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Ein Bett unterm Sternenhimmel

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Von: Clemens Dörrenberg

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Traumhafte Landschaft, die Erholung verspricht. Foto: Dörrenberg
Zwischen grasenden Pferden steht er Sternenwagen am Ortsrand von Bernshausen © Clemens Dörrenberg

Im „Landhotel Zur grünen Kutte“ in der Rhön lässt sich die Milchstraße durch eine Decke aus Glas beobachten

An einem Abend im August stehen Regina und Ingo Daniel kurz vor Sonnenuntergang am Rand des kleinen thüringischen Rhönörtchens Dermbach-Bernshausen. Pferde grasen nebenan auf einer Weide und vor einem Stall. Ringsherum verlaufen malerisch die Hügel der Rhön, dazwischen Täler, Wälder und Wiesen. Doch erst wenn es dunkel wird, wird es richtig spannend. Ihr besonderes Hochzeitsgeschenk, das die Daniels hierher geführt hat und das sie für zwei Nächte bewohnen dürfen, steht hinter ihnen. Der Rhöner Sternenwagen: ein luxuriös ausgebauter Anhänger mit Glasdach zum Betrachten des nächtlichen Himmels. Eine Nacht hat das Paar aus Heidelberg bereits im Bett unter dem durchsichtigen Dach verbracht. „Wir haben uns einfach nur gefreut, dass wir so viel vom Sternenhimmel gesehen haben“, sagt Regina Daniel mit leuchtenden Augen.

Ihr Mann legt den Kopf in den Nacken und schaut nach oben. Dann sagt der 44-Jährige gedankenverloren: „Es war tatsächlich sternenklar“. Etwa eine dreiviertel Stunde hätten die beiden vor und nach Mitternacht den dunklen Himmel betrachtet, berichtet das Paar, das vor zwei Jahren geheiratet hat. „Im Hotelzimmer hätten wir sonst ferngesehen“, fügt Regina Daniel hinzu. Nachts, als die 51-Jährige kurz aufgewacht sei, habe sie festgestellt, „dass die Sterne weiter gewandert sind“, dass sich die Erde also weitergedreht hätte.

Unten im Ort, nur wenige Schritte entfernt, betreibt die Familie Heidinger, die den Sternenwagen gemeinschaftlich ersonnen und gebaut hat, seit fast 160 Jahren das „Landhotel Zur grünen Kutte“. Versprechen kann Mandy Heidinger-Peter, die das Hotel in sechster Generation führt, eine freie Sicht auf die Sterne zwar nicht. Aber die Chancen stehen in der Rhön bundesweit mit am besten. Immerhin ist die Lichtverschmutzung in dem Unesco-Biosphärenreservat so gering, dass die Rhön zu einem von nur drei Sternenparks in ganz Deutschland ernannt wurde. Neben der Rhön, mit ihren Gebieten in Hessen, Bayern und Thüringen, gehören das Westhavelland in Brandenburg sowie die Eifel in Nordrhein-Westfalen dazu.

Einer von drei Sternenparks in ganz Deutschland

In dem relativ bevölkerungsarmen Landstrich im thüringischen Wartburgkreis, rund 40 Kilometer südlich von Eisenach und in der Nähe des Kurorts Bad Salzungen, sollen die Sterne nachts besonders hell leuchten. Jedenfalls verziehen sich selbst nach einem bedeckten Augusttag die Wolken und geben etwa eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang den Nachthimmel mit dem Großen Wagen, dem besonders hell leuchtenden Polarstern und dem Kleinen Bären, dessen Schwanzspitze der Polarstern markiert, frei.

„Mir war als Kind gar nicht bewusst, dass wir praktisch einen anderen Himmel haben als in Frankfurt“, sagt Junior-Hotelchefin Mandy Heidinger-Peter und lacht. Vor fünf Jahren haben sie und ihre Familie den Sternenwagen nach vielen Arbeitsstunden fertiggestellt und auf die kleine Wiese zwischen die Ställe ihrer „Stockborn Ranch“ gezogen, wo die Heidingers Westernreiten für ihre Gäste anbieten.

„Wir müssen uns immer was Neues einfallen lassen“, sagt die Hotelbesitzerin. Weil zu DDR-Zeiten, als die Mauer noch stand, Ferien im Grenzgebiet zur BRD verpönt gewesen seien, hätte sich das malerische Fleckchen lange Zeit nicht als Urlaubsziel etabliert. Dabei weiß Seniorchefin Gundi Heidinger das Besondere ihrer Heimat in einem Satz zusammenzufassen: „Nur bei uns in der Thüringer Rhön sind die Berge so eng zusammen.“ Im hessischen Teil lägen die Erhebungen weiter auseinander und der bayerische Teil gelte als „Hochplateau“. Vielen bekannt sei die Gegend jedoch noch immer nicht, berichtet die 66-Jährige.

Landhotel Zur grünen Kutte: Der Sockel ist ein alter DDR-Bauwagen

Um auf sich aufmerksam zu machen, erfindet sich die Familie aus dem 120-Seelen-Örtchen, das in Sommermonaten durch die Besucherinnen und Besucher zu einem doppelt so großen Feriendorf wächst und trotzdem ruhig und verschlafen bleibt, deshalb immer wieder neu. Neben Reitkursen für Erwachsene gehört nun auch der Sternenwagen mit dazu.

Auf dem Gestell eines ausrangierten DDR-Bauwagens haben die Heidingers mit Hilfe eines Blockhausbauers aus der Region ein Holzgerüst gebaut, verkleidet und hochwertig eingerichtet. Platz finden auf 20 Quadratmetern ein Bad mit Natursteinwaschtisch und Regendusche, der Wohnbereich mit Couch und TV, eine Miniküche sowie das 1,80 Meter breite Doppelbett unter dem verglasten Dach. Sterne sind im Wagen fast überall abgebildet, etwa auf Kissen, Decken und Tassen. Daneben machen ein Holzofen, eine Fußbodenheizung und ein elektrischer Heizstrahler den Wagen auch in kalten Nächten nutzbar.

Das Gefährt, das nicht mehr bewegt werden soll, wird dementsprechend das ganze Jahr über gebucht. Aufwendig wurden außerdem Wasser- und Stromanschluss verlegt. Mandys Mann Steffen Peter ist Baggerfahrer und hat dafür eine eigene Klärgrube ausgehoben. Von insgesamt „700 Arbeitsstunden“ spricht er. Die gesamte Umsetzung für die exklusivste Übernachtungsmöglichkeit im Ort hat eine höhere fünfstellige Summe verschlungen und der Familie den thüringischen Innovationspreis eingebracht. So erklären sich die stolzen Kosten von 180 Euro pro Nacht für zwei Personen, an Wochenenden mit 30 Euro Aufschlag.

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