in der „FAZ“, dass es keinen fairen Wettbewerb gebe und Kevin Trapp als Gesicht und Führungsspieler bevorzugt werde: „Der Verein und der Trainer möchten, dass Kevin die klare Nummer eins ist. Es geht um mehr als um das rein Sportliche.“ Starker Tobak. Mit einem Spiel für die Ewigkeit, in der Vorrunde besiegte er Leverkusen quasi alleine – in der Nacht davor war sein Sohn geboren. Wird er niemals vergessen.

Timothy Chandler (32/5/0): Auf einmal avancierte der Spaßvogel zum Torjäger, traf zu Beginn der Rückrunde fast am Fließband, oft genug per Kopf, insgesamt fünfmal. Konnte seine Form nicht halten, seine Knipserqualitäten auch nicht. Verlässlicher Spieler, wichtig für die Kabine. Immer gut drauf, aber auch sehr professionell. Von allen anerkannt. Solche Typen braucht ein Team.

Eintracht Frankfurt Die Hinterbänkler

Danny da Costa (36/4/10): Keine wirklich gute Saison, was nicht nur an ihm lag, sondern auch daran, dass er gerade in der Rückserie wenige Chancen erhielt. Das konnte nicht jeder verstehen. Gegen Ende der Spielzeit wieder der Danny da Costa der Vorsaison, da marschierte er auf rechts, flankte, bereitete Tore vor, war stets präsent. Kluger Kopf, witziger Typ, der über den Tellerrand hinausblickt. Kein aalglatter Fußballprofi. Wohltuend. Mit einem schönen Tor im Halbfinale gegen die Bayern. Wird einen neuen Anlauf nehmen – falls er nicht den Verein wechselt.

Bas Dost (31/10/2): Eine Saison wie eine Achterbahnfahrt, mal auf, mal ab. Auf der Suche nach Konstanz und Fitness. Zu oft unpässlich, nie vollends auf der Höhe. Hat einen Torriecher, steht oft richtig, auch im Kombinationsspiel nicht so schlecht. Muss schauen, dass er topfit wird und verletzungsfrei bleibt. Jünger wird er nicht, auch schon 31.

Dominik Kohr (39/1/5): Drehte erst am Ende der Saison so richtig auf, da zeigte er, dass er vielleicht doch die zehn Millionen Euro wert ist, die die Eintracht an Leverkusen überwiesen hat, was zweifelsfrei eine Menge Holz ist. Fußballerisch gar nicht so schlecht wie es der Spitzname Hard-Kohr vermuten lassen könnte, hat er zuletzt bewiesen. Coach Hütter hält ihn, gerade spielerisch, für unterschätzt. Hat an sich arbeiten müssen, musste erst mal verstehen, was der Trainer von ihm verlangt, zum Beispiel unerbittlichere, konsequentere Defensivarbeit. Hat er verinnerlicht. Kann noch was werden mit dem Abräumer.

Almamy Touré (29/1/4): Schwer zu greifende Spielzeit für den Franzosen, ergatterte zu Beginn der Rückrunde einem Stammplatz, konnte seine Leistung aber nie konstant bringen. Häufiger mal mit Wacklern, viele Gegentreffer fielen über seine Seite. Hütter ließ ihn dennoch nicht fallen, gab ihm viele Chancen – zu viele? Am Ende verlor er wieder seinen Platz, spielte in den letzten vier Partien keine Minute, die Eintracht aber holte zehn von zwölf Punkten. Lag sicher nicht an seiner Absenz, aber spricht auch nicht für ihn. Selbständiger, reflektierter Typ. Traumtor gegen Leipzig.

Goncalo Paciencia (42/10/6): Zu Beginn gesetzt und treffsicher, netzte siebenmal ein, alle Tore vor der Winterpause, machte seine letzte Bude kurz vor Weihnachten. Im neuen Jahr lief es denkbar schlecht, verlor seinen Stammplatz, ärgerte sich sogar einmal, als ihm Filip Kostic gegen Leipzig ein Tor „klaute“. Das kam nicht gut an. Zuletzt lange verletzt, mit ein paar Minuten gegen Paderborn. Wird nun durchpusten und neu angreifen, muss sich aber erst einmal hinten anstellen.

Gelson Fernandes: (22/0/0): Zum Abschied verdrückte er die eine oder andere Träne, obwohl er nicht mehr mitspielen durfte am letzten Spieltag gegen Paderborn. So ging eine bewegte Karriere auf der Ersatzbank zu Ende, nach 520 Partien, 67 Länderspielen, EM- und WM-Teilnahmen. Der Globetrotter aus der Schweiz, der in sechs Ländern spielte und acht Sprachen spricht, hat ganz sicher das Beste aus seinen Fähigkeiten und seiner Karriere gemacht. In Frankfurt avancierte er zur Führungskraft, warf sich in jeden Zweikampf, zerstörte mehr als er spielte, opferte sich fürs Team auf, nahm sich nie zu wichtig, in der Kabine hatte sein Wort Gewicht. Wird in die Schweiz zurückkehren und sich im Sportmanagement probieren. Wird der Eintracht als Persönlichkeit fehlen.

