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Zoo Frankfurt Der Duft der Frösche

Die Amphibien-Expertin Lisa Schulte ist nicht nur im Regenwald unterwegs. Die Wissenschaftlerin ist zur Professorin für Zootierbiologie in Frankfurt berufen worden.

Lisa Schulte
Lisa Schulte weiß sogar, wie Pfeilgiftfrösche schmecken. Foto: Peter Jülich

Schmuck sehen die neonbunt gemusterten Pfeilgiftfrösche aus, die in den Regenwäldern Süd- und Mittelamerikas leben. „Dass sie aber auch liebevolle Eltern sind, ist vielen nicht bekannt“, sagt Lisa Schulte, die neue Professorin für Zootierbiologie in Frankfurt. Eine fürsorgliche Brutpflege ist auch dringend geboten, denn der frisch geschlüpfte Froschnachwuchs hat kannibalische Geschwister. Im Klartext bedeutet das: Die eine Pfeilgiftfroschkaulquappe frisst die andere einfach auf. Doch die Natur hat für dieses Problem eine Lösung parat, der Lisa Schulte mit knapp tausend Plastikbechern, die sie im Regenwald Perus aufhängte, auf die Spur kam.

Die auch Baumsteigerfrösche genannten Amphibien klettern zum Laichen auf Pflanzen und Bäume und legen ihre Eier in mit Wasser gefüllte Blattachsen. Aber woher weiß so ein Papa-Frosch, dass in einer mit Wasser gefüllten Pflanze wie der Bromelie bereits eine kleine hungrige Kaulquappe nur darauf wartet, ihr Geschwisterchen aufzufressen? Nach welchen Kriterien entscheidet sich der Vater ausgerechnet für einen anderen Pool, der noch frei ist? In ihrem Feldlabor beobachtete die junge, mit Bestnoten ausgezeichnete Wissenschaftlerin das Verhalten der Amphibien und konnte in Folge ausschließen, dass dies auf visuellem Weg geschieht.

Schließlich markierte sie einen Teil der Plastikbecher mit chemischen Botenstoffen, die auch die Kaulquappen produzieren, und siehe da: War ein mit Wasser gefüllter Becher tatsächlich mit diesen Pheromonen versehen, machten die fürsorglichen Froschväter lieber einen Bogen darum und brachten den Nachwuchs stattdessen zu einem geruch- und in dem Fall gefahrlosen Becher.

 

Es gibt weitere Besonderheiten: Obwohl die Frösche, die oft nur einen Zentimeter messen, so klein sind, haben sie eine Lebenserwartung von rund 20 Jahren, schätzt Schulte. „Nur wenige Arten sind giftig. In freier Wildbahn essen die Frösche Ameisen und sammeln so Giftstoffe an, die sie wiederum vor Fressfeinden wie Schlangen schützen.“

Internationale Erfahrung

Auch die Farbe soll der Schlange signalisieren, dass der hüpfende Leckerbissen ihr nicht gut bekommt. Schulte weiß, wovon sie redet. „Wenn man an ihrer Haut leckt, schmecken sie bitter.“ Wenn man die Forscherin so reden hört, fühlt man sich spontan an Grimms Märchen vom Froschkönig erinnert.

Die Amphibienexpertin ist nun auf die neu geschaffene Stiftungsprofessur für Zoo-/Wildtierbiologie und Systematik berufen worden, die an der Frankfurter Goethe-Uni angesiedelt ist. In enger Kooperation mit dem Frankfurter Zoo wird sie die anwendungsorientierte sowie interdisziplinäre Grundlagenforschung weiter ausbauen.

Im Auswahlverfahren sei Lisa Schulte aufgrund ihrer Qualifikation herausgestochen, betont Sven Klimpel, Projektinitiator und Dekan der Biowissenschaften an der Goethe-Uni, der mit 38 Professuren einer der größten Fachbereiche seiner Art in Deutschland ist. Ihre Promotion schloss Schulte, Jahrgang 1983, mit Bestnote ab.

Mit Studierenden zum Zoo

Anschließend sammelte sie international Erfahrungen, forschte an der East Carolina University an der Ostküste der USA, führte Feldstudien in Peru und Mexiko durch und beschäftigte sich zuletzt an der Universität Brüssel damit, wie Frösche mittels Sexuallockstoffen (Pheromonen) kommunizieren. „Es gibt Hinweise, dass die chemische Kommunikation auch bei Fischen, Vögeln und Reptilien weiter verbreitet ist als bisher angenommen“, sagt Schulte.

Den Zoo zu Forschungszwecken nutzen zu können, könne die Arbeit erheblich erleichtern – gerade bei Arten, „mit denen es sich in der freien Wildbahn als schwierig erweist“, sagt Lisa Schulte. Die Forschung mit Zootieren biete die „einmalige Chance, Wissenslücken zu schließen“, betont auch Zoodirektor Miguel Casares. Die gemeinsame Forschung habe eine jahrhundertealte Tradition, rief Ina Hartwig in Erinnerung. Die Wissenschaftsdezernentin der Stadt Frankfurt verspricht sich zudem von der neuen Professur wichtige Erkenntnisse für den Arten- und Naturschutz. Neben Bildung und Erholung sei das eine Hauptaufgabe moderner Zoos.

Zudem plant Schulte, Studierende in die praktische Arbeit im Frankfurter Zoo einzubinden. Das entsprechende Modul zur Zoo- und Wildtierbiologie im Masterstudiengang Ökologie und Evolution ist bereits stark nachgefragt.

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