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Ist Strandurlaub in der Corona-Krise 2020 möglich? Keiner weiß es genau. Doch die Rechte, die Touristen rund um Urlaub, Stornierung, Umbuchung und Erstattung haben, sind klar geregelt.

Corona-Sprechstunde

Welche Rechte Touristen in der Corona-Krise haben - Eine Expertin gibt Tipps

Traumstrände, Städtetrips oder Sportreisen - damit wird es in der Corona-Krise vorerst nichts mehr. Was bedeutet das für Touristen? Verbraucherschützerin Julia Gerhards gibt Ratschläge. 

  • Kann man 2020 richtig verreisen oder macht die Corona-Krise Touristen einen Strich durch die Rechnung?
  • Wer einen Urlaub gebucht hat, stellt sich in der aktuellen Situation Fragen rund um Urlaub, Stornierung, Umbuchung und Erstattung der Reise
  • Eine Expertin beantwortet Fragen rund ums Reiserecht in Zeiten der Coronavirus-Pandemie

Wie ist das eigentlich mit Urlaub in der Corona-Krise? Das fragen sich derzeit viele, denn die Urlaubssaison steht vor der Tür. Wie ist das eigentlich mit einer Umbuchung, Stornierung oder Erstattung? Was, wenn man eine Reise nicht antreten kann oder abbrechen muss? Dr. Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz beantwortete Fragen von FR-Lesern rund um das Thema Reiserecht.

Reisen in der Corona-Krise: Gutschein statt Geld zurück?

Frau Gerhards, was halten Sie von der Idee der Bundesregierung, dass Touristen, die ihre Reise nicht antreten konnten/können oder abbrechen mussten, nicht das Geld zurückbekommen sollen, sondern Gutscheine?

Dr. Julia Gerhards ist Juristin und arbeitet bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Soweit Reisende freiwillig einen Gutschein akzeptieren, ist das ein solidarischer Beitrag in dieser Krise. Solidarität muss man aber nicht nur wollen – sondern sich vor allem auch leisten können. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher waren auch vor einem verpflichtenden Zwangsgutschein bereit, Gutscheinlösungen zu akzeptieren. Solche freiwilligen Gutscheinlösungen hätte man fördern können. Verbraucherinnen und Verbraucher, denen jetzt als Selbständige selbst die Einnahmen wegbrechen, die von Kurzarbeit oder drohender Arbeitslosigkeit betroffen sind, zu verpflichten, der Reisebranche quasi einen zinslosen Kredit bis Ende 2021 zu gewähren, nimmt zu einseitig die Verbraucherinnen und Verbraucher in die Pflicht, diese Krise zu schultern.

Was kann man tun, wenn man das Geld haben will und nicht die Gutscheine?

Bei einer Pauschalreise muss nach einem Rücktritt des Reiseveranstalters oder des Reisenden der Reisepreis unverzüglich, spätestens aber binnen 14 Tagen zurückerstattet werden. Das ist derzeit – noch – geltendes Recht. Wenn Reiseveranstalter diesen Rückerstattungsanspruch nicht erfüllen, stehen den Reisenden die regulären Möglichkeiten zur Durchsetzung ihrer Rechte offen, also Mahnbescheid und Klage.

Urlaub in der Corona-Krise: Kommt die Gutscheinlösung?

Noch läuft der Gesetzgebungsprozess. Sollte man als von Corona betroffener Tourist abwarten, bis die künftige Gesetzeslage klar ist, oder im Gegenteil sogar vorher noch handeln?

Ob und in welcher Form genau eine Gutscheinlösung kommt, ob ganz am Ende einmal etwa das Bundesverfassungsgericht eine rückwirkend eingeführte Gutscheinpflicht für verfassungsgemäß hält, kann man nicht seriös voraussagen. Unklar ist auch, welche Ausnahmen und Härtefallregelungen es bei einer eventuellen Gutscheinlösung geben wird. Wer keinen Gutschein möchte und unter keine der sich abzeichnenden Härtefallregelungen fällt, dem bleibt wenig anderes übrig als jetzt seine Ansprüche gerichtlich geltend zu machen. Allerdings müssen Verbraucherinnen und Verbraucher dafür erst noch zusätzlich Geld in die Hand nehmen und Gerichtskostenvorschüsse sowie ggf. Rechtsanwaltskosten zahlen. Und gerade für diejenigen, die das Geld dringend benötigen würden, dürfte das eine uninteressante Lösung sein. Rechtsschutzversicherte können natürlich Kontakt zu ihrer Versicherung aufnehmen. Wer jetzt klagt, der dürfte im Endergebnis nicht auf den dadurch entstehenden Kosten sitzen bleiben, da nach derzeitiger Rechtsage ja ein Rückerstattungsanspruch besteht. Wann Kläger aber ihr Geld tatsächlich erhalten ist ungewiss. Und angesichts der derzeit zu beobachtenden Verzögerungstaktik von Reiseveranstaltern kann vermutet werden, dass auch ein Mahnbescheid oder eine Klage die Reiseveranstalter nicht zu einer schnellen Rückerstattung bringen kann.

