Corona-Krise: Finanzexperten beantworten in unserer Corona-Sprechstunde Fragen zur Geldanlage
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Corona-Krise: Finanzexperten beantworten in unserer Corona-Sprechstunde Fragen zur Geldanlage

Corona-Sprechstunde

Geldanlage in Corona-Krise: Finanzexperten verraten, wie das funktionieren kann

Auch während der Corona-Krise kann man Geld anlegen. Finanzexperten beantworten in unserer Corona-Sprechstunde Fragen zur Geldanlage.

  • Die Corona-Krise trifft auch die Wirtschaft und Finanzmärkte hart.
  • Was tun, wenn man dennoch Geld anlegen möchte?
  • Finanzexperten verraten, wie das trotzdem funktionieren kann.

Ich, 75 Jahre, habe mein kleines Vermögen in Aktien- und Rentenfonds angelegt und habe eine ausreichende Liquiditätsreserve. Jetzt erwarte ich ein Erbe von 50 000 Euro – das Geld kann langfristig angelegt werden. Sollte ich angesichts der niedrigen Kurse sofort und voll an der Börse investieren?

Die Situation an den Börsen ist im Moment unvorhersehbar. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft und Kapitalmärkte können noch nicht genau abgeschätzt werden. Andererseits sind die Kurse in den letzten Wochen spürbar zurückgekommen und bieten Einstiegschancen. Da das perfekte Timing fast nicht möglich und der tiefste Kurs kaum zu treffen ist, sollten Sie eine Anlage in drei bis fünf Teilbeträgen vornehmen. Wenn Sie beispielsweise in Aktienfonds investieren möchten, können Sie das auch über einen Fondssparplan umsetzen. Dieser sorgt mit dem „Cost-Average-Effekt“ sogar dafür, dass Sie bei „günstigeren“ Aktienkursen mehr Stücke kaufen als bei höheren Aktienkursen. Dies funktioniert, wenn Sie einen festen Betrag in einem regelmäßigen Rhythmus sparen.

Corona und Geldanlage: Über den Sinn und Unsinn von ETF

117.000 Euro liegen auf einem Konto im Ausland und ich weiß nicht, wie ich da herankommen soll. Die Bank im Ausland will das Geld nicht überweisen. Sollte ich es jetzt einfach da liegen lassen?

Nicht nur in der aktuellen Situation ist zu empfehlen, regelmäßig sein Vermögen und die Struktur im Blick zu haben. Das gelingt bei Geld im Ausland nur schwer, gerade auch mit Blick auf die aktuellen Reisebeschränkungen. Daher wäre es ratsam, sich einen guten Steuerberater in Deutschland zu suchen, der die steuerliche Auswirkung einer Übertragung des Vermögens einschätzt und die Übertragung mit einer Bank hierzulande plant. Besprechen Sie dann mit Ihrem Bankberater, welche Investitionsstrategie für Sie die richtige ist.

Meine Frau und ich möchten 40.000 Euro anlegen. Was halten Sie von ETF?

ETF (Exchange Traded Funds) sind passive, meist börsennotierte Investments, die den zugrunde liegenden Index nachbilden. Der Vorteil sind die Kosten: Da das Fondsmanagement bei ETF keine Anlageentscheidungen treffen muss, ist die Kostenstruktur günstiger als bei aktiv gemanagten Investmentfonds. Allerdings müssen Sie bei ETF selbst sicherstellen, dass Anlageklassen, Märkte, Regionen und Risiko Ihren Vorstellungen entsprechen und breit gestreut sind. Wenn Sie die notwendigen Kenntnisse und Zeit haben, können Sie sich mit ETF ein gut sortiertes Portfolio erstellen und sparen spürbar Kosten gegenüber aktiv gemanagten Anlageprodukten. Bei Fonds ist grundsätzlich ein Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren zu empfehlen und Sie sollten mit Wertschwankungen leben können.

Geldanlage in Corona-Krise: Aktien und Grundstücke

Durch den Verkauf eines Grundstücks habe ich Geld übrig. Wahrscheinlich brauche ich das Geld aber in den nächsten zwölf Monaten wieder. Sollte ich es trotzdem irgendwie investieren? Es heißt ja, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für den Aktieneinstieg sein könnte.

