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Studienförderung Nach dem Bachelor wird das Geld knapp

Frank T. darf sich zu den Glücklichen rechnen: Für ihn macht die Bank den Weg ins Master-Studium frei. Nach dem Bachelor braucht der Wirtschaftsstudent ein neues Darlehen, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Bafög wird nicht reichen.

05.01.2011 22:10
Hermann Horstkotte
Master-Studenten müssen häufig um ihre Studienförderung bangen Foto: dapd

Zwar vergibt seine Bank wie auch einige andere Geldinstitute heute keine eigenen Studienkredite mehr. „Wir vermitteln jedoch entsprechende Finanzierungen der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)“, sagt Heribert Klein, Sprecher der Commerzbank in Düsseldorf. „Damit können wir unserem Kunden weiterhelfen.“

Ganz so problemlos aber läuft die Kreditvergabe in der Regel nicht. Nötig sind dafür das (vorläufige) Bachelor-Zeugnis und die Zulassung zum Masterprogramm. Bis beide Bescheinigungen vorliegen, kann Zeit bis zum nächsten Semester vergehen, kritisiert der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heide.

An der Uni Bonn etwa haben die Prüfer mindestens drei Wochen Zeit, dem Bachelor-Prüfungsamt die letzte Note zu melden. Bis zur vorläufigen Examensbescheinigung muss der Absolvent praktisch einen Monat warten. Dann kann er einen Neuantrag zur weiteren Studienfinanzierung stellen. Und es geht langsam weiter. „Wir brauchen für die Bearbeitung schon mal sechs Wochen“, sagt etwa Oliver Leitner vom Bafög-Amt der Uni München. „Zum Teil sind die Antragsteller aber selber schuld, wenn sie nicht alle Unterlagen mitbringen.“

Solange die Sache noch nicht abschließend geklärt ist, werden weder Bafög noch der Studienkredit überwiesen. Wenn die Bank die Geduld verliert und auf prompte Rückzahlung des alten Kredits besteht, droht dem Absolventen sogar die Privatinsolvenz. Denn Studiendarlehen sind nicht zuletzt für die Geldgeber ein großes Risiko. Im Normalfall, dem direkt anschließenden Weiterstudium nach dem Bachelor, bekommen Absolventen wie Frank T. für weitere zwei Jahre Bafög und/oder ein KfW-Darlehen von monatlich bis zu 650 Euro.

Die staatlichen Studiengebühren von bis zu 500 Euro pro Semester strecken im jeweiligen Bundesland öffentliche Förderinstitute vor, an Rhein und Ruhr ist das die NRW-Bank. Als Master wird T. so voraussichtlich mit satten 35.000 Euro Schulden in den Beruf gehen. Und die Geldgeber hoffen mit ihm, dass er seine Lasten dann langsam abstottern kann.

Problem für Alleinerziehende

„Nicht der Kredit ist das Grundproblem“, sagt Florian Pranghe vom bundesweiten Freien Zusammenschluss von Studentinnenschaften (fzs). „Der eigentliche Skandal ist vielmehr, dass der Staat den Studierwilligen nicht von sich aus ausreichend unter die Arme greift.“ Bafög etwa richtet sich nach dem Elterneinkommen, so dass die allerwenigsten Berechtigten den monatlichen Höchstsatz erreichen.

Für zusätzliches Jobben bleibt beim eng getakteten Bachelor-oder Master-Studium weniger Zeit als früher. Trotzdem versucht das nach der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks mehr als ein Viertel der zwei Millionen Hochschüler in Deutschland.

Ansonsten erscheint der private Kredit wie im Falle von Frank T. als letzter Ausweg. Besonders angewiesen ist darauf, wer etwa als Alleinerziehende(r) ein förmliches Teilzeitstudium absolviert. Dann gibt es weder Bafög noch einen KfW-Kredit. Auch wer als Spätberufener schon in den Dreißigern ist, geht leer aus. Demgegenüber fordert der Stifterverband aktuell ein neues Finanzierungsmodell, das die Förderung nicht nach Semestern, sondern einzelnen Studienmodulen (Lerneinheiten) berechnet, unabhängig vom Lebensalter und einem Vollzeit-Studium.

Gleichwohl sind es in der Regel nicht die Kinder der Ärmsten, die am ehesten auf Kredite angewiesen sind. Sie bekommen den Bafög-Höchstsatz, mit dem man zur Not über die Runden kommen könnte. Darüber hinaus scheuen sie weitere Belastungen. Schuldenmachen ist somit mehr eine Versuchung für Töchter und Söhne aus der Mittelschicht.

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