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Der Weg zum Brot: sich an Ähren bewähren

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Von: Nicole Jost

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Wie Brot entsteht, vom Ernten des Dinkels bis zum Backen, lernen die Kinder auf dem Birkenhof. Mit dem Dreschflegel hauen sie erstmal die Körner aus den Ähren
Wie Brot entsteht, vom Ernten des Dinkels bis zum Backen, lernen die Kinder auf dem Birkenhof. Mit dem Dreschflegel hauen sie erstmal die Körner aus den Ähren © Nicole Jost

Eier, Nudeln, Tomatensoße gibt’s im Supermarkt – aber wo kommen die Lebensmittel wirklich her, wie entstehen sie? Das lernen und erfahren Kinder auf dem Birkenhof in Egelsbach

Unweit vom Industriegebiet Egelsbach mit seinen vielen Großmärkten und Unternehmen gibt es nur 20 Minuten von Frankfurt entfernt ein Kleinod, das man inmitten des Ballungsraums kaum vermutet. Der Birkenhof der Familie Eckert ist ein landwirtschaftlicher Betrieb und zugleich ein Kinderparadies mit pädagogischem Anspruch, in dem viel Zeit bleibt, um zu lernen, aktiv zu sein und voller Neugier das Landleben zu entdecken.

Die kleine Annabel holt weit mit dem Dreschflegel aus. Die Vierjährige kann erstaunlich gut mit dem dicken Holzstiel, der daran befestigten kurzen Kette und dem Holzklotz hantieren. Mit einem Schwung über ihre Schulter drischt das Mädchen auf den Bund Dinkel auf der Plane ein. Mit einem breiten Lächeln beobachtet sie, wie sich immer mehr Körner auf der schwarzen Folie ausbreiten.

Sozialpädagogin Lena Schneider zählt laut mit. Jedes der zwölf Kinder, die gerade in zwei Reihen geduldig warten, darf den Flegel fünfmal auf das Getreidegebinde fallen lassen. „Ihr macht das großartig; schaut mal, wie viel Dinkel wir schon für unser Brot gewonnen haben“, ermuntert Schneider die kleinen Hobby-Landwirte.

Birkenhof in Egelsbach: Programm für Kitas, Schulen und Familien

Einmal im Monat kommen die Kindergartenkinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren auf den Birkenhof, um gemeinsam mit Lena Schneider hinter die Hoftore zu blicken. Sie gehen aufs Feld, füttern die Tiere, und heute steht das Thema Getreide auf dem Programm des Lernbauerhofs. An Ostern haben sich die Jungen und Mädchen mit dem Huhn und seinen Eiern beschäftigt, haben viel über Bienen und Honig gelernt, Erdbeeren genascht und eigene Kartoffeln angepflanzt, die bei dem nächsten Treffen geerntet und zu köstlichen Pommes verarbeitet werden sollen.

„Wir sind ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb und bewirtschaften 80 Hektar Land mit Getreide und Streuobstwiesen, davon zwei bis drei Hektar Gemüse“, erläutert Annika Eckert, die als Landwirtstochter in Egelsbach aufgewachsen ist. Die ausgebildete Ergotherapeutin hat vor wenigen Jahren den an den Bauernhof angegliederten Verein für Bauernhofpädagogik und tiergestützte Therapie initiiert. Seitdem gibt es Angebote für Kinder, Familien, Schulklassen, Kindergärten und Therapiemöglichkeiten für Kinder mit Handicaps, Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsproblemen oder motorischen Einschränkungen.

Birkenhof in Egelsbach: Die Spaghetti-Acker-Gruppe kocht bald

An vielen Tagen sind die Kindergartengruppen und Schulklassen zu Gast. Während es bei den Jüngsten meist darum geht zu erklären, wo das Gemüse auf den Feldern wächst, sind die Schulklassen oft gezielt zu Sachunterrichtsthemen auf dem Hof. „Aus diesen vielen Begegnungen mit den Kindern ist die Idee entstanden, die Gelegenheit zu bieten, einen ganzen Jahreskreislauf bei uns zu erleben“, berichtet Eckert, die das Programm im Ehrenamt und mit viel Herzblut entwickelt. Vier ausgebildete Pädagoginnen arbeiten im Team und betreuen drei Bauernhofgruppen für das Kindergartenalter.

Auch eine sogenannte Spaghetti-Acker-Gruppe trifft sich regelmäßig auf dem Birkenhof: „Mit diesen Kindern haben wir einen Acker im Garten angelegt, auf dem alles wächst, was zu einer Portion Spaghetti mit Tomatensoße benötigt wird. Weizen für die Nudeln, Tomaten, Basilikum. Der Höhepunkt ist der Tag der Ernte, an dem wir Nudeln machen und über dem Lagerfeuer die Spaghetti kochen“, erzählt Eckert voller Vorfreude.

Immer fleißig kneten.
Immer fleißig kneten © Nicole Jost

Zurück zu den kleinen Getreideverarbeitenden Inzwischen haben die Kinder die Körner zusammengesammelt. Nach einer Pause, in der auf dem großen Strohballen gespielt und getobt wird, versammeln sich alle unter dem Dach an den Tischen im Garten. Mit zwei Steinen und alten Mühlen mahlen die Kinder Mehl. Ein bisschen schummelt Lena Schneider: Sie holt eine Packung Dinkelmehl und lässt einen Teig für Fladenbrote kneten. Herrlich, wie die Jungen und Mädchen fast bis zu den Ellenbogen in der klebrigen Masse stecken.

Während die Pädagogin die Fladen in dem heißen Öl in der Pfanne über dem Lagerfeuer backt, besuchen die Kinder die Tiere im Stall. Die Regeln sind klar: Niemand rennt, niemand schreit, und den Kühen wird das Heu nur vor die Mäuler gelegt. Den Pferden dürfen sie es aus der Hand füttern. Die Tiere kennen diese Besuche. Entspannt schlendern sie von draußen in das Stallgebäude, genießen freundlich die Extraportion Heu und lassen sich geduldig tätscheln. Wie im Flug sind die zweieinhalb Stunden Abenteuer auf dem Bauernhof vorbei. Mit den noch warmen Fladenbroten in den Händen werden die kleinen Besucherinnen und Besucher müde, dreckig und glücklich den schon wartenden Eltern am Hoftor übergeben.

„Ich finde das Konzept großartig; schon meine beiden älteren Kinder lieben den Birkenhof. Die Kinder verbringen Zeit in der Natur, lernen, wo unsere Lebensmittel herkommen, und verstehen in diesem Alter bereits, was Verantwortung für Tiere bedeutet“, lobt Imke Wieser das pädagogische Konzept des Lernbauernhofs. Der Birkenhof hat für die ganze Familie was zu bieten: Zu den interaktiven Bauernhofführungen können sich Interessierte einmal im Monat anmelden, und dabei bekommen Eltern und Kinder gemeinsam einen Einblick ins Landleben.

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