1. Startseite
  2. Aktionen
  3. Ferien zu Hause

Legale Alternative zum Wildcampen: Camping-Portal vermittelt private Zeltplätze

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jakob Maurer

Kommentare

Früh am Morgen: Der Reporter übernachtete in einem Privatgarten in der Wetterau.
Früh am Morgen: Der Reporter übernachtete in einem Privatgarten in der Wetterau. © Jakob Maurer.

Camping-Plätze sind oft ausgebucht oder randvoll und dicht gedrängt mit Zelten und Wohnmobilen. Das Portal „ZeltzuHause“ bietet eine Alternative zum Wildcampen – und ermöglicht interessante Begegnungen.

Vor eineinhalb Jahren lag Dominik Bingel im Zelt und hörte einen Löwen schnarchen. Doch das tiefe Brummen raubte ihm nicht den Schlaf, im Gegenteil: „erstaunlich gute Nacht“ wird er später in seinem Reisetagebuch notieren. In einem Dachzelt auf einem Geländewagen zwei Meter über dem sandigen Boden Kenias, so scheint es, kommt man auch in wilder Gesellschaft zur Ruhe.

Mehr als 6000 Kilometer nordöstlich zwischen Hibiskus, Blauregen und japanischem Ahorn steht im Sommer 2021 ein anderes Zelt auf grünem Rasen. Statt Löwen brummen Junikäfer in der Dämmerung. Als die Dunkelheit überhandnimmt, erobern zwei Fledermäuse den Luftraum im Garten in der Wetterau – zwei Zelterlebnisse auf zwei Kontinenten mit einer Verbindung.

In sicherer Höhe: So nächtigte Dominik Bingel in Kenia.
In sicherer Höhe: So nächtigte Dominik Bingel in Kenia. © Dominik Bingel

Zelten mit Camping-Portal: Unweit des Hessischen Radfernwegs R4

Bingels Nacht in der Nähe des Löwen war die erste eines Roadtrips bis nach Tansania und Ruanda. Mit nach Hause brachte der Fotograf beeindruckende Aufnahmen von Natur und Wildtieren sowie eine erstaunliche Erkenntnis: „Spannender fand ich die Wege dazwischen, wo man ankommt und wie das dann ist.“

Vor allem die Gastfreundlichkeit ist ihm von der Reise durch Ostafrika hängengeblieben. Er erinnert sich an einen heißen Tag, an dessen Ende er und sein Begleiter völlig erschöpft mit dem Jeep am Zielort angerollt kamen. Die Einheimischen hätten sie spontan aufgenommen und kurzerhand auch eine Dusche provisorisch im Garten aufgebaut, erzählt er und schwärmt: „Dort kommt man einfach irgendwo unter, ganz entspannt.“

So machen Sie mit

Am 23. August verlosen wir eine vergünstigte Buchung auf dem Camping-Portal „ZeltzuHause“ für zwei Personen. Der Gewinnerin oder dem Gewinner wird die Servicegebühr einer Buchung für zwei Nächte erlassen. Es ist nur die Reservierungsgebühr an den Gastgebenden zu zahlen. Wer mitmachen möchte, findet die Angaben in der gedruckten Ausgabe oder im E-Paper.

Alle Informationen zum Camping-Portal „ZeltzuHause“ rund um das Mieten und Vermieten von Zelt- oder Stellplätzen finden Sie auf: www.zeltzuhause.de.

Das Reisetagebuch von Fotograf Dominik Bingel finden Sie auf der Seite: www.dominik-bingel.de/blog/das-war-afrika. red

Dieses besondere Souvenir hat das Quartier in der Wetterau ermöglicht. Es liegt hinter einem Doppelhaus unweit des Hessischen Radfernwegs R4. Bingel lässt hier, inspiriert von den Erlebnissen in Ostafrika, Gäste gegen eine kleine Gebühr kampieren: Neben seinem Job als Fotograf ist er ein Anbieter und Gastgeber auf der Camping-Plattform „ZeltzuHause“, die seit gut einem Jahr private Zelt- und Stellplätze an Reisende vermittelt – die zugehörige Internetseite sieht aus wie eine Art Airbnb für Camperinnen und Camper.

Zelten mit Camping-Portal: Vor allem für Fernwandernde und Radreisende

Der Gründerin Nina Heyder kam die Idee dazu vor einiger Zeit bei einer Wanderung in der Eifel. Seit vielen Jahren ist sie mit Zelt und Rucksack unterwegs, auf langen Touren und Fernwanderwegen. Während es etwa in Kanada, Neuseeland oder Australien ihrer Erfahrung nach häufig unkompliziert sei, irgendwo das Zelt aufzuschlagen oder bei Einheimischen unterzukommen, sei es in vielen Ländern Europas schwieriger, einen passenden Zeltplatz zu finden. Wildcampen ist etwa in Deutschland fast überall verboten. Bei einer Tour in der Eifel platzte einmal eine Unterkunft, Heyder stand ohne Schlafplatz da. Doch spontan traf sie auf Einheimische, bei denen sie unterkam und ihr Zelt aufstellen konnte – und die Idee für „ZeltzuHause“ war geboren.