Corona-Krise: Erstattet der Reiseveranstalter das Geld zurück?

Was soll man tun, wenn man das Gefühl hat, dass man bezüglich der Erstattung von abgesagten Reisen vom Reiseveranstalter hingehalten wird oder dieser gar nicht reagiert auf Anfragen?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wir glauben, dass auch ein Mahnbescheid oder eine Klage die Reiseveranstalter nicht zu einer schnellen Rückerstattung bringen kann. Wir vermuten, dass die Erstattung verzögert wird wegen der möglichen Gutscheinlösung. Seit sich die europäische Kommission skeptisch geäußert hat, ob eine solche europarechtskonform möglich sei, sehen wir, dass einzelne Anbieter erstatten.

Urlaub in der Corona-Krise: Was tun, wenn man nicht anreisen kann, aber zahlen soll?

Wir hatten in Barcelona ein Hotel gebucht. Nun hat das Hotel unsere Kreditkarte einfach mit den Übernachtungskosten belastet, obwohl wir uns per Mail an das Hotel gewandt haben, weil eine Anreise wegen Schließung der Ländergrenzen für uns schließlich nicht möglich war. Was können wir tun?

Wenden Sie sich an Ihre Bank. Je nach Kreditkartenfirma und Kreditkartenbedingungen Ihrer Bank können Sie in solchen Fällen, in denen Sie die Gegenleistung nicht erhalten haben, ein sogenanntes Chargeback-Verfahren einleiten - und sich das Geld per Kreditkarte zurückholen. Vorsicht: Das dürfte nur in klar gelagerten Fällen gehen, also derzeit, wenn man wirklich nicht anreisen kann.

Reise in der Corona-Krise: Ferienhaus im Ausland - welche Rechte haben Verbraucher?

Wie sieht es mit gebuchten Ferienhäusern im Ausland aus? Eine Anreise könnte nach derzeitigem Stand gar nicht möglich respektive nicht geboten sein. Welche Rechte haben Verbraucher?

Bei der Buchung einzelner Reiseleistungen im Ausland gilt meist das Recht vor Ort, also französisches oder österreichisches Recht. Hierzu kann ich keine verbindliche Auskunft erteilen. In groben Zügen dürften sich innereuropäisch viele Übereinstimmungen finden - das muss aber nicht in jeder Detailfrage so sein. Nach deutschem Recht muss eine Leistung nicht bezahlt werden, wenn diese aufgrund der Unmöglichkeit anzureisen (Einreiseverbote, Verbot touristischer Übernachtungen) nicht erbracht werden kann. Das ist aber die absolute Ausnahme. In dem Moment, in dem man wieder anreisen darf, muss der Reisende regelmäßig eine Unterkunft auch bezahlen - selbst dann, wenn beispielsweise alle Museen, Sehenswürdigkeiten und Restaurants rundum noch geschlossen sind. Nur extrem schwerwiegende Einschränkungen der Möglichkeit der Nutzung der Ferienwohnung können eine kostenfreie Stornierung rechtfertigen.

Urlaub in der Corona-Krise: Kreuzfahrt unentgeltlich stornieren?

Ich habe eine Kreuzfahrt im November von San Francisco nach Hawaii gebucht. Gibt es heute Möglichkeiten, die Reise unentgeltlich zu stornieren?

Was im November ist, kann derzeit niemand vorhersehen. Eine kostenfreie Stornomöglichkeit wegen Corona sehe ich daher nicht.

Ich habe für den 9. bis 16. Mai eine Reise nach Italien organisiert. Zum großen Teil mit Sparangeboten, daher unter normalen Umständen ohne Rücktrittsrecht. Was passiert mit dem Supersparticket der Deutschen Bahn nach Zürich und zurück? Was passiert mit dem Trenitalia-Ticket Zürich-Napoli? Was passiert mit den Übernachtungen, gebucht über Booking.com, normal ohne Stornomöglichkeit? Ich bin bereit ,Gutscheine zu akzeptieren.

Bei der Bahn können Tickets nach meinem Kenntnisstand umgebucht werden. Bei Trenitalia müssten Sie sich direkt informieren. Bei Booking wird es schwieriger, denn hier hat man in der Regel einen Vertrag nach dortigem Recht mit dem jeweiligen Anbieter geschlossen. Hier sollten Sie versuchen, unmittelbar mit dem Anbieter eine Kulanzlösung zu finden, da Gutscheine für Sie ja eine Lösung zu sein scheinen. Allerdings tragen Sie damit das Insolvenzrisiko.

Corona-Sprechstunde

Die Corona-Krise hat das Leben schlagartig verändert. Das bringt viele Probleme und Herausforderungen mit sich. In der Corona-Sprechstunde der Frankfurter Rundschau beantworten Expertinnen und Experten Fragen der Leserinnen und Leser - jeden Tag zu einem anderen Thema. Stellen auch Sie ihre Frage.

Heute zu Gast: Dr. Julia Gerhards, Juristin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

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