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Feierabend-Fete auf dem Fluss

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Drinks, Musik und ein tolles Panorama – mehr brauch eine gelungene Feierabend-Fete nicht. Foto: Kunze
Drinks, Musik und ein tolles Panorama – mehr brauch eine gelungene Feierabend-Fete nicht. © Holger Menzel

Mit dem „After-Work-Shipping“ derPrimus-Linie im Sommer unterwegsEin Erfahrungsbericht von Romina Kunze

Lautes Lachen schallt aus dem Innenraum der „Nautilus“, als ich als Nachzüglerin um 19.30 Uhr an Bord gehe. Eine Gruppe Frauen mittleren Alters hat sich auf einer der Sitzgruppen niedergelassen und stößt mit Aperol-Spritz an. „1, 2, 3, 4 – Proooooooooost“, flötet es feuchtfröhlich aus ihrer Richtung. Vermutlich nicht ihre erste Runde. Dass das Begrüßungskomitee bei meiner ersten Fahrt mit der Primus-Linie so ausfallen würde, hatte ich nicht erwartet.

Noch am Anleger unterhalb des Eisernen Stegs werden meine Vorurteile über die Gäste des Frankfurter Flussfahrten-Anbieters zurechtgerückt. Hatte ich überwiegend mit Menschen Mitte der Sechziger gerechnet, die an einem lauen Sommerabend eine Stunde über den Main schippern und den Tag behutsam ausklingen lassen wollen, verrät mir schon die laut dröhnende Musik des herannahenden Bootes, dass mich ein ganz anderer Abend erwarten wird. Und ein anderes Publikum.

Tatsächlich bin ich mit Anfang 30 nicht nur Teil einer bunt gemischten Menschenmenge, sondern auch absolut im Altersdurchschnitt. Da sind die jungen Kolleginnen, die nach der Arbeit einfach noch ein bisschen tanzen wollen, die Männer in Anzughosen, mit hochgekrempelten Ärmeln und lässig aufgeknöpften Hemdkragen und nicht zuletzt das Pärchen, dem nicht nur frisches Gemüse-Panini, Weizen und Weißwein-Schorle, sondern auch der traumhafte Sonnenuntergang wie auf dem Silbertablett serviert wird.

Die Karnevalistinnen der Narrenzunft Mittelkalbach feiern beim Afterwork auf der Primus Linie. Foto: Kunze
Die Karnevalistinnen der Narrenzunft Mittelkalbach feiern beim Afterwork auf der Primus Linie. © Romina Kunze

Zumindest in einem Punkt liege ich bei meiner Erwartung richtig: Es ist ein lauer Sommerabend, an dem ich die After-Work-Rundfahrt mitmache. Und schon fünf Minuten nach dem Ablegen lohnt es sich, die Handykamera zu zücken: Im Rücken verschwindet die Sonne allmählich hinter der Bankenstadt, die wir flussaufwärts gen Offenbach zurücklassen. Ein Anblick wie gemacht für ein Selfie. Und auch das Panorama aus beleuchteten Bankentürmen und Brücken, das sich auf dem Rückweg bietet, muss unbedingt festgehalten werden.

Vor dem DJ auf dem Sonnendeck versammeln sich mehr und mehr Tanzfreudige, während an den Ufern die EZB, der Hafenpark, die Gerbermühle und schließlich Offenbach an uns vorbeiziehen. Die „Nautilus“ schippert in zwei Achten – einer großen Tour ab 18.30 Uhr und einer kleinen mit Zustieg eine Stunde später – den Main auf und ab. Unter jeder der vielen Brücken auf der Route wird es laut: Der Ruf nach dem Feierabend ertönt wie aus einer Kehle – „Wuuuuh“. Auch der Main zeigt sich in Feierlaune und wirft uns den Jubelschrei zurück. Dann dreht die „Nautilus“ kurz vor Rumpenheim wieder um.

Auf der Tanzfläche treffe ich die Frauen von vorhin wieder. 17 sind es an der Zahl, eine Fassnacht-Truppe aus der Nähe von Fulda. Ich frage sie, ob es einen besonderen Anlass zum Feiern auf dem Party-Boot gibt. „Wir können immer feiern“, entgegnet eine von ihnen. Alle lachen. Vor Corona sind die Frauen häufig gemeinsam unterwegs gewesen. Während der Pandemie fielen die Ausflüge ins Wasser. Jetzt, solange es noch geht, wollen sie sich mal wieder etwas gönnen. Eine Bekannte hat ihnen das Angebot der Primus-Linie ans Herz gelegt. Und dank des 9-Euro-Tickets mussten sie nicht lang überlegen.

Primus Linie: laute Musik und Gute Stimmung

Nicht nur für die Frauen von der Narrenzunft Mittelkalbach ist die After-Work-Tour eine willkommene Gelegenheit, mal wieder auf den Putz zu hauen. Viele scheinen das Angebot als einen Club-Ersatz zu sehen. Nach Feierabend vom Büro direkt an Bord. Loslegen zur goldenen Stunde statt kurz vor Mitternacht, heimkommen um 23 Uhr statt um 6 Uhr in der Früh. Bezahlbare Longdrinks und Cocktails, der Sternenhimmel als Disco-Kugel. Und wenn der DJ „Friday“ auflegt, kommt Wochenendstimmung auf; auch an einem Donnerstag.

Von der Goethestraße an den Mainkai ist auch eine Gruppe IT-Spezialisten dem Ruf lauter Musik und guter Stimmung gefolgt. Die Feierabend-Fete auf dem Fluss – ein lang geplanter Betriebsausflug der Dienstleister. Mit der gesamten Belegschaft wolle man die gute Atmosphäre genießen und wieder mehr zusammenfinden, erklärt der Chef das außerdienstliche Meeting. Mir gefällt die Vorstellung einer Schifffahrt, die Menschen näher zusammenbringt.

Die „Nautilus“ liegt vor der Frankfurter Skyline und dem Eisernen Steg. Foto: Kunze
Die „Nautilus“ liegt vor der Frankfurter Skyline und dem Eisernen Steg. © Romina Kunze

Und auch wer noch im Home-Office arbeitet, kommt abends nach getaner Arbeit gerne an Deck zur ausgelassenen Feier. Laptop zuklappen, von der eigenen Haustür aus losziehen, die Freundinnen treffen – das neue After Work. Davon erzählen mir die fünf jungen Frauen, die mir einen Drink ausgeben wollen, als ich sie vorsichtig auf Mitte 20 schätze. Gute Laune scheint ansteckend zu sein an Deck der „Nautilus“, wo der 60-jährige Junggeselle laut zu Cordula Grün mitsingt und die Generation Z Foxtrott zu Matthias Reim tanzt. Umso später der Abend wird, umso lauter hallt auch mein „Wuh“ unter jeder Brücke. Endstation: Eiserner Steg. Das letzte „Wuh“ klingt müde, aber glücklich. Dann ziehen die Fuldaer-Närrinnen mit einer Polonaise von Bord, die Musik verstummt, und der DJ wünscht allen eine gute Nacht. Feierabend vom Feier-Abend.

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