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Gesangsschülerin Nike Tiecke beim Gesangsunterricht. Foto: Michael Schick.
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Gesangsschülerin Nike Tiecke beim Gesangsunterricht.

Ferien zu Hause

Singen lernen: Mit langem Atem durch die Arie

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Gesangspädagogin Annette Scherl zeigt, worauf es beim professionellen Singen ankommt – „Ferien zu Hause“ hört zwischen Notenständer und E-Piano ganz genau hin.

Als sich ihre Stimme zum Crescendo aufschwingt, erfüllt sie den ganzen Raum.

Gesangsschülerin Kathrin Rademacher steht an dem einen Ende des Zimmers, die Augen sind auf den Notenständer vor ihr gerichtet, die Arme hält sie locker am Körper. Dann intoniert die 59-Jährige aus dem Notenheft „Praktische Schule des Italienischen Gesangs für hohe Stimme“ einige Tonfolgen, ein sogenanntes „Adagio“.

Gesangspädagogin Annette Scherl sitzt am anderen Raumende und begleitet die Hobby-Sängerin am Clavinova, ihrem Digitalpiano. Scherl hält, den Corona-Regeln entsprechend, mehrere Meter Abstand zu ihrer Schülerin. Zwischen beiden steht zudem eine Plexiglasscheibe. Aus Rücksichtnahme auf die Nachbarschaft bleiben die Fenster während des Unterrichts geschlossen. Zwischendurch lüftet Scherl großzügig durch.

„Ich wollte schon immer singen lernen, aber es war für mich auch immer eine Überwindung“, hatte Rademacher noch vor der Gesangsstunde berichtet. Davon ist in diesem Moment nichts zu spüren. „Sonst hole ich meistens falsch Luft, aber dieses Mal hat der Atem praktisch bis zum Ende gereicht“, sagt die Schülerin nach dem letzten, verklungenen Ton mit etwas Stolz und Erleichterung in der Stimme.

Gesangsschülerin Kathrin Rademacher gut gelaunt beim Singen aus dem Notenheft „VACCAJ Praktische Schule des Italienischen Gesangs für hohe Stimme“.

Die „falsche Atmung“ sei eine zentrale Fehlerquelle, an der sie mit ihren Schüler:innen arbeite, berichtet Annette Scherl, egal, ob Neulinge oder Fortgeschrittene. „Es geht darum, dass die Ausatmung, anders als beim Reden, aktiv ist und die Einatmung passiv“, sagt Scherl.

Mit „Sch“-Lauten beginnt das Duo zum Aufwärmen seine Atemübungen, die dem Imitieren einer Dampflok ähneln. Es folgen ein „stimmhaftes S“, A-, U- und O-Laute. Die Lehrerin stimmt an, greift dabei in die Tasten und spielt einzelne Töne. Die Gesangsschülerin singt sie nach. „Bis in die Fersen atmen“, fordert Scherl, die ausgebildete Konzertsängerin ist und selbst regelmäßig Gesangsunterricht nimmt. „Das ist wie Training, und selbst Plácido Domingo ist noch bei seinem Gesangslehrer“, sagt Scherl. Für Kathrin Rademacher seien vor allem die „Ermunterung und das Mutmachen“ während des Unterrichts wichtig.

So machen Sie mit

Am 3. August verlosen wir eine exklusive, professionelle Gesangsstunde bei der klassisch ausgebildeten Sängerin Annette Scherl. Anfängerinnen und Anfänger, interessierte Hobbysänger und Chorsängerinnen sind willkommen. Wer mitmachen möchte, findet die Angaben in der gedruckten Ausgabe oder im E-Paper. Damit Sie keine Verlosung oder Aktion verpassen, bieten wir ein Abonnement für die Zeit der Aktion an. Alle Infos zum Sommerabo.

Ab dem 9. August bietet Annette Scherl den Unterricht im Wiesbadener Kulturtreff „Das Gartenhaus“ an. Dabei wird mit Plexiglas-Schutzscheibe und regelmäßiger Raumdurchlüftung auf Hygiene geachtet. Alle Infos unter: www.stimmvolumen.de red

Vor anderthalb Jahren hat sich die Frankfurterin, die vor vier Jahren aus Hamburg an den Main gezogen ist, ein Herz gefasst und nach zwei Probesingen bei anderen Gesangslehrerinnen Annette Scherl als ihre Mentorin ausgewählt. „Die Chemie stimmt einfach“, sagt Rademacher, die sich auch mal Input aus Youtube-Videos hole. Es ist jedoch zu spüren, dass die physische Verbindung mehr transportiert, obwohl Lehrerin Scherl bedauert, ihrer Elevin coronabedingt nicht aus der direkten Nähe Hilfestellung geben zu können.

Hinter ihrer transparenten Trennwand lässt die gebürtige Würzburgerin Übungen mehrmals wiederholen, lobt, motiviert und kritisiert. Zwischendurch lockert die Unterfränkin die Stimmung durch Situationskomik auf.

Mit Online-Unterricht habe sie es zu Beginn der Pandemie auch versucht, aber das ersetze keinesfalls den persönlichen Kontakt, zumal Verzögerungen bei der digitalen Übertragung das Unterrichten erschwerten.

Nach der Stunde sagt Rademacher: „Ich bin schon sehr erschöpft, Singen ist auch anstrengend.“ Vor allem bei der Atmung könne man sich sehr verausgaben, fügt sie hinzu. 60 Euro kostet eine Gesangsstunde bei Annette Scherl. Zur Stimmausbildung könnten Jugendliche ab 15 Jahren kommen. Vorher sei die Stimme noch nicht genug ausgereift. Bis ins hohe Alter könne man singen lernen. „Mein ältester Schüler war 80“, sagt Scherl. Voraussetzung für den Gesangsunterricht sei ein „gutes Gehör“.

Annette Scherl begleitet ihre Schülerin am E-Piano.

Für Nike Tiecke, die schon mit drei Jahren im Chor bei den Eltern mitgeträllert habe, wie sie erzählt, bedeutet Singen „die Beschäftigung mit einem selbst“. Die 26-Jährige komme „aus dem Musical“, wie sie sagt. „Der Musical-Gesang ist schön, aber im Umfang begrenzt. Deshalb bildet die Sopranistin gemeinsam mit Scherl ihre Stimme für den „organischeren“ Operngesang weiter. Zum Singen allgemein sagt sie: „Es ist nicht wie bei einer Gitarre, an der man ein paar Knöpfe dreht, man ist das Instrument selber.“ Intensiv trainiert die Kriftelerin seit zwei Jahren ihre Stimme für klassische Musik, macht zu Hause ihre Atemübungen, nimmt sich beim Üben auf und bereitet ihre Gesangsstunden gründlich vor und nach, „wie ein Privatstudium“, so Tiecke.

Das hat ihr zuletzt die Hauptrolle in einer klassischen Operette eines kleinen Münchener Opernhauses eingebracht. Barfuß, mit festem Stand, die Augen weit geöffnet und den Blick zur Lehrerin gerichtet, mimt die gebürtige Hildesheimerin beim Unterricht die junge Despina aus Mozarts „Così fan tutte“ („So machen sie’s alle“). Die Frauen tauschen sich über den Charakter der Rolle aus. „Die ist einfach frech“, sagt Annette Scherl und gibt den Ratschlag: „Schau mal, dass du im Hals alles gehen lässt.“

Wichtig seien ihr genau diese Beobachtungen und Rückmeldungen ihrer Lehrerin, sagt Tiecke. „Gesangslehrer hören, wie Töne schwingen.“ Und sie fügt hinzu: Sie korrigierten eine falsche Körperhaltung, wenn sie beispielsweise „bei hohen Tönen den Kopf hebe und die Muskulatur anspanne“.

Ziel des Singens solle es sein, frei zu klingen und von den Emotionen her geleitet zu werden – auch hier sind die Gesangskünstlerinnen auf einer Wellenlänge.

Wir begleiten Sie durch die Sommerferien – mit Freizeittipps und exklusiven Erlebnissen. Für Leserinnen und Leser unserer gedruckten Zeitung und des E-Papers gibt es zudem Rabattaktionen und Gewinnspiele. Damit Sie keine Folge verpassen, bieten wir Ihnen unser attraktives, zeitlich beschränktes Sommerabo zum Vorteilspreis an.

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