Vor allem Fernwandernde und Radreisende hatte sie deshalb im Sinn, als sie mit ihrer Plattform an den Start ging. Sie sollen hier eine günstige, unkomplizierte Unterkunft finden, die lange Touren erschwinglich hält. Wichtig ist ihr auch der Nachhaltigkeitsaspekt: Zelten ist für sie die umweltschonendste Art auf Reisen zu übernachten, doch vor allem hierzulande gebe es viel zu wenige Möglichkeiten, das Zelt aufzustellen. Ein weiterer Vorteil von „ZeltzuHause“: Für die privaten Übernachtungsplätze müssen keine zusätzlichen Flächen wie bei Campingplätzen in Anspruch genommen werden.

Zelten mit Camping-Portal: Ähnliche Anbieter

Ähnliche Angebote gibt es etwa auf der Internetseite des Projekts „1 Nite Tent“. Hier sind auf einer Deutschlandkarte private Übernachtungsangebote verzeichnet, ein Buchungssystem gibt es jedoch nicht. In einem Eintrag aus Wiesbaden heißt es beispielsweise: „Wir freuen uns auf gleichgesinnte Radreisende und Globetrotter!“ Ein weiterer Anbieter heißt „Campspace“. Dort werden weltweite Angebote gesammelt, die Preise sind jedoch etwas höher.

Was lauert vor dem Zelt? Ach, es ist nur ein Buddha.
Was lauert vor dem Zelt? Ach, es ist nur ein Buddha. © Jakob Maurer

Das Angebot von „ZeltzuHause“ ist noch überschaubar: In Hessen finden sich 21 Inserate, mit Preisen zwischen einem und 26 Euro pro Nacht. In den anderen Bundesländern sieht es ähnlich aus. Doch immer wieder kommen Gastgeberinnen und Gastgeber wie Dominik Bingel dazu.

Wenn der 30-Jährige sein ostafrikanisches Abenteuer mit dem Zelterlebnis in der Wetterau vergleichen soll, kommt er zum Schluss: „Das ist hier das Gleiche, nur ohne wilde Tiere.“ Das Gleiche? Das muss er erklären.

Zelten mit Camping-Portal: Gastfreundlichkeit importieren

In Ostafrika habe Bingel die Menschen „superfreundlich“ erlebt. Sie hätten ständig gefragt, können wir was tun? Braucht ihr was? „Da gibt es nicht so eine Barriere“, sagt er und spielt auf das reservierte Verhalten vieler Menschen hierzulande an.

Und auch die Gegenseite sei ihm aufgefallen: „Da ist kein Nein notwendig“, sagt er über das Annehmen von Hilfe und Gefallen. Er hatte den Eindruck, dass man in Kenia, Ruanda und Tansania falsche Bescheidenheit, wie man hierzulande sagt, wenn man sich aus Höflichkeit zurücknimmt und begnügt, gar nicht kenne. Mit dem Angebot auf „ZeltzuHause“ will er diese zwei Seiten der Gastfreundlichkeit importieren.

Zelten mit Camping-Portal:

Als er seiner Mutter von den Plänen erzählte, war sie erstmal überrumpelt: „Was soll ich mit fremde Menschen hier in meinem Garten?“, habe sie gesagt. Was harsch klingt, hat Dominik Bingel zufolge einmal mehr etwas mit Zurückhaltung zu tun. „Sie kann es sich nicht vorstellen, dass man es hier schön findet.“ Und das obwohl sie fast jeden Morgen von der Terrasse aus über den grünen Garten hinweg den Sonnenaufgang über dem Hoherodskopf beobachtet – auch mit dem zeltenden Reporter.

Das Abenteuer, so könnte ein Fazit lauten, entsteht hier weniger zwischen Mensch und Natur, sondern beim Aufeinandertreffen von Mensch und Mensch. Während im Alltag die Interaktionen zunehmend digital ablaufen und zuletzt Schlagwörter wie „soziale Distanzierung“ das Leben bestimmten, werden Begegnungen mit „Fremden“ seltener. Und wenn sie doch einmal zustande kommen, dann meist im beruflichen Umfeld oder in Form einer anonymen Dienstleistung – und beim Camping sonst nur dicht gedrängt Stellplatz an Stellplatz auf zumeist randvollen Plätzen.

Bei einem Zelterlebnis bei Privatleuten wie Dominik Bingel in der Wetterau über „ZeltzuHause“ muss man sich hingegen aufeinander einlassen: Man darf sich nicht scheuen, nach einer Dusche zu fragen oder einer Flasche Wasser – Flexibilität und Offenheit sind gefragt. Und am Ende wird man vielleicht belohnt mit einem netten Gespräch und einem Feierabendbier – wie in der Wetterau.

Auch interessant

Kommentare