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Göttinger Asta will Aussteigern helfen Raus aus der Burschenschaft

Mit dem Service „Falsch verbunden“ bietet der Asta Göttingen eine Telefonberatung für aussteigungswillige Burschenschaftler an. Vorbild ist ein Aussteigerprogramm an der Universität Leipzig.

30.05.2011 18:54
Von Heidi Niemann
Mit Fragen wie „Leidest du unter straffen Hierarchien und fragwürdigen Ritualen?“, wendet sich Göttinger Asta an Burschenschaften (Archivbild). Foto: dpa/dpaweb

Bislang gab es zwischen dem Allgemeinen Studierendenausschuss der Universität und den Mitgliedern der knapp 50 Studentenverbindungen in Göttingen nur wenig Berührungspunkte. Jetzt aber will sich die Studentenvertretung auch um diese Klientel kümmern – mit einem speziellen Hilfsangebot: Unter dem Motto „Falsch verbunden“ bietet der Asta fortan eine spezielle Telefonberatung für Burschenschafter an, die Probleme mit den Strukturen und Gepflogenheiten in ihrer Korporation haben oder ganz aus dieser männerbündischen Gemeinschaft aussteigen möchten.

Die Idee zu dem Projekt stamme von einer studentischen Gruppe, die sich seit längerem mit Burschenschaften auseinandersetze, sagt der Öffentlichkeitsreferent des Göttinger Asta, Patrick Michaelis. Vorbild sei ein Aussteigerprogramm an der Universität Leipzig. Dort bietet der „StudentInnenrat“ unter dem Titel „Presence“ bereits seit 2007 ein Beratungs- und Hilfsprogramm für Angehörige von Burschenschaften an.

Hierarchische Strukturen

Man wisse aus Gesprächen mit Studenten, dass es Aussteigewillige gebe, die ihre Verbindungen verlassen möchten, so Projektbetreuer Erik Angermann. Die Betroffenen hätten sich oft etwa von günstigen Wohnangeboten locken lassen, ohne zu wissen, in welche hierarchischen Strukturen sie sich dort begeben.

Nach Ansicht der Initiatoren können Leistungsdruck, elitäre Anforderungen, Schwulenfeindlichkeit, Alkoholismus und Rituale der Unterordnung, wie sie in manchen Burschenschaften gepflegt werden, zu psychischen und physischen Problemen führen und auch dazu, dass die Persönlichkeit der Mitglieder leidet.

Auf den Flyern, die sie auf dem Campus verteilen wollen, sprechen sie diese Aspekte direkt an: „Siehst du dich von deinen Verbandsbrüdern unter Druck gesetzt oder wirst sogar bedroht?“ „Stören dich patriarchale Frauenbilder und nationalistische Parolen in deiner Umgebung?“ „Leidest du unter straffen Hierarchien und fragwürdigen Ritualen?“

All dies wird dort gefragt. Man wolle mit der Telefonberatung ein niedrigschwelliges Angebot machen, berichtet Projektmitarbeiterin Svenja von Jan. Die speziell geschulten Berater geben nicht nur psychologische Unterstützung, sondern helfen auch bei der Suche nach kostengünstigem Wohnraum. Bei gravierenden Problemen und akuten Krisen vermitteln sie die Hilfesuchenden an die psychosoziale Beratung des Studentenwerks sowie an Rechtsberatungsstellen und Psychologen. In vielen Fällen sei es nicht so leicht, aus einer Burschenschaft wieder herauszukommen, sagt Asta-Sprecher Patrick Michaelis. Häufig werde auf die Betroffenen ein erheblicher sozialer Druck ausgeübt.

Sozialer Druck

Nach Schätzungen des Asta sind in Göttingen rund 800 Studierende in Burschenschaften organisiert. Einige von ihnen seien stark rechtslastig. Daneben gibt es auch konfessionelle und liberale Burschenschaften. Zu ihnen gehört die Brunsviga Göttingen. Diese war 1995 aus Protest gegen die Rechtslastigkeit der Deutschen Burschenschaft aus dem Dachverband ausgetreten und hatte gemeinsam mit anderen Verbindungen die Neue Deutsche Burschenschaft gegründet. Der damalige Streit hatte sich unter anderem an der Frage entzündet, ob Burschenschaften auch Zivildienstleistende als Mitglieder aufnehmen dürfen. Dem alternativen Dachverband gehören nach eigenen Angaben 23 liberal gesinnte Burschenschaften an, die sich „alle entschieden gegen politisch extreme Tendenzen“ wenden und davon abgrenzen.

Das neue Angebot der Universität Göttingen hat bereits ein lebhaftes Echo hervorgerufen. Manche Studenten fragten, ob der Asta sich einen verspäteten Aprilscherz ausgedacht habe. Vertreter von Studentenverbindungen reagierten empört. Der Asta diffamiere einen Teil der Studentenschaft.

Nähere Informationen zur Aktion der Göttinger Studentenvertreter gibt es montags von 11 bis 12 Uhr beim Beratungstelefon unter der Rufnummer: 0551/3922268.

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