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Das Mathematikum in Gießen: Wo Mathe Spaß macht

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Von: Astrid Kopp

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Paula (6) und Henri (8) erkunden das Mathematikum in Gießen. Foto: Astrid Kopp
Paula (6) und Henri (8) erkunden das Mathematikum in Gießen. © Astrid Kopp

Das Mathematikum in Gießen begeistert alle, die sich sonst kaum für Gesetze wie den Satz des Pythagoras interessieren.

Trotz vier nachdrücklicher Aufforderungen, jetzt den Heimweg anzutreten, sitzt meine sechsjährige Tochter Paula immer noch auf einem der Hocker im Souterrain des Mathematikums und versucht konzentriert, verschieden große blaue Rechtecke zu einem Würfel zusammenzusetzen. Drei Stunden haben wir zu diesem Zeitpunkt bereits in dem Mitmachmuseum rund um mathematische Gesetze, Formen und Zahlen verbracht – angesetzt waren zwei. Und sie hat noch immer nicht genug.

In dem schönen alten Gebäude in der Nähe des Gießener Bahnhofs gibt es aber auch unglaublich viel zu entdecken. Je jünger die Kinder, desto mehr empfiehlt es sich, gleich Stockwerk für Stockwerk hochzusteigen und ganz oben anzufangen. Unter dem Dach ist das Reich der Kindergarten- und Grundschulkinder. Im Mini-Mathematikum werden Formen ertastet, Zahlen und Mengen an Bildbeispielen erklärt, und vor allem können die Kleinen viel selbst ausprobieren.

Lange sitzen wir vor der Schattenstadt und bauen mit Holzklötzen die Silhouetten von Häusern nach. Dabei ist das alles zwar kindgerecht präsentiert, nimmt die jüngsten Mathefans aber durchaus ernst und fordert sie auch mal heraus. Eine Brücke zu bauen, gelingt Paula und ihrem Bruder Henri (8) erst als Team, obwohl die Aufgabe zunächst sehr einfach aussah. Und wenn aus drei Teilen, die aus verbundenen Kugeln bestehen, eine Pyramide geformt werden soll, wünscht sich die Mutter, unter den Tischen wären Spickzettel für Eltern versteckt.

Mathematikum in Gießen: Funktionen nachzeichnen - aber mit dem Körper

Ein Stockwerk tiefer, im Mathematikum für Große, will es einfach nicht gelingen, bei der sogenannten Deutschlandtour mit nur einem Faden Gießen mit den Hauptstädten aller deutscher Bundesländer zu verbinden. Die kürzeste Route muss gefunden werden, das ist klar, doch alle Versuche, auch noch München einzubinden, scheitern. Zeit, jetzt so richtig frustriert zu sein, bleibt zum Glück nicht, denn in dem Moment springt mit einem leisen Surren mitten im Raum die riesige Kugelbahn an.

Fasziniert steht Henri mit offenem Mund da und beobachtet, wie unter der Decke 24 Kugeln losrollen, Prozesse in Gang setzen und ihre unterschiedlichen Wege finden. Pünktlich zur nächsten vollen Stunde werden wir wieder hier sein müssen, um das Schauspiel erneut zu bewundern. Von Pythagoras geht’s in die Seifenblase – es ist die Mischung, die den Charme des Mathematikums ausmacht. Wird an einer Station der Satz a²+b²=c² anschaulich mit Hilfe einer Waage erklärt, hat es ein paar Meter weiter fast etwas Meditatives, Wasser in einem Plexiglaskörper durch schnelles Drehen in Bewegung zu versetzen und den entstehenden Strudel zu beobachten.

Paula (6) und Henri (8) erkunden das Mathematikum in Gießen. Foto: Astrid Kopp
Paule steht im Inneren einer Seifenblase © Astrid Kopp

Während an einigen Stationen geknobelt werden muss, bis die Köpfe rauchen, bringen andere die Besucherinnen und Besucher einfach nur zum Staunen oder Strahlen. Wie in dem Moment, in dem man auf einem Podest stehend an einem Seil zieht und sich mit einem schwarzen Ring langsam auch eine Seifenblasenhaut um einen herum nach oben bewegt. Geht alles gut, zieht man weder zu langsam noch zu ruckartig und passt auf, den Po nicht zu weit nach hinten zu strecken, steht man schließlich inmitten einer riesigen, schillernden Seifenblase. Ein Experiment, vor dem Erwachsene genauso wie Kinder Schlange stehen.

Eine Herausforderung ist „Ich bin eine Funktion“. Etwas unscheinbar steht da ein Computer, davor liegt ein langer roter Teppich. Einmal „Start“ gedrückt erscheint auf dem Bildschirm eine Funktion, und man versucht, die angezeigten Formen nachzuzeichen. Aber nicht mit einem Stift, sondern durch die Bewegung des eigenen Körpers. „Los, los, du musst vor, schneller vor“, ruft Henri seiner kleinen Schwester zu, als ihre Gerade nicht steil genug ansteigt. Läuft Paula vor, geht ihre Linie hoch, läuft sie zurück, geht sie runter, bleibt sie stehen, zeichnet sie eine gerade Linie. Mit den hektisch zugerufenen Anweisungen ihres Bruders klappt das im fünften Versuch schon ganz gut. Überhaupt ist vieles im Mathematikum wie dafür gemacht, Zusammenarbeit zu fördern. Wenn zum Beispiel zwei Kugeln am Startpunkt gleichzeitig losgelassen werden müssen und vorher darauf gewettet wird, welche zuerst ans Ziel kommt. Jene auf der geraden Strecke oder jene mit der Krümmung? Kleiner Tipp: Es ist die, die zwischendrin noch mal ordentlich Schwung holt.

Paula (6) und Henri (8) erkunden das Mathematikum in Gießen. Foto: Astrid Kopp
Henri versucht, eine geheime Botschaft zu dechiffrieren. © Astrid Kopp

Mit Schwung los zum nächsten Termin will jetzt auch die Autorin dieses Artikels, muss dafür aber ja erst mal die Kinder losreißen. Das gelingt schließlich dank des kleinen, aber feinen Museumsshops. Da gibt es nicht nur „Die rätselhafte Pyramide“ als Mini-Knobelspiel zu kaufen, sondern auch die nur aus glatten Hölzern gebaute Brücke, mit der die Kinder sich auch zu Hause weiterhin den Herausforderungen des Mathematikums stellen können.

Speziell für die Sommerferien haben sich die Museumsmacher etwas Besonderes einfallen lassen. Noch bis zum 2. September stehen montags bis freitags im Hof Stationen bereit, die zum Experimentieren unter freiem Himmel einladen. Hier wird, bei heißem Sommerwetter besonders beliebt, mit Wasser experimentiert, und von 11 bis 16 Uhr können schillernde Riesenseifenblasen erschaffen werden. Weitere Informationen gibt es unter www.mathematikum.de online.

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