Stefan Ilsanker (17/2/1): Kantiger Typ, keine Frage. Konnte in einem halben Jahr viele erinnerungswürdige Augenblicke beisteuern. Im ersten Spiel in Düsseldorf kam er rein, ohne einmal trainiert zu haben, rangelte dann merkwürdigerweise wie ein Rugbyspieler um den Ball. Gegen Bremen wurde er ungefähr 21-mal an der Augenbraue getackert, in Bremen machte er mit dem ersten Ballkontakt gleich ein Tor, später noch ein zweites, und rief anschließend das Ketchupflaschen-Prinzip aus. Junge, Junge. Fußballerisch sehr hölzern, fehlerbehaftet, verursachte so manches Gegentor. Muss sich steigern, aber alles in allem ein Spieler mit guter Einstellung und Willen.

Eintracht Frankfurt: Die Sitzenbleiber

Djibril Sow (40/1/5): Er läuft und macht und tut, aber so richtig hat der Schweizer in Frankfurt nicht gezündet. Brauchte eine lange Anlaufzeit, um halbwegs Fuß zu fassen, spielte noch, als er längst eine Pause benötigt hätte. Ist bestenfalls Mitläufer ohne große Impulse. Seine Vorarbeit jüngst in Köln war ein kleiner Lichtblick, aber viel zu wenig angesichts großer Vorschusslorbeeren. Eigentlich eine Enttäuschung, auch wegen der zehn Millionen Euro Ablöse. Vielleicht brauchte er das eine Jahr zur Akklimatisierung.

Mijat Gacinovic (36/1/2): Sympathischster Spieler, ihm kann keiner böse sein. Dabei bringt er alle zur Weißglut, wenn er Pässe schlägt, gut gemeint zwar, die aber nie, nie, nie im Leben ankommen können. Und seine Harmlosigkeit vor dem Tor ist fast schon grotesk, ein Tor (gegen Vaduz) und zwei Vorlagen in 36 Pflichtspielen sind ein Armutszeugnis für einen offensiven Mittelfeldspieler. Stagniert in seiner Entwicklung, sollte über einen Vereinswechsel nachdenken.

Erik Durm (15/0/0): Ist deutlich, sehr deutlich hinter den Erwartungen geblieben, unglückliche Saison. In der Liga nur einmal 90 Minuten am Ball, pendelte zwischen Ersatzbank und Tribüne. Konnte sich auf den Flügeln nicht durchsetzen, weder links noch rechts. Zu zaghaft, zu scheu, zu viele Sicherheitspässe. Muss sich enorm steigern oder sich umorientieren.

Felix Wiedwald (6/0/0): Dritter Torwart, mehr wird es auch nicht. Seine Bilanz ist sehr bedenklich, drei Bundesligaspiele, drei Niederlagen, acht Gegentore. Zweimal verlor seine Mannschaft wegen ihm, mit eklatanter Schwäche bei Weitschüssen. Soll den Verein verlassen.

Eintracht Frankfurt: Zu viele Fehlstunden

Jonathan de Guzman (10/1/1): Eigentlich ein richtig guter Fußballer, einer mit Auge und Technik, doch das Tempo kann er, inzwischen 32, nicht mehr gehen. Häufig verletzt, immer wieder warfen ihn kleine Wehwehchen zurück. Tritt gute Standards, seine Ecken sind brandgefährlich, guter Analytiker, hat was zu sagen in der Kabine. Zieht nach drei Jahren weiter. Hat zwar keine tiefen, aber ein paar Spuren hinterlassen.

Lucas Torro (12/1/0): Eher Pechvogel als Glückspilz. Häufig verletzt, dann immer gleich schwer, Schambeinentzündung, Innenbandriss, nicht für die Gruppenphase der Europa League gemeldet. Der kopfballstarke Spanier kam in diesem Jahr nie in Fahrt, und wenn er denn mal spielte, spielte er eher zurückhaltend.

Eintracht Frankfurt: Der Schulabbrecher

Jan Zimmermann (0/0/0): Vom vierten Torwart zum Vorgesetzten der Ballfänger geworden – der Aufstieg des sehr empathischen Zimbo ging rasant, viel schneller, als auch er selbst gedacht hat. Im Winter folgte er Torwarttrainer Moppes Petz nach, jetzt trimmt er die Schlussleute. Das wollte er immer, wichtig weiterhin fürs Binnenklima. Seit kurzem Vater, so was prägt.

Eintracht Frankfurt: Es fehlte entschuldigt

Marco Russ (1/0/0): Mitte August 2019 riss die Achillessehne im rechten Fuß. Davon erholte er sich nicht mehr, ackerte ein ganzes Jahr für sein Comeback am letzten Spieltag, doch Trainer Hütter wechselte ihn nicht ein. Schade eigentlich. Hat schon ganz andere Dinge gemeistert, lebensbedrohliche. Frankfurter Urgestein, seit der C-Jugend dabei, 22 Jahre Eintracht Frankfurt, meinungsstark, unbequem, trägt sein Herz auf der Zunge, guter Kerl. „Ein sonniger Typ mit klarer Meinung“, umschrieb ihn Hütter. Das passt. Geht erhobenen Hauptes durch die Vordertür. Bleibt dem Klub erhalten, wird analysieren.

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