Vermögen, das Sie innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre benötigen, sollten Sie grundsätzlich nicht am Kapitalmarkt investieren. Weitere Rückschläge an den Aktienmärkten sind möglich. Aufgrund der Kursschwankungen ist das Risiko zu hoch, dass Sie zu einem schlechten Zeitpunkt mit Verlust verkaufen müssen. Falls absehbar ist, dass Sie einen Teil des Vermögens für fünf Jahre oder länger nicht benötigen, kommt eine strukturierte Anlage mit Wertpapieren infrage. Aber für den kurzen Zeitraum von zwölf Monaten sollte das Geld verfügbar bleiben, etwa auf einem Tagesgeldkonto.

Was ist mit meinen Fonds? Was passiert, wenn die Fondsgesellschaft pleitegehen sollte?

Investmentfonds sind gesetzlich geregelte Sondervermögen, welche getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft geführt werden. Sollte eine Fondsgesellschaft zahlungsunfähig werden, so bliebe das Vermögen der Anleger als Sondervermögen voll und ganz erhalten.

Investitionen in Corona-Krise: Angst um Altersorsorge

Ich habe mein Geld in verschiedene Anlagen investiert, hauptsächlich Fonds und Zertifikate. Was sollte ich in der Corona- Krise verkaufen beziehungsweise nachkaufen?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Je nachdem, in welche konkreten Investmentfonds und Zertifikate Sie angelegt haben, können sich die Kurse sehr unterschiedlich verhalten. Bei Zertifikaten hängt viel von der Ausgestaltung ab. Daher sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Berater einen genauen Blick auf Ihre Anlageprodukte werfen und dann überlegen, welche Optionen sinnvoll sind.

Das Geld meiner privaten Altersvorsorge liegt derzeit auf der Bank. Ich sorge mich vor der Geldentwertung …

Die Zinsen für Fest- und Tagesgeld sind schon seit Jahren so niedrig, dass damit tatsächlich nicht mal die Inflationsrate ausgeglichen wird. Wenn Sie Risiken für Ihr Geld mindern möchten, sollten Sie Ihr Vermögen immer breit streuen, dabei sind Sachwerte wie Edelmetalle und Immobilien zu berücksichtigen. Aktien sind ebenfalls Sachwerte, wobei die Aktienquote im Alter nicht zu hoch sein sollte. Ihr Bankberater kann Ihnen helfen, die für Sie optimale Vermögensmischung zu finden.

Geldanlage in Corona-Krise: Nachhaltige Wertpapierdepots

Ich habe mir ein Wertpapier- depot selbst aufgebaut, mit ETF auf den MSCI World und den Tec DAX. Um für mehr Nachhaltigkeit bei der Geldanlage zu sorgen, interessiere ich mich für einen entsprechenden Fonds – worauf soll ich achten?

Beachten Sie das sogenannte Fact-Sheet. Diesem können Sie entnehmen, wie viele und welche Einzelwerte in dem Fonds enthalten sind. Je mehr Werte, desto eher ist eine breite Risikostreuung gewährleistet. Überprüfen Sie auch, ob die nachhaltigen Maßstäbe des Fonds Ihren eigenen Kriterien entsprechen. Da der Begriff nicht geschützt ist, gibt es gravierende Unterschiede. Grundsätzlich sollten Sie bei Fondsanlagen mittel- bis langfristig auf das Geld verzichten können, um Wertschwankungen auszugleichen.

In welche Bereiche lohnt es sich jetzt zu investieren?

Für langfristige Anleger sind die Zukunftsaussichten der Branchen und Unternehmen entscheidend. Überlegen Sie also, welche Trends die Zukunft bestimmen werden und welche Branchen in der Zeit nach der Corona-Krise davon besonders profitieren werden. Wer neu in die Geldanlage einsteigen will, hat jetzt die Möglichkeit, vergleichsweise günstig zu kaufen. Doch bedenken Sie auch, dass Sie im aktuellen Marktumfeld gute Nerven brauchen, weitere Rückschläge können nicht ausgeschlossen werden. Und wie schon erwähnt, ist das perfekte Timing schwierig, daher raten wir, peu à peu mit Teilbeträgen einzusteigen, statt das gesamte Anlagekapital auf einen Schlag zu investieren.

Ergibt ein Bausparvertrag als Geldanlage für 20 000 Euro für mich, 75 Jahre, noch Sinn?

Als reine Geldanlage ist der Bausparvertrag in Zeiten historisch niedriger Zinsen nicht mehr zielführend. Wenn Sie also nicht vorhaben, später einen Immobilienkredit aufzunehmen, würde ich eher davon abraten, auch angesichts der Abschlussgebühren und Laufzeit. Ich empfehle Ihnen einen Termin bei Ihrem Berater, der gemäß Ihrer anderen Anlagen und Ihres Risikoprofils die passende Anlage finden wird.

Sollte ich jetzt ETF (Exchange Traded Funds) kaufen? Ich bin 65 Jahre alt.

Bevor Sie sich über das „Anlagevehikel“ Gedanken machen, sollten Sie überlegen, welchen Betrag Sie wie lange anlegen wollen und wie Ihre Risikoneigung aussieht. Denn dies beeinflusst letztendlich die Aufteilung Ihres Geldes in die verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, festverzinsliche Anlagen, Fonds, ETF, Immobilien, Edelmetalle oder sonstige Investments. Besonders in Krisenzeiten wie jetzt bewährt sich die alte Börsenweisheit, nicht alle Eier in einen Korb zu legen.

Geldanlage in Corona-Krise: Besser nicht das Geld auf dem Sparbuch lassen

Ich bin 77 Jahre alt und habe recht viel Geld auf meinem Sparbuch. Ist es in meinem Alter noch sinnvoll zu investieren?

Das Geld auf dem Sparbuch bringt Ihnen auf absehbare Zeit keine Zinsen. Vielmehr wird es von der Inflation langsam aufgezehrt. In Ihrem Alter ist es wichtig, eine ausreichende Liquiditätsreserve zu halten für geplante aber auch für ungeplante Kosten. Denken Sie dabei auch an Kosten für die Gesundheit oder möglicherweise Pflege. Ein Puffer von 30 bis 50 Prozent des Vermögens sollte also verfügbar bleiben. Den Rest könnten Sie nach Rücksprache mit einem Berater in eine gut strukturierte Anlage investieren, beispielsweise mit einer Mischung aus Aktien-, Renten- und offenen Immobilienfonds.

Und wann steigen die Zinsen wieder? Kann ich nicht einfach darauf warten?

Von deutlich steigenden Zinsen können wir in den nächsten Jahren nicht ausgehen. Wenn Sie also Renditechancen nutzen möchten, führt an einer gut strukturierten Geldanlage mit Wertpapieren kein Weg vorbei. Den genannten Liquiditätspuffer sollten Sie in jedem Fall beibehalten.

Ich bin mir nicht sicher, ob das Angebot meiner Bank für die Geldanlage das richtige für mich ist. Was raten Sie mir?

Dann gehen Sie doch einfach mal zu einer anderen Bank und lassen sich dort auch beraten. Holen Sie sich zwei oder drei Angebote ein und vergleichen Sie in Ruhe. Sie sollten immer verstehen, wie die Geldanlage funktioniert und welche Chancen und Risiken dabei bestehen. Wenn Sie sich mit einer Anlage nicht wohlfühlen, lassen Sie es lieber bleiben.

Meine Lebens- und Rentenversicherung wurden vor kurzem ausgezahlt. Mein Berater hat mir, 66 Jahre, empfohlen, das Geld in eine Rentenversicherung mit lebenslanger monatlicher Auszahlung von 500 Euro anzulegen. Was meinen Sie?

Die Sofortrente kann eine interessante Möglichkeit sein, da Sie lebenslang ausgezahlt wird. Grundsätzlich würde ich überlegen, die Anlagesumme aufzuteilen und nicht einseitig anzulegen. So kommt auch eine Fondsanlage in Betracht. Diese bietet mehr Flexibilität, denn Höhe und Dauer der regelmäßigen Rentenauszahlungen können individuell festgelegt werden, sind jederzeit änderbar und sie hat bessere Renditechancen. Denken Sie auch an eine ausreichende Reserve für geplante Ausgaben und Notfälle. Lassen Sie sich unter diesen Aspekten verschiedene Angebote machen und vergleichen Sie in Ruhe.

Geldanlage in Corona-Krise: Keine Aktien auf Kredit kaufen

Momentan sind nicht nur die Sparzinsen niedrig, sondern auch die Kreditzinsen. Lohnt es sich da nicht, ein günstiges Darlehen aufzunehmen, um jetzt in Aktien einzusteigen?

Nein. Sie sollten sich durch die günstigen Kreditzinsen nicht dazu verleiten lassen, Aktien auf Kredit zu kaufen. Fallen die Kurse und geht die Spekulation schief, ist der finanzielle Schaden groß. Legen Sie nur Geld in Aktien an, das Sie „übrig“ haben und das langfristig investiert werden kann.

Ich würde gerne in Fonds investieren, aber es gibt so viele Möglichkeiten. Wie kann ich sie vergleichen, gerade auch was die Kosten angeht?

Nach einer Beratung erhalten Sie umfassende Produktinformationen. Dort sind die Kosten im Detail aufgeschlüsselt, einschließlich der einmaligen Kaufspesen sowie die laufenden Kosten. Außerdem gibt es diverse Internetvergleichsportale, die vielfältige Möglichkeiten bieten, um die Fonds nach unterschiedlichen Kennzahlen zu vergleichen. Und was viele nicht wissen: Auch Ausgabeaufschläge können verhandelbar sein.

Die Corona-Krise hat neue Verhältnisse geschaffen, mit denen Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Politik zurechtkommen müssen. Da ist guter Rat gefragt. Die Frankfurter Rundschau hat deshalb die „Corona-Sprechstunde“ gestartet. Expertinnen und Experten beantworten online Fragen der Leserinnen und Leser. Reiserecht: Am Mittwoch, 15. April, 11 bis 12 Uhr, beantwortet Juristin Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz Fragen zu Umbuchungen, Stornierungen und Erstattungen.

Neben einem Eigenheim habe ich 400 000 Euro Cash im Bankschließfach. Mir wurde angeboten, in eine Seniorenresidenz anzulegen, mit 4,5 Prozent jährlicher Rendite. Was meinen Sie?

Da Sie bereits eine Immobilie besitzen, würde ich eher davon abraten, nun auch noch in eine Seniorenresidenz anzulegen. Stattdessen sollten Sie über eine breitere Vermögensstreuung nachdenken, und dabei auch über Aktien als langfristige Beimischung. Besprechen Sie das mit einem Berater Ihres Vertrauens.

Ich bin der Meinung, meine Bank hat mich falsch beraten. Was kann ich machen?

Wenn Sie einen Konflikt mit Ihrer Bank nicht lösen können, wenden Sie sich an den für Ihr Kreditinstitut zuständigen Ombudsmann. Unabhängige Personen wie pensionierte Richterinnen und Richter helfen Ihnen bei Streitigkeiten mit der Bank in einem außergerichtlichen, unbürokratischen Schlichtungsverfahren. Sie müssen dem Ombudsmann Ihre Beschwerde schriftlich schildern, Ihre Ansprüche benennen und Kopien der notwendigen Unterlagen beifügen. Die Prüfung ist für Sie kostenfrei und neutral. Eine Liste der Schlichtungsstellen finden Sie im Internet unter www.bankenombudsmann.de.

Geldanlage in Corona-Krise: Die Experten

Michael Steckenreiter ist in der Beratung vermögender Privatpersonen tätig. Davor hat der gelernte Bankkaufmann Firmengroßkunden beraten und im Wertpapierhandel gearbeitet

Murray Halicilar ist ausgebildeter Bankfachwirt. Er war zunächst in der Kundenberatung tätig, arbeitet nun in der Vermögensberatung.

Alexander Geck arbeitet in der Beratung wohlhabender Privatpersonen. Er hat an der Frankfurt School of Finance & Management studiert.

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