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Im Kuhstall auf dem alten Hof in Wallernhausen dürfen die Kinder beim Füttern helfen – wenn sie das wollen. Fotos: Jutta Degen-Peters.
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Im Kuhstall auf dem alten Hof in Wallernhausen dürfen die Kinder beim Füttern helfen – wenn sie das wollen.

„Ferien zu Hause“

Ferien auf dem Biobauernhof: Füttern, misten, melken

Auf einem Biohof in Wallernhausen bei Nidda erfahren Kinder und Erwachsene Landwirtschaft mit den eigenen Händen - mit dabei Kühe, Hühner, Katzen, Schwalben und eine Gans.

Stolz watschelt die Gans Sissi mit ihrem adoptierten Hühnerküken über den Hof. Schnurstracks geht es in den Stall, in dem 40 Kühe und Kälbchen genüsslich ihr frisches Gras futtern. Von den Schwalben, die in den Stall fliegen, um die Jungen in den an der Decke klebenden Nestern zu füttern, sind allenfalls die Neuankömmlinge am Hof in Wallernhausen bei Nidda beeindruckt – aber auch Wolfgang Koch, Landwirt in dritter Generation, erfreut sich immer wieder an diesem Anblick.

Gerade ist er mit dem Traktor vom Feld zurückgekommen, wo er eine selbst gebraute Kräuterjauche ausgebracht hat, um das Getreide gegen Schädlinge zu stärken. Jetzt spricht er mit seiner Lebensgefährtin Ulrike Fleischer: Denn eine Gruppe aus dem südhessischen Ober-Ramstadt ist zu Besuch und will den Hof kennenlernen.

Ferien auf dem Bauernhof: Hotel für Jugendgruppen

Mit seinem Biohof hat Koch 2017 den Sprung in die Demeterklasse gewagt, eine besonders nachhaltige Form der Landwirtschaft. Zudem unterhalten Koch und Fleischer ein Kinderhotel: Gruppen mit bis zu 32 Personen können hier Ferien auf dem Bauernhof machen. „Es sind überwiegend Kinder- und Grundschulkinder, die zu uns kommen“, sagt Ulrike Fleischer. Sie lernen hier, wie man achtsam mit der Natur und den Tieren umgeht.

Der Bauernhof

„Im alten Hof“ heißt der Biobauernhof von Wolfgang Koch im Niddaer Ortsteil Wallernhausen in der Wetterau. Der Ort liegt fast zentral zwischen Fulda, Marburg und Frankfurt. Hier können Familien und Gruppen Urlaub machen.

Das mehrstöckige Kinderhotel (nur für Selbstversorger) hat sechs Zimmer mit 32 Betten und kostet pro Tag 320 Euro. Das Wanderstübchen (eine kleine Ferienwohnung) kostet 50 Euro pro Tag. Für Kindergruppen (mit Vollverpflegung) gibt es eine Staffelung von 37 bis 47 Euro pro Kind und Tag. Alle Infos unter :www.biobauerkoch.de

Der Demeter-Hof hat einen kleinen Hofladen. Ulrike Fleischer bietet Kurse an (Programm im Internet). Zudem hat Wallernhausen ein kleines Freibad zu bieten und einen Dorfladen (betrieben von der Caritas)

„Wir wollen unseren Gästen die Faszination des Landbaus, der Natur und der Tierhaltung nahe bringen“, ergänzt Wolfgang Koch. Wenn er in seinem Traktor durch das Dorf oder die angrenzenden Ortschaften fährt, merkt man ihm die Freude an seinem Beruf an. Viele Kindergarten- und Schulkinder kennen den „Bauer Wolfgang“. Und auch die Eltern in der Nachbarschaft wissen gleich Bescheid, wenn von ihm die Rede ist. Viele haben ihn selbst schon als Kinder erlebt.

Vor der Pandemie war das Kinderhotel, ein gemütliches Haus mit Natursteinwänden, viel Holz, tiefen Fenstern und einem großen Garten mit Blick auf die Tiere, meist ausgebucht. Viele Gruppen kamen von montags bis mittwochs und von mittwochs bis freitags, die Wochenenden waren belegt mit Privatpersonen. Vereins-, Fahrrad- oder Wandergruppen, Familien, die sich in dem in der Mitte Deutschlands gelegenen Wallernhausen zu Familientreffen einfanden, oder befreundete Paare, die mit ihren Kindern in paar Tage fernab der städtischen Hektik verbringen wollten.

Ferien auf dem Bauernhof: Kühe, Hühner, Katzen und eine Gans

An diesem idyllischen Ort fühlen sich alle gut aufgehoben. Die Kinder dürfen in dem Vollerwerbsbetrieb mit 104 Hektar Anbaufläche, mit Kühen, Hühnern, Katzen und einer Gans nicht nur von weitem schauen und allenfalls mal die Kälbchen streicheln, sondern sie dürfen selbst mit anpacken: füttern, misten, melken – alles ist erlaubt und sogar erwünscht.

Auch die Familiengruppe aus Ober-Ramstadt packt ordentlich mit an: Sechs Jungen wuseln im Kuhstall herum und verteilen mit den Mistgabeln das Futter. „Dass man hier auch richtig mithelfen darf, finde ich richtig cool“, sagt der 13-jährige Joris. Angst vor den Tieren hätten sie nicht, betont der zehnjährige Gunnar. „Aber Respekt hab‘ ich schon, besonders vor der Gans.“ Niklas, 8, und Oskar, 5, durften am Morgen sogar auf dem Trecker mitfahren. Und auch Sven und Paul, die Kleinsten in der Runde, werden mit einbezogen.

Die Landwirtschaft zum Anfassen ist auf dem Biohof Programm. So bekommen die Kinder ein ganz anderes Verhältnis zu dem, was am Ende im Trinkbecher oder auf dem Teller landet. Oft staunen sie darüber, wie viel so eine Kuh frisst, und wie viel Mühe es macht, dieses Futter im Stall zu verteilen – vom Anbau, der Ernte und dem Einbringen ganz zu schweigen.

Nicht nur die Kühe, Ziegen, Hühner und Katzen haben es den Kindern angetan. Auch der Traktor ist für sie eine spannende Angelegenheit.

Die Gemeindepfarrerin Vera Langner aus Ober-Ramstadt, die mit ihrem Mann, drei Söhnen und deren Familien in Wallernhausen einen Kurzurlaub verbringt, ist glücklich über die Fügung, durch die sie auf den Biohof gestoßen ist. Sie suchte vergangenes Jahr einen Ort, an dem sie mit den Söhnen und deren Familien aus Darmstadt, Ober-Ramstadt und Leipzig am 60. Geburtstag eine gute Zeit verbringen konnte. „Wegen Corona war in Wallernhausen im Familienhotel etwas freigeworden“, sagt sie. Der damalige Urlaub sei so schön gewesen, dass sich die Familie in diesem Jahr gleich wieder hier verabredet hätte.

Ferien auf dem Bauernhof: Lernen, wie man mit den Tieren umgehen sollte

„Hier sind wir alle entspannt, die Gastgeber, Eltern und Großeltern und die Kinder“, findet Langner. Sie ist selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen und erlebt hier eine Anknüpfung an die eigene Kindheit.

Das Konzept und die Philosophie auf dem Biohof sagen ihr als Pfarrerin besonders zu: Es gehe darum, dass man nicht immer nur nehme, sondern auch etwas zurückgebe, wie es Ulrike Fleischer erklärt. Dies gelte für die Pflanzen- und die Tierwelt gleichermaßen. Und darauf werden die Gäste bei der Ankunft eingestimmt.

Fleischer, die meist in blauer Latzhose unterwegs ist, nimmt zunächst alle mit auf eine Einstimmungsrunde. Kinder und Erwachsene erfahren, wie man umgehen sollte mit den Tieren. Sie lernen, dass ein Kuhfladen nicht „Iiiih“ ist, sondern ein Kleinbiotop und somit auch wertvoller Dünger. „Die Kinder merken hier, dass das echt ist“, sagt Bauer Koch. Und sie wüssten sehr bald, was sie dürfen und was nicht. Darüber hinaus gebe ihnen der Au-fenthalt auf dem Bauernhof die Gelegenheit, ihre eigenen Stärken auszuleben.

Biobauer Wolfgang Koch und seines Lebensgefährtin Ulrike Fleischer auf dem Hof in Nidda-Wallernhausen.

Für Koch und Fleischer ist die Möglichkeit, Kinder mit dem Leben auf dem Land und mit der Natur vertraut zu machen, eine Art Investition in die Zukunft. „Was hier geschieht, ist Bewusstseinsbildung“, sagt Koch. Am schönsten sei daran, „dass es ganz von alleine geschieht, einfach dadurch, dass die Kinder die Tiere und die Arbeit auf dem Hof hautnah erleben dürfen“. (Von Jutta Degen-Peters)

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