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Zu Besuch im Fledermauswald

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Von: Astrid Kopp

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Ausflug mit dem Buch „Die Ausflugsprofis“ auf den Fledermauspfad bei Seligenstadt; dabei sind Henri (8, helle Kappe), Thore (9, blaue Kappe) und Paula (6). Foto: Astrid Kopp
Ausflug mit dem Buch „Die Ausflugsprofis“ auf den Fledermauspfad bei Seligenstadt; dabei sind Henri (8, helle Kappe), Thore (9, blaue Kappe) und Paula (6). © Astrid Kopp

Manchmal muss es in den Ferien auch in die Natur gehen. Das Buch „Die Ausflugsprofis“ hat in diesem Fall die richtigen Ziele parat

Wie wäre es mit der Wanderung am Hoherodskopf? Nur abwärts und größtenteils im Schatten, das klingt gut. Ach nein, die Tour dauert drei Stunden, dazu noch die An- und Abfahrt in den Vogelsbergkreis, da bleibt an diesem Tag zu wenig Zeit übrig für das in den Ferien ja auch so wichtige Nichtstun. Die Familie blättert im Buch „Die Ausflugsprofis“ lieber weiter. Dann vielleicht in den Taunus und den Wasserfall suchen? Hm, die Autoren Martin Glomm und Stefan Kriegelsteiner warnen: „Nach Trockenperioden rauscht es nicht sehr am Billtalfall“ – da ist bei der momentanen Wetterlage Enttäuschung wohl programmiert.

Also noch mal umblättern. Hier, das ist doch was. Der Fledermauspfad zwischen Seligenstadt und Rodgau ist laut Buch nur gradlinige 2,8 Kilometer lang, in 45 Minuten zu schaffen und mit dem Auto gut erreichbar. Schnell die Rucksäcke mit Wasser, Sonnenbrillen und Kappen bestückt und los. Das Navi bleibt diesmal aus, wir verlassen uns auf die Anfahrtsbeschreibung im Buch und kommen damit gut ans Ziel. Schon mal vorweg genommen: Auch die weiteren Wegbeschreibungen treffen genau ins Schwarze, wenn sie auch bei diesem gut ausgeschilderten Lehrpfad nicht nötig gewesen wären. Direkt am Parkplatz erspähen die Kinder die erste Infotafel. Kurz wird der Plan studiert, dann geht’s los.

Schnurgerade verläuft das erste Stück durch den Wald. Links sorgt ein Stromverteiler für Gesprächsstoff, rechts wird die zweite Tafel entdeckt. Neugierig lesen Thore (9) und Henri (8) der sechsjährigen Paula abwechselnd vor, welche Fledermausarten im Seligenstädter Stadtwald leben. Werden wir welche sehen? Kurze Enttäuschung bei zwei von drei Kindern: Im strahlenden Sonnenschein am Nachmittag ist das sehr unwahrscheinlich. Die jüngste Teilnehmerin der Gruppe ist aber ganz froh über diese Information. Die Fledermäuse, die auf den Bildern eindrucksvoll ihre Reißzähne zeigen, sind ihr nicht ganz geheuer.

Wie gut, dass wir kurz darauf an einem Baum am Wegesrand eine kleine Holzbox mit noch viel kleinerer runder Öffnung entdecken. Kurze, aber hitzige Diskussion: Ist das ein Vogelhäuschen, wie es auch im heimischen Garten hängt? Oder etwa das Heim einer Fledermaus? Aber wie sollte die durch diese kleine Öffnung passen? „Sie legen halt die Flügel an“, löst Thore das Problem pragmatisch. „Genau, und es gibt ja auch dicke Vögel, die schaffen es auch in ihre Häuser“, ergänzt Henri. Paula ist vor allem erleichtert: Wenn Fledermäuse durch solche kleinen Löcher passen, ist es im Wald vielleicht doch nicht so gefährlich, wie sie dachte.

Zum guten Ferienausflug gehört ein Eis

Munter marschiert die Truppe weiter. Jetzt wird der Weg schmaler, schlängelt sich zwischen gewachsenem Mischwald auf der einen Seite und zahlreichen ordentlich aufgereihten Nadelbäumen auf der anderen Seite dahin. Ah, eine Baumschule zur Aufzucht von Weihnachtsbäumen, verraten uns die Ausflugsprofis. Von Tafel zu Tafel finden wir unseren Weg durch den Wald, aber bald ist klar, mit der angegebenen Dreiviertelstunde werden wir nicht hinkommen. Zu interessant finden die Jungen die Fledermausinformationen, die auf den 14 Tafeln anschaulich mit kurzen Texten und vielen Bildern und Grafiken aufbereitet sind.

2016 ist der Pfad in einer privaten Initiative entstanden, weiß das Ausflugsbuch zu berichten. Insgesamt 600 Fledermauskästen wurden dort aufgehängt und werden von Ehrenamtlichen regelmäßig kontrolliert. Die Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen sieht eine ihrer zentralen Aufgaben in der pädagogischen Arbeit. Klar, dass es dann auch öffentliche Führungen gibt (Informationen auf fledermausschutz-seligenstadt.de).

Ausflug mit dem Buch „Die Ausflugsprofis“ auf den Fledermauspfad bei Seligenstadt; dabei sind Henri (8, helle Kappe), Thore (9, blaue Kappe) und Paula (6). Foto: Astrid Kopp
Ausflug mit dem Buch „Die Ausflugsprofis“ auf den Fledermauspfad bei Seligenstadt; dabei sind Henri (8, helle Kappe), Thore (9, blaue Kappe) und Paula (6). © Astrid Kopp

Die sind sicher hilfreich, um mal in der Dämmerung einer echten Fledermaus zu begegnen. Alle wichtigen Informationen aber finden sich schon auf den Tafeln. Wo leben Fledermäuse, wann bekommen sie ihre Jungen, welche Fledermaus ist die größte, und wie stark sind sie bedroht (leider meistens stark) – nach 40 Minuten im Wald ist Paula genervt. „Ihr lest ja zu jeder Fledermaus alles“, motzt sie ihre älteren Begleiter an und drängt zum zügigeren Weiterspazieren. „Okay, aber das Jagdverhalten möchte ich bei jeder lesen“, sagt Thore. „Ich möchte wissen, wie viele von der Art es in Hessen noch gibt“, sagt Henri. „Ich möchte ein Eis“, sagt Paula, schaut dann aber doch ganz genau auf die Illustrationen, die zeigen, wie groß das Tier durchschnittlich ist.

Obwohl die Kinder zwischenzeitlich noch einen Moment an einem Bach am Wegesrand spielen, ist die Truppe nach einer guten Stunde wieder am Parkplatz zurück. Mit dem Auto geht es in die nahe gelegene Seligenstädter Altstadt, denn ein guter Ferienausflug ist kein guter Ferienausflug ohne ein Eis, und die zwei Seligenstädter Eisdielen sind in der Umgebung bekannt. Noch ein bisschen besser ist das Eis in dieser Gegend vielleicht nur am Eisstand am Restaurant „Wald & Wiese“ in Offenbach. Dort gibt es nämlich das echte, italienische, das bekanntlich nicht in Kugeln gezwängt sondern großzügig in Becher oder Waffeln gestrichen wird. Gut verbinden lässt sich ein Besuch dort mit einem Ausflug ins Hainbachtal, zu dem ebenfalls die Ausflugsprofis mit ihrem Buch inspiriert haben. Dort locken statt Fledermäusen selbstgebaute Tipis. Aber das ist eine andere Geschichte.

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