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Seite an Seite - auf diesem Foto aus dem Herbst 2014: Axel Hellmann und Heribert Bruchhagen.

Eintracht Frankfurt

Der abgesagte Machtkampf

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Die Vorstände von Eintracht Frankfurt üben den Schulterschluss: Bei einem Krisengipfel sollen die strittigen Punkte zwischen den Vorstandsmitgliedern aufgearbeitet worden sein.

Vor ein paar Tagen hat Bernd Hölzenbein, die Eintracht-Ikone, im Interview mit dem Hessischen Rundfunk zum Verhältnis zwischen den beiden Alphatieren im Vorstand der Eintracht Stellung bezogen. Der Weltmeister von einst hat das etwas hölzern getan, um die richtigen Worte gerungen. Von Disharmonie könne man vielleicht nicht sprechen, sagte der Chefscout der Eintracht also, „das ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber es gibt schon ganz schön Stress bei uns.“

Es war gerade nach dem Abgang von Thomas Schaaf viel von Unstimmigkeiten die Rede, von einem Gezerre hinter den Kulissen, ja von offenem Streit zwischen Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Finanzvorstand Axel Hellmann. Das ist sogar richtig, es hat hinter den Kulissen rund um die Trennung von Schaaf in der Tat ordentlich gekracht, auf einer Sitzung an Pfingstmontag sollen gar die Fetzen geflogen sein. Auch Wilhelm Bender, der bald aus dem Amt scheidende Aufsichtsratschef, mischte da munter mit.

„Keine internen Infos“

Nun, drei Tage nach der Demission des umstrittenen Trainers, stellte HR-Online einen Bericht auf die Homepage, der die Überschrift trug: „Machtkampf um die Eintracht.“ Dort war die Rede davon, dass einige Funktionäre an der Ablösung von Trainer Thomas Schaaf gearbeitet hätten: „Allen voran Teile des Aufsichtsrats mit Finanzvorstand Axel Hellmann an der Spitze brachten Schaaf letztlich zu Fall.“

Es ging in dem Artikel weiterhin um eine angebliche Kontaktaufnahme mit dem Trainerkandidaten Sascha Lewandowski hinter dem Rücken von Bruchhagen und Schaaf (zu einem geplanten Treffen mit Hellmann sei es aber nicht gekommen). Es ging um eine SMS, mit der Axel Hellmann aus einer Aufsichtsratssitzung heraus Journalisten informiert haben soll. Und es ging um Heribert Bruchhagen, der seinen Rücktritt angeboten habe, aber von Wilhelm Bender umgestimmt werden konnte.

Die Eintracht reagierte umgehend mit einer Presseerklärung, die sie ganz pfiffig überschrieb: „Kein Machtkampf bei Eintracht Frankfurt.“ Wäre das ja geklärt. Oder doch nicht?

Es war sehr wohl so, dass die beiden Vorstände Donnerstagmittag zu einem Krisengipfel zusammenkamen und in einem „langen und klärenden Gespräch die letzten Wochen analysiert“ haben. Es kam zum Schulterschluss. Oder einem Burgfrieden. Der könnte brüchig sein, muss es aber nicht. In der Sitzung, so hieß es in der Erklärung weiter, seien die strittigen Punkte zwischen den Vorstandsmitgliedern aufgearbeitet worden.

Zudem stellte Hellmann klar, dass er weder „Schaaf kritische“ SMS aus dem Aufsichtsrat geschickt noch interne Informationen aus der Aufsichtsratssitzung preisgegeben habe. Auch sei mit Sascha Lewandowski wegen eines möglichen Engagements nie gesprochen worden.

"Wir haben eine Basis geschaffen"

Und Bruchhagen betonte, dass er zu keinem Zeitpunkt an Rücktritt gedacht hat und es auch in Zukunft nicht tun werde. „Es gab sicherlich in der Vergangenheit mit Axel Hellmann Meinungsverschiedenheiten, die wir auch ausgetragen haben. Dass er allerdings für den Trainerrücktritt von Thomas Schaaf verantwortlich gemacht wird, entspricht nicht den Tatsachen. Wir haben eine Basis geschaffen, auf der wir vertrauensvoll zusammenarbeiten werden.“ In der ersten Presseerklärung war übrigens nicht von Rücktritt die Rede, da stand „Trainerentlassung.“

Hellmann kommentierte: „Das Gespräch war wichtig für die weitere Zukunft. Manche Kritik, die ich an Heribert Bruchhagen geübt habe, war nicht gerechtfertigt. Das haben wir ausgeräumt.“
Vielleicht sollten die Herrschaften ihre Konzentration nun darauf verwenden, einen Trainer zu finden.

Wäre ein Anfang.

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