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Vertiefte Blicke und konzentrierte Striche: Zwei Kursteilnehmerinnen versuchen sich in Friedberg am Urban Sketching.
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Vertiefte Blicke und konzentrierte Striche: Zwei Kursteilnehmerinnen versuchen sich in Friedberg am Urban Sketching.

Ferien zu Hause

Sommerferien kreativ: Zeichnend durch die Stadt

  • VonJutta Himmighofen-Strack
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Beim Urban Sketching in Friedberg ist nicht nur das weiße Zeichenblatt zu Beginn eine Herausforderung. Es braucht Mut, den öffentlichen Raum mit eigenem Blick zu entdecken.

Eine bunte Truppe hat sich in der Friedberger Burganlage eingefunden. Die Jüngste ist 13 Jahre alt und malt schon seit ihrem vierten Lebensjahr. Die zwei „Quotenmänner“ sind Architekten im Ruhestand – abgesehen davon lässt sich die eine oder andere Kursteilnehmerin zeichnerisch auf Neuland ein.

So soll auch es sein, ermuntern Sigrid Torff und Matthias Burhenne zur Einstimmung. Urban Sketching, Zeichnen in der Stadt, das können alle, es müsse nicht realistisch sein, so ihr Credo. Vielmehr gehe es darum, einen eigenen Ausdruck für den urbanen Raum zu finden: die Umgebung mit allen Sinnen aufzusaugen und festzuhalten. Urban Sketchers zeichnen nicht auf Leinwände, sondern in Skizzenbücher. „Es ist fast wie ein Tagebuch“, erzählen Burhenne und Torff. Sie müssen es wissen: Seit vielen Jahren sind die beiden befreundet, und wann immer es möglich ist, machen sie sich gemeinsam auf den Weg, Friedberg zeichnerisch festzuhalten – ihr gefülltes Skizzenbuch beweist es.

Das ist zeitlich nicht immer einfach. Matthias Burhenne, hat viele Jahre als Industriedesigner in Mailand, Venedig und Shanghai gearbeitet und lehrt heute an der Hochschule für Produktdesign in Münster. Die Malerin Sigrid Torff, die unter anderem an der Städelschule in Frankfurt studiert hat, hat ein Atelier in Ockstadt und betreibt eine Galerie mit Standorten in Frankfurt und New York. Doch irgendwie schaffen sie es immer wieder, gemeinsam Zeichen-Zeit zu verbringen.

Auch im Spätsommer 2020 saßen sie mit ihrem Skizzenblock vor Friedbergs gotischer Stadtkirche, als die Chefin des Friedberger Kulturservices auf sie aufmerksam wurde. Eine Stunde später war es eingetütet: Ein Jahr später stand im Veranstaltungskalender der Stadt der erste Friedberger Urban-Sketching-Kurs.

Das führt zurück in die Gegenwart zur bunten Truppe, die sich mit Skizzenbuch und Stiften auf der Burg in Friedberg eingefunden hat. Der Burgberg, der in seiner 2000-jährigen Geschichte römisch, ritterlich und großherzoglich geprägt war, präsentiert sich der Gruppe als eine der größten Burganlagen im deutschsprachigen Raum.

Auf fast 40 000 Quadratmetern gleicht die Anlage einem Streifzug durch die Geschichte: angefangen mit einer römischen Badeanlage, die zu den besterhaltenen römischen Ruinen in Hessen zählt, über die prägenden Bauten aus dem späten Mittelalter bis zur 1808 eingeweihten Burgkirche, eine der wenigen früh-klassizistischen Gotteshäuser Deutschlands. Das Wahrzeichen der Burg ist jedoch der Adolfs-turm. In der Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut beherrscht der Bergfried noch heute das Bild der umliegenden Landschaft.

Die heutigen Kursteilnehmenden haben also die Qual der Wahl. Doch Burhenne und Torff lenken die Augen bewusst auf Orte, die man nicht sofort wahrnimmt. Schönheit erschließe sich nicht immer auf den ersten Blick. Doch wenn man sich auf solche Orte einlasse, Details in den Hintergrund und die Atmosphäre in den Vordergrund hebe, entstünden oft ganz besondere Bilder, ermuntern die Malerin und der Industriedesigner. Und genau das tut die zeichnende Truppe fortan.

Überall auf dem Burggelände findet man sie jetzt. Konzentriert wechseln die Blicke zwischen Skizzenbuch und Objekt. Strich für Strich halten sie fest, was für sie bedeutend ist. Und wenn es mal ein wenig komplizierter wird, dann sind Burhenne und Torff an ihrer Seite und geben Tipps. Doch meistens brauchen die Teilnehmenden heute nur die Ermunterung: „Machen sie genauso weiter und vertrauen sie ihrem eigenen Ein- bzw. Ausdruck“.

Urban Sketchers sind mittlerweile eine weltweite Gemeinschaft von Zeichnenden, die ihre Umgebung, ihren Wohnort, aber auch auf Reisen die Welt so zeigen, wie sie sie selbst erfahren – ob mit Bleistift, Bunt- oder Filzstift, Kugelschreiber oder Aquarellfarben. Sie stellen Ereignisse des täglichen Lebens dar, Szenen aus großen und kleinen Städten sowie ländlichen Gebieten. Gebäude, Menschen, Parks, Geschäfte, Cafés, all das, was beobachtbar ist, findet seinen Weg in die Skizzenbücher der Urban Sketchers.

Dank der Initiative des Friedberger Kulturservices gehören jetzt auch die Teilnehmenden des heutigen Kurses dazu. Insgesamt sechs Stunden werden sie angeregt, begleitet und unterstützt. Doch niemand ist gezwungen, die gesamte Dauer dabei zu bleiben. Die Sketchers können später dazustoßen oder auch früher gehen. Das bleibt allen Teilnehmenden selbst überlassen – wie der Blick auf die Stadt und die Striche auf dem Blatt